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Lionel Richie gehört nach wie vor zu den ganz Großen im Showbusiness. Das wissen auch seine Fans, die zahlreich zu seinem Auftritt in die O2 World gepilgert sind. Ob es am Auftritt der Hamburgerin Oceana liegt, oder die Vorfreude so riesig ist - kurz vor 21 Uhr ist die Stimmung in der Halle schon auf dem - ersten - Höhepunkt. La-Ola-Wellen gehen durchs Publikum. Dreimal rollt die Welle, dann geht das Licht aus und der halbdurchsichtige, seidenartige Vorhang geht hoch. Applaus brandet auf. Lionel Richie ist endlich am Start.
Doch Richie lässt einen kurzen Moment auf sich warten. Hören kann man ihn schon, bei einer Dance-Version von "Hello", die in den Song "All Around The World" übergeht, doch dauert es noch einen Moment, bis er schließlich von einer winzigen Hebebühne auf die schnörkelige Showtreppe gefahren und sichtbar wird. So viel Showeffekt muss sein.
Richie sieht super aus. Ganz in schwarz gekleidet, Haare und Schnurbart top, der Körper trainiert. Der Entertainer ist ganz offensichtlich fit für den Abend. Nicht schlecht für seine 63 Jahre. Und so lässt er lebenserfahren und cool an seinen Songs Anteil nehmen. Frei nach dem Motto: große Moderationen und Gesten für große Hits. Und die gibt es an diesem Abend zuhauf.
Am Klavier sitzend, verzichtet der Sänger auch nicht auf den Einbau eines Running Gags.
Wer befürchtet hätte, dass das Motto "Tuskegee" für Songs im Country-Stil steht, darf zumindest bei der Live-Umsetzung aufatmen. Richies Hits klingen insgesamt vielleicht etwas flotter und rockiger, und hin und wieder findet eine Mundharmonika ihren Einsatz, aber das war's auch schon. Und so kann sich das Publikum an Songs wie "Penny Lover" oder "Ballerina Girl" freuen, die mit Band gespielt werden, oder an Medleys und anderen Klassikern wie "Easy", die Richie allein am Klavier sitzend singt. Nicht ohne auf einen Running Gag zu verzichten: Jedes Mal, wenn er ans Klavier geht, taucht aus dem Hintergrund ein Roadie auf, der ihm etwas zu trinken reicht. "Wasser", mault Richie halb belustigt. "Die Leute erwarten doch sicher, dass ich mal 'nen Schampus kippe".
Später bekommt er endlich einen Sektkelch mit heller Flüssigkeit, die er genüsslich trinkt. Wobei es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit eher um Apfelsaft handelt. There is no business like showbusiness.
Richie spielt knapp zwei Stunden - dreimaliger Kleidungswechsel inklusive.
Richie hat guten Grund, Flüssigkeit in sich zu schütten - knapp zwei Stunden Show spielt er, läuft unermüdlich auf der Bühne rum, zieht sich dreimal um und macht sein Publikum an. "Ich habe was gesehen, was mir nicht gefällt", ruft Richie. "Ich schwitze und ihr nicht. Das müssen wir ändern", sagt er und legt mit einem Stück wie "Dancing On The Ceiling" los, das mit weiteren funky Songs aus seiner "Commodores"-Zeit endlich auch sein Publikum in Wallung und Tanzlaune bringt.
Mit viel Jubel geht es ans Ende des Abends, einmal "Hello" als Pianoballade, dann noch ein "All Night Long", das mit einem "Gangnam-Style" á la Richie endet. Dann verlässt er die Bühne - um ein allerletztes Mal in weißem Sakko zurück zu kommen und ein kurzes Goodbye zu singen. Wie es sich für einen Publikumsmagneten und großen Entertainer nun mal gebührt, der sein Publikum auch an diesem Abend sehr erfreuen konnte.