Stand: 15.03.2016 09:05 Uhr

Sunrise Avenue im neuen Sound

von Michael Latz

Der gerüschte Samtvorhang, hinter dem Samu Haber die ersten Strophen singt, könnte glatt aus einem barocken Theater stammen. Keine Frage, dieses Sunrise Avenue-Konzert in der Arena in Hamburg ist anders als die vielen Clubauftritte und Open-Air-Shows, mit denen die Finnen den Norden in den vergangenen Jahren begeistert haben.

Sunrise Avenue rocken mit Orchester

Anders wegen des ruhigen und bedächtigen Auftakts als Schattenspiel hinter dem Vorhang - und anders, weil sich hinter der blickdichten Barriere geradezu ein Heer aus Instrumenten und Musikern verbirgt. Und das zeigt schnell, was es kann, als sich der Vorhang schließlich hebt. Das getragene Intro von "Wonderland" schraubt sich schon nach dem Refrain zu einer ersten Leistungsschau des Orchesters hoch. Gut 30 Musiker begleiten Sunrise Avenue auf dieser Tour - von Geige über Cello und Kontrabass bis zu Flügelhorn, Posaune, Saxofon und Querflöte ist alles dabei. Selbst Keyboarder Osmo Ikonen hat am Flügel Platz genommen. Gemeinsam rollen sie einen satten klassischen Klangteppich für Samus tiefe und markante Stimme aus, bis Riku Rajamaa in die Saiten seiner E-Gitarre greift und mit brachialem Rocksound kontert. Der Rest des Songs ist ein Kräftemessen aus Klassik und Rock, das schließlich im Blitzlichtgewitter der Bühnenshow gipfelt - ein Vorgeschmack auf die folgenden knapp zweieinhalb Stunden.

Große Hits mal ganz anders

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Samu Haber genießt den Auftritt mit den vielen Musikern des Wonderland Orchesters.

Im vergangenen Frühsommer hatten sich Sunrise Avenue auf der Expo Plaza in Hannover zum ersten Mal an einem Auftritt mit Orchester-Begleitung versucht. Was damals noch eine Übung war, ist nun zu einer beeindruckenden Show ausgereift. Statt ihre vielen Hits, die die Fans inzwischen in- und auswendig kennen, mit einem klebrigen klassischen Zuckerguss aufzuhübschen, hat sich die Band um Samu Haber richtig Mühe gegeben. Fast jeder Song ist völlig neu arrangiert - manche Stücke interpretieren die Musiker so anders, dass sie die Fans erst beim Gesang erkennen. Das klingt nicht nur erfrischend, sondern macht die Show einzigartig.

"Funky Town" ist so ein Beispiel: Was mit einem Western-Intro mit Mexican-Trompete beginnt, entwickelt sich über ein Duett aus knarzendem Kontrabass und dominanter Gitarre zu reinstem Powerplay. Ein bisschen weniger Funk und der Song könnte glatt als Uptempo-Hymne für den nächsten Bond durchgehen. Damit nicht genug, am Ende unterstützt Keyboarder Osmo seinen Frontmann mit einem astreinen Rap-Part.

Fast zweieinhalb Stunden Action

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Fast zweieinhalb Stunden gibt die Band Gas - das Publikum ist begeistert.

Sunrise Avenue kleckern nicht, sie klotzen mal so richtig. Das gilt auch für den neun Jahre alten Hit "Forever Yours". Erst kommt der Song mit so einem düsteren Bassgewummer und einem fast orientalischen Streicherteppich daher, dass er kaum wiederzuerkennen ist. Aber dann verbinden sich die klassischen Instrumente und der Rocksound so zu einem kraftvollen Gemisch, dass selbst Samu Haber stellenweise kaum dagegen ankommt. Selbst die ruhigen Phasen, die nach solchen Klangexplosionen folgen, sind nicht langweilig. Zu "Sail Away" gönnt sich Gitarrist Riku ein minutenlanges, ruhiges Impro-Solo, bevor Samu auf dem Bühnenpodest Platz nimmt und schließlich zum Mikro greift. Begleitet werden die beiden nur noch von einer einzigen Violine. Das ist so kitschig schön, dass auch der angedeutete Regen auf Videowand nicht weiter stört.

Nur für zwei Songs verzichten Sunrise Avenue ganz auf die Unterstützung des Orchesters. Als sich die fünf Finnen in der zweiten Konzerthälfte auf eine winzig kleine Bühne tief im Innenraum der Halle zurückziehen, haben die Musiker Pause. Stattdessen greifen Samu & Co. selbst zu Akustikgitarre und Cello und singen ganz nah bei den Fans vom Leben auf Tour. Bei den Fans kommt eben diese Mischung prima an - schon beim ersten Song stehen die meisten im Innenraum von ihren Sitzplätzen auf und nehmen nur noch hin und wieder zum Verschnaufen Platz. Und wenn Samu Haber in die Halle ruft "You know the words!" ist jedem klar, dass bei "Lifesafer" oder "Nothing Is Over" Mitsingen gefragt ist.

Mit nach Hause nehmen sie schließlich das Versprechen, dass sich Sunrise Avenue nach dieser einmaligen Tour schon bald zurückmelden werden. Schon im nächsten Jahr könnte es neue Songs von den Finnen geben, verspricht Samu. Dann wieder im gewohnten Rock-Sound.

Samu: "Die Emotion muss raus"

NDR 2

Samu Haber von Sunrise Avenue war im Gespräch mit Kristina Bischoff. Im NDR 2 Interview sprachen sie über Emotionen, Einsamkeit, Liebe und natürlich Musik und Karriere. mehr

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