Rock, Soul & Blues bei Hamburg Sounds
Mit Jessy Martens, Rolf Stahlhofen und Jean Jacques Kravetz bei Hamburg Sounds mehr
Sie sind extra aus dem südniedersächsischen Helmstedt angereist: Maik und Doris Siemann stehen direkt vor der Bühne im Foyer des NDR Landesfunkhauses Hamburg. Sie tragen T-Shirts der Hottentotten-Tour von Marius Müller-Westernhagen und Westernhagen-Schals. Jetzt warten sie auf den Auftritt von - Heino. Diese ungewöhnlich scheinende Konstellation ist durch nichts Geringeres bedingt als die Welturaufführung der Songs von Heinos neuer CD "Mit freundlichen Grüßen" im Rahmen von Hamburg Sounds Spezial bei NDR 90,3.
Auf dem Album wendet sich der Sänger mit den blond gefärbten Haaren und der großen Sonnenbrille als Markenzeichen einem für ihn vollkommen neuen Musikstil zu: Heino rockt. Zum ersten Mal spielt er am Freitagabend seine Cover-Versionen von Pop- und Rockkünstlern wie Rammstein, Herbert Grönemeyer und eben Westernhagen. Die beiden Helmstedter haben die Karten dafür übrigens über die Westernhagen-Facebook-Seite gewonnen. Der Musiker habe nichts dagegen, von Heino gecovert zu werden, sagt Maik Siemann. Er selbst sieht es ähnlich: "Wenn er die Songs singen will, dann soll er sie singen!"
Passend zu seiner neuen Rolle als Rocker kommt der bisher als Volksmusiker bekannte Heino mit einem schwarzen T-Shirt auf die Bühne. Auf dem ist - natürlich - ein Sonnenbrille tragender Totenkopf abgebildet. Zu Beginn geht sein Mikrofon nicht richtig: "So ist das bei den Rockern", kommentiert der Star unter großem Gelächter des Publikums die kleine Panne.
Und dann legt er, mit neuem Mikro, los: Bei "Junge" von den Ärzten beginnen die etwa 200 Zuschauer sofort mitzuwippen, viele singen auch mit. Heino trägt den Text mit seiner markanten Stimme deutlich getragener als die Ärzte vor. Sein rollendes "R" prägt den Song. Im Anschluss singt er mit "Sonne" einen Titel der Rockband Rammstein. "Das hätte ich nicht gedacht", sagt eine sichtlich erstaunte Frau. Sie sei nur als Fahrerin mitgekommen und nun ziemlich begeistert von dem rockigen Heino-Sound, auch vom anschließenden "Kling Klang" der Band Keimzeit. Im Publikum befinden sich übrigens auch 80 Journalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die alle über Heinos heiß diskutierte Rocker-Premiere berichten wollen.
Im Gespräch mit NDR 90,3 Moderatorin Anke Harnack erklärt Heino, dass er die Aufregung um seine neue Platte nicht aus Kalkül bewusst in Kauf genommen hat. Im Vorfeld hatte das neue Album hohe Wellen geschlagen. Der von der "Bild"-Zeitung ausgerufene "Rocker-Krieg gegen Heino" entpuppte sich jedoch recht bald als relativ heiße Luft. Anfängliche Berichte, dass Rammstein oder die Ärzte gar gerichtlich gegen das Album vorgehen wollten, wurden wieder dementiert. "Ich will keinen Ärger bereiten, sondern Freude", stellt Heino klar, bevor er mit "Willenlos" von Westernhagen weiterrockt.
Die Helmstedter Westernhagen-Fans sind jetzt nicht mehr zu halten und schwenken laut mitsingend ihre Schals. Nach "Kompliment" von den Sportfreunden Stiller kommt Heino zu "Was soll das" von Herbert Grönemeyer. Dem typischen Nuscheln Grönemeyers setzt Heino auch hier eine sehr klare Artikulation jeder Silbe entgegen. "Endlich versteht man das mal", ist aus dem Publikum zu hören. Anke Harnack ist sich sicher: "Jetzt merken wir, wie schlageresk der deutsche Pop ist."
Sein bürgerlicher Name lautet Heinz-Georg Kramm, von Haus aus ist der geborene Düsseldorfer Bäcker und Konditor. Als solcher hat sich Heino allerdings keinen Namen gemacht. Umso populärer ist er durch seine unzähligen Auftritte als Schlagersänger und Interpret deutscher Volkslieder geworden. Der mittlerweile über 70-jährige Sänger nahm 1961, vor also mehr als 50 Jahren, seine erste Schallplatte auf - unzählige weitere folgten.
Mit "Leuchtturm" von Nena covert Heino auch einen Song einer Frau, ehe er sich verabschiedet - natürlich nicht ohne noch eine Zugabe zu geben. "Haus am See" von Peter Fox schließt den Abend ab. Hier können Sie sich die Mitschnitte der Songs noch einmal anschauen. "Und am Ende schlagen wir alles kaputt, wie die Rocker das machen", hatte Heino zu Anfang scherzhaft angekündigt. "Das ist mir als Volksmusiker nie gelungen." Doch auch als Rocker bleibt er brav und das Mobiliar intakt.
Geduldig gibt Heino nach dem Konzert Autogramme und lässt sich mit seinen Fans fotografieren. Auch die Westernhagen-Anhänger aus Helmstedt bekommen ein Bild mit ihm. Maik Siemann spricht kurz mit Heino. Der Sänger habe sich sehr gefreut, sagt Siemann, als er ihm für das Konzert mit den Worten gedankt habe: "Jetzt können Oma und Opa richtig rocken!"
Was soll das Ganze ?!
Keine Ahnung wann man diesem 74 jährigen Mann so ein Floh ins Ohr gesetzt hat, sich eine Lederjacke und einen Totenkopfshirt-und Ring anzuziehen ! Sicherlich hat er seine 50 Millionen Platten... [mehr]
für immer Punk
Ich war schon immer Heinofan, auch wenn ich sonst eher andere Sachen höre ( von Laurie Anderson bis ZZ-Top) Ich habe Heino vor über 40 Jahren schon auf einer kleinen Waldbühne im Harz erlebt und... [mehr]
Heino
Ich fand das Konzert supertoll, obwohl mir Heino immer ein Graus war. Die Karten habe ich gewonnen, und einem geschenkten Gaul ....! Mein Mann hat ein Video vom Konzert gemacht, und dabei kommt voll... [mehr]
das war live!
Wenn man keine Ahnung hat, sollte man einfach mal den Mund halten! Ich war vor Ort und kann nur bestätigen: Musik und Gesang waren live! Playback hat Heino auch nicht nötig, der Mann ist seit 50 ... [mehr]
Schlagerfuzzi
Schlagerfuzzi bleibt Schlagerfuzzi. Kein Wunder, dass die Schlagerfuzzifans vom Schlagerfuzzi Westernhagen das gut fanden. [mehr]