Stand: 10.08.2016 11:35 Uhr

Gräber, Gruftis und Kajal: Das Gothic-ABC

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Dunkle Kleidung, weiße Haut: Gothic-Anhänger mögen nicht nur die Farbe Schwarz, sondern auch vornehme Blässe.

Wer mit Gothic eine Architektur- und Kunstströmung des Mittelalters verbindet, hat wohl nicht richtig aufgepasst. Und wer bei den Anhängern der Subkultur bluttrinkende Satanisten erwartet, irrt sich ebenfalls. Aber was ist eigentlich Gothic? Wer findet das gut? Und was sollen die schwarzen Klamotten? NDR.de nimmt Eigenarten der Szene genau unter die Lupe und erklärt die wichtigsten Begriffe. Das nicht ganz ernst gemeinte Gothic-ABC:

A wie Aussehen

Es heißt immer: Nicht auf das Aussehen kommt es an, die inneren Werte zählen. Das stimmt zwar grundsätzlich, in der Gothic-Kultur ist das äußere Erscheidungsbild aber nicht unwichtig. Denn: Neben der Musik und der Faszination für die Themen Tod und Vergänglichkeit (siehe "E wie Endlichkeit"), spielt die Ästhetik bei der düsteren Subkultur eine wichtige Rolle.

B wie Ballkleider

Viele Gothic-Anhänger mögen das Glamouröse längst vergangener Zeiten. Der Kleidungsstil des Viktorianischen Zeitalters (siehe "V wie Viktorianische Ästhetik") hat es den Szene-Anhängern besonders angetan. Und wer so aussehen will, wie die feinen Damen während der Regierungszeit der britischen Königin Victoria, kommt um lange, ausladende Kleider, Korsetts und Reifröcke kaum herum.

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Wie eine Zeichentrickfigur will bestimmt nicht jeder aussehen - bei den Anime- und Manga-Fans ist das aber erklärtes Ziel.
C wie Cosplay

Nein, hierbei handelt es sich nicht um einen falsch geschriebenen Bezug zur Band Coldplay. Das Kunstwort setzt sich aus den englischen Begriffen "costume" und "play" zusammen und bezeichnet Verkleidungen, die möglichst originalgetreu Zeichentrick-Charaktere aus Mangas oder Animes darstellen. Seinen Ursprung hat der Spaß - wenig verwunderlich - in Japan. Inzwischen gibt es internationale Wettbewerbe und auch eine deutsche Cosplay-Meisterschaft. Die "Gothic-Lolita" ist in der schwarzen Szene wohl das beliebteste Cosplay-Kostüm.

D wie Düstere Musik

Die Szene-Mitglieder stehen auf düstere Musik. Sie hören vor allem Gothic Rock, auch einfach nur als Gothic bezeichnet. Die Musik ist Ende der 1970er-Jahre aus dem Umfeld des Post Punks hervorgegangen. Bass, Gitarren und elektronische Soundeffekte sind entscheidend für diese Stilrichtung, die durchaus auch psychedelisch angehaucht sein darf. Als wichtige Vordenker gelten unter anderem The Velvet Underground, David Bowie oder auch The Rolling Stones. Neben Gothic Rock sind New Wave oder auch Mittelalter Rock bei den Anhängern der Subkultur beliebt.

E wie Endlichkeit

Die Mitglieder der Gothic-Kultur verspüren eine große Faszination für die Themen Endlichkeit und Tod. Viele von ihnen glauben an die Wiedergeburt. Das Vorurteil, dass Gothic-Fans sich grundsätzlich nach dem Tod sehnen und suizidgefährdet sind, stimmt allerdings nicht - sie setzen sich nur mit der eigenen Endlichkeit stärker auseinander, als es viele andere Menschen tun. Deshalb ist der Friedhof (siehe "F wie Friedhof") auch ein beliebter Ort bei Szene-Mitgliedern.

F wie Friedhof

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Für viele Menschen eher unheimlich, für Gothic-Fans ein ganz besonders faszinierender Ort: der Friedhof.

Es stimmt: Gothic-Anhänger mögen Friedhöfe als Ort der Mystik und Ruhe in einer Welt voller Hektik und Stress. Sie sind fasziniert von der Ästhetik alter Grabstätten - und knüpfen damit an die Traditon der Romantik im 19. Jahrhundert an. Allerdings sind Friedhöfe für die Gothics nicht nur Orte des Todes, sondern auch der Meditation und Wiedergeburt.

G wie Grufti

Im deutschen Sprachraum heißen Gothic-Anhänger umgangssprachlich "Gruftis". Alternativen sind Bezeichnungen wie "Schwarze" oder "Waver". Gängig sind außerdem "Endzeitromantiker", "Schwarzromantiker" oder "Batcaver". Der Name Grufti bezieht sich auf den Begriff Gruft (siehe "F wie Friedhof") - was anfänglich bei den Anhängern eher negativ aufgenommen wurde. Inzwischen bezeichnen sich Szeneangehörige aber durchaus salopp selbst als Gruftis. Länderübergreifend ist der Begriff "Goths" üblich. In der DDR wurden die Anhänger des Gothic auch als "Ghouls" oder "Darks" bezeichnet.

H wie Haarpracht

Eine praktische Kurzhaarfrisur ist für den typischen Gothic-Mann nicht unbedingt die erste Wahl. Die Haarpracht darf durchaus extravagant ausfallen. Lange Haare, Irokesenschnitt, bunt-gesträhnt, hochtoupiert - je ausgefallener, desto besser. Das gilt aber nicht nur für das Haupthaar des männlichen Gothic-Anhängers, sondern auch für die Frauen. Mal eben die Haare zu einem einfachen Zopf zusammenbinden, ist eher keine Option.

I wie Irrglaube

Häufig werden Anhänger der Gothic-Kultur aufgrund ihrer äußeren Erscheinung mit Satanisten verwechselt. Das ist allerdings ein weit verbreiteter Irrglaube. Den christlichen Glauben abzulehnen ist - anders als im Satanismus - in der Gothic-Bewegung keine Voraussetzung, um als Szenemitglied akzeptiert zu werden.

J wie Jeans

In anderen Subkulturen zwar weit verbreitet, sind Jeans bei Gruftis keine bevorzugten Modebegleiter. Anhänger der Subkultur greifen eher zu Latex (siehe "L wie Latex-Mode"), barocken Kleidern (siehe "B wie Ballkleider") oder anderen, auffälligen Modeschöpfungen.

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Bevor es unter Leute geht, erst mal den Kajal ansetzen: ein Gothic-Fan auf dem M'era Luna Festival 2013.
K wie Kajal

Schminke ist in der Gothic-Szene nichts, was den Frauen vorbehalten wäre. Wichtigstes Utensil eines Gruftis: ein Kajal - in Schwarz, versteht sich. Ohne Kohlstift um die Augen gehen Endzeitromantiker nur ungern vor die Tür. Es geht aber nicht zwingend darum, dezent die eigene Schönheit zu unterstreichen, sondern es darf gerne auch mal dick aufgetragen werden.

L wie Latex-Mode

Bei der Kleider-Wahl bevorzugen Gothic-Anhänger nicht nur die Farbe Schwarz, sondern auch extravagante Klamotten (siehe "O wie Ouftit"). Gerne greifen sie dabei zu ungewöhnlichen Materialien wie Latex. Die Gummi-Mode findet in der Subkultur besonders viele Anhänger.

M wie Mittelalter

Die Gotik mag geschichtlich zwar als eine Kunstform des Mittelalters zählen. Aber wehe dem, der Mittelalter-Rock musikalisch mit Gothic verwechselt! Beim Mittelalter-Rock finden sich altertümliche Instrumente wie Laute und Schalmei auf der Bühne - und zum Entzücken der weiblichen Fans oft leicht bekleidetete Männer. Zu den bekannten deutschen Bands des Genres gehören unter anderem In Extremo und Subway To Sally. Aber zugegeben: Modisch gesehen lassen sich auch Goths gerne von mittelalterlichen Schnitten inspirieren.

Dieses Thema im Programm:

03.12.2016 | 01:30 Uhr

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