Konzerte von A-Z
Newcomer und große Stars im Norden - präsentiert von NDR 2. mehr
Trotz schlechter Sound-Qualität überzeugt Alanis Morissette mit ihrer gewaltigen Stimme.
Für ihr einziges Konzert im Norden hat Alanis Morissette sich nicht lumpen lassen. Gleich zwei Vorbands sollten die Vorfreude auf den Abend mit ihr steigern. Ihr Ehemann, der Rapper Souleye, machte den Anfang, gefolgt von den Reamonn-Nachfahren Stereolove. Beide heizten dem Publikum im gut gefüllten CCH in Hamburg kräftig ein, ehe der kanadische Superstar um kurz vor 10 Uhr seinen großen Auftritt haben sollte - der zunächst einmal akustisch blieb. Vor den Blicken der Zuschauer verborgen sang sie erst mal rund zwei Minuten zu indisch inspirierten Klängen und wurde dann sichtbar. Ein hübscher Trick, den Auftritt spannend zu gestalten - und der wurde gerne angenommen, es gab spontanen Szenenapplaus.
Dann endlich der Auftritt von Alanis: Die 38-Jährige joggt in weißer Schlabberbluse und enger schwarzer Hose, die auch Mick Jagger stehen würde, bestens gelaunt auf die Bühne. Sie legt mit "Woman Down" aus ihrem neuen Album los, was leider nur zum Teil ein Genuss ist, denn etwas stört: der Sound! Ihre Stimme ist kaum zu verstehen, vermischt sich mit einem undeutlichen Bühnensound, der aus allerlei Gitarren, viel zu viel Bässen und Drums besteht. Der Sound der Band wird im Laufe des Abends zu Brei im Hintergrund, der hinter zu lauten und spitz gemischten Vokals den Rückzug antritt. Dafür, dass die Show hauptsächlich Wert auf die Songs legt, ist das eindeutig zu wenig und hätte das Zeug zum Killer-Faktor. Doch zum Glück hat Alanis andere Qualitäten - und geduldige Fans, die das wissen.
Die sympathische Sängerin mit der unendlich langen Mähne wirkt frisch, gut gelaunt und voller Energie.
So macht sie den arg verbesserungswürdigen Sound an anderer Stelle wett: Als Wiedereinsteigerin in ihren Job als Popstar zeigt sie, dass ihre Kondition prächtig ist. Sie rockt, rennt, springt und singt, was das Zeug hält. Und das 110 Minuten lang, nahezu ohne Pausen. Sie bewegt sich wie eine rastlose Tigerin am Bühnenrand, mit schwarzer Glitzergitarre im Rückwärtsgang oder als gelöster Star mit Hippie-Attitüde beim Headbanging. Ein beeindruckender Vorgang, der bei ihrer Haarlänge an eine Seeanemone bei Sturmflut denken lässt.
Über allem steht ihre Stimme, die durchdringend und stark ist, auch wenn sie leider nicht so strahlend und klar wie auf dem Album klingt. Doch ihre Fans sind dennoch in bester Stimmung. Alanis kann nun mal singen und die Songauswahl ist auch nicht ohne. Eine gekonnte Mischung aus den Hits von ihrem "Jagged Little Pill" und dem aktuellen Album "Havoc And Bright Lights". Klare Höhepunkte sind die Songs "Guardian", "You Learn" und vor allem ihr Superhit "Ironic", bei dem der ganze Saal mitsingt.
Mit ihrer exzellenten Band heizt Alanis ihren Fans ordentlich ein. Ein Rockkonzert vom Feinsten.
Spätestens zur Zugabe wird der Hörgenuss etwas besser und der Sound auf der Bühne leiser. Die letzten Songs bringen die erhoffte Klarheit und einen harmonischen Abschluss, denn die Band spielt unplugged. Darunter Songs wie "Hands Clean" und "One Hand In My Pocket". Danach werden die Instrumente noch mal eingestöpselt für ein von ganzem Herzen kommendes "Thank You". Das hätten wir gern uneingeschränkt erwidert - und können es hoffentlich beim nächsten Mal, wenn der Sound wieder stimmt!