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The Boss, Bruce Springsteen stand mit seiner E-Street Band in Hannover auf der Bühne.
Zugegeben - zu Anfang bin ich sauer. Sauer, dass der Boss schon um 19.30 Uhr zum Konzert nach Hannover bittet. Und zwar pünktlich. Denn eine Vorgruppe gibt es nicht. Die Folge: der totale Verkehrskollaps in der Landeshauptstadt. 40.000 Springsteen-Fans quälen sich durch den Berufsverkehr und verstopfen die Straßen vollends. Und während noch Hunderte Fans entnervt von einem kryptischen bis nicht vorhandenen Parkleitsystem zur Arena hetzen, dröhnt aus dem Stadion schon die Musik. Danke schön dafür - hätte der Mann nicht wie jeder andere Musiker erst gepflegt gegen neun auf die Bühne kommen können? Nein, hätte er nicht. Denn Bruce Springsteen hat Großes vor an diesem Abend.
Satte dreieinhalb Stunden drischt der US-Superstar auf seine Gitarren ein. Nicht die kleinste Verschnaufpause gönnt sich der Boss. Nicht ein Song, bei dem die Band mit langen Instrumentalteilen Zeit schinden würde. Nicht eine langatmige Pause für Anekdoten und Ansagen. Stattdessen Powerplay! Kaum ist ein Song zu Ende, setzt die E-Street-Band schon mit dem nächsten Song ein. Gibt es doch längere Instrumentalstellen, dann ist Bruce Springsteen garantiert mit von der Partie. Und selbst als er der Band eine Verschnaufpause gönnt, bleibt der Boss allein mit seiner Akustikgitarre zurück und spielt weiter.
Sage und schreibe 30 Songs spielt Bruce Springsteen an diesem Abend. Und erst bei "Dancing In The Dark" kurz vor Schluss merkt man, dass auch der Boss langsam heiser wird. Erst da macht er den obersten Knopf des schwarzen Hemds auf und greift zum Handtuch, um den Schweiß abzuwischen.
Dreieinhalb Stunden ohne Pause lieferten die Musiker einen Song nach dem anderen.
Als Unterstützung hat Bruce Springsteen elf Musiker mit nach Hannover gebracht. Als er die E-Street-Band bei "Johnny 99" vorstellt, wird das Stadion zum Western-Saloon. Neben Gitarren mischen Piano, Geige, Posaune, Trompete und Saxofon mit. Bei anderen Songs pumpen sogar Tuba und Akkordeon ihre Töne in den sagenhaften Klangteppich - und Springsteen greift zur Mundharmonika. Bei "Open All Night" verwandelt die Band die Arena in ein Rock'n'Roll-Tollhaus. Egal ob im dicken Anorak, im Sakko oder im Trägertop - überall im Stadion wird inzwischen getanzt. Selbst in den hintersten Ecken des Innenraums, wo man sich sonst eher am Bier festhält, bilden sich ganze Tanzgruppen. Und auf den Rängen versuchen sich Pärchen zwischen den engen Sitzreihen bei "Seven Nights To Rock" im Paartanz. Die steilen Aufgänge sind schon lange vorher von jenen erobert worden, die sich nicht länger auf den Sitzen halten konnten.
Eine Videoshow, ausgetüftelte Lichteffekte oder bombastische Bühnentechnik hat Bruce Springsteen nicht dabei - wozu auch? Schließlich ist der Boss die Show. Nur bei wenigen Songs wie "Jack Of All Tracks" bleibt er ruhig mit geschlossenen Augen am Mikro stehen und konzentriert sich voll auf die Musik. Meistens aber fegt er mit der Gitarre über die Bühne, oder er rennt eine Treppe hinunter zu den Fans in der ersten Reihe. Bei "Hungry Hearts" überlässt er die sauberen Töne vollends dem Background-Chor und grölt den Hit eher nebenbei, während er sich ganz den Fans am Bühnengatter widmet.
Über 40 Jahre ist Springsteen im Geschäft und erobert sich immer neue Fans - selbst die Kleinsten rocken mit!
Springsteen nimmt sich Zeit, um einen kleinen Brief anzunehmen. Wie es sich für einen alten Mann gehört, liest er die Notiz mit weitausgestreckten Armen und schneidet vielsagende Grimassen. Dann zieht er weiter und lässt sich ein Bier ausgeben, das er gleich auf Ex trinkt - wobei die Hälfte danebenläuft. Ein anderes Mal reckt sich der Boss mitten im Song übers Gatter und posiert für ein Foto, während unzählige Hände durch seine Haare wuscheln. Und immer wieder reagiert er auf die Schilder, die im entgegengereckt werden. "Dance With My Sister" steht auf einem Plakat - und prompt holt Springsteen die junge Frau zu "Dancing In The Dark" aus dem Publikum. Ein anderes Mal darf ein Fan mit ihm zusammen Gitarre spielen - und bei "Waiting On A Sunny Day" fischt der Boss einen kleinen Jungen aus dem Publikum, der wacker ohne Musikbegleitung vor 40.000 Fans den Song ins Mikro singt.
Und als man sich schon fragt, ob das Powerplay ewig weitergehen wird, verabschiedet sich der Boss doch noch mit einem "Wir lieben Euch" und breiten Grinsen. Während am Ende das zweite Verkehrschaos an diesem Abend seinen Lauf nimmt, tanzen vor der Arena immer noch einzelne Fans bei Bratwurst und Bier und singen "Born In The USA". Und erst jetzt traut sich auch der Regen aus der Deckung und flutet Hannover. Es scheint, als hätte der Boss sogar beim Wetter das Sagen.
Super Beschreibung, aber Verkehrschaos?
Wir sind extra aus Berlin mit dem WoMo gekommen. Von Verkehrschaos haben wir nichts gemerkt, denn wir haben uns bis zum NDR ans Leitsystem gehalten. Aber vielleicht ist man in Berlin zur Rushhour auch... [mehr]
ja
Hallo , Sie haben die Stimmung und das Konzert Erlebnis super beschrieben. Wir hätten es nicht anders beschreiben können. Danke [mehr]