Bühne nicht nur für Stars
NDR 90,3 präsentiert in der Konzertreihe die spannendsten Musiker. mehr
Rio Reiser lebt - zumindest fühlte es sich für ein paar Stunden in der Fabrik in Hamburg-Altona so an. Selig-Frontmann Jan Plewka sang am Montagabend bei einer Spezialausgabe von Hamburg Sounds die Lieder des 1996 verstorbenen Polit-Pop-Revolutionärs. Von "Keine Macht für Niemand" über "Alles Lüge" bis hin zu "Junimond" spielten er und seine Band die Schwarz-Rote Heilsarmee so gut wie alles, was an Reiser erinnert. Das Hamburger Publikum erwies sich dabei nicht nur als extrem textsicher, sondern auch als besonders tanzwillig.
Gefühlvoll wie Rio Reiser selbst singt Jan Plewka die Ballade "Junimond". Das Hamburg Sounds Publikum hält es nicht mehr auf den Stühlen in der Fabrik.
Es war die letzte Ausgabe der Konzertreihe Hamburg Sounds vor der Sommerpause und in der Fabrik blieb so gut wie kein Stuhl leer. Einfach nur dasitzen und sich von dem Konzert unter dem Motto "Jan Plewka singt Rio Reiser" frontal berieseln zu lassen, war allerdings nicht drin, denn Plewka scheint Überraschungs-Auftritte zu lieben. So spielte er das erste Lied "Stiller Raum" nicht auf, sondern hinter der Bühne.
Als er dann bei "Halt dich an meiner Liebe fest" im schwarzen Glitzermantel und weißen Hemd mit Gänsehaut-Stimme irgendwo im Publikum auftauchte, war klar: Das wird kein langweiliger Abend. Abwechslungsreich blieb es dann auch. Mal sang Plewka auf einer Empore stehend auf das Publikum herab, mal zog er mit seiner Band durch die Reihen und ging auf Tuchfühlung mit dem Publikum. Mal spielte er Gitarre, mal Melodica, mal versuchte er sich am Akkordeon.
Jan Plewka zeigt sich bei Hamburg Sounds sehr vielfältig. Ob am Mikro, am Akkordeon oder der Melodica: Der Musiker sorgt für Stimmung.
Auch wenn Rio Reiser bereits vor mehr als 15 Jahren starb, bleiben sowohl die Solo-Songs als auch die Lieder seiner Band Ton Steine Scherben unvergessen. Beim legendären "Rauch-Haus-Song" musste Plewka den Refrain gar nicht erst vorsingen - das Publikum erwies sich als äußerst textsicher und singfreudig. Bei "Junimond" musste der Musiker dann die Zuschauer gar nicht lange bitten, sich von den Stühlen zu erheben - schon sprangen sie auf und tanzten. An diesem Abend wandelte Jan Plewka mit seinem Programm nicht nur auf den Spuren des charismatischen Rio Reisers - der Hamburger bewies auch, wie charismatisch und mitreißend er selbst ist.