Stand: 12.12.2015 01:15 Uhr

Pur: Schwabenjungs, die gern in Hamburg spielen

von Daniel Sprenger

"In der langen Geschichte der ehemaligen Schülerband ist einiges zusammengekommen", sagt Hartmut Engler zu Beginn des Pur-Konzerts am Freitagabend in Hamburg. Darauf warten die Fans in der Halle - und das will natürlich auch vonseiten der seit 40 Jahren bestehenden Pop-Gruppe heraus. Doch bis es zu Hits wie "Abenteuerland", "Ich lieb dich" und "Indianer" kommt, gibt es viele Songs vom neuen Album "Achtung" zu hören.

Nachdem die Band in dröhnenden Bass und wabernden Bodennebel hinein auf die Bühne kommt, spielt sie zunächst etwa "Wer hält die Welt" und "Heimwehland". Mit "Freunde" wird zum ersten Mal ein Klassiker präsentiert - und nur noch wenige hält es auf den Sitzen. Engler wird bei diesem Song besonders eifrig von Keyboarder Cherry Gehring als zweiter Stimme unterstützt.

Pur in Hamburg

Appell zu Achtung und Respekt

"Vor zwei Jahren haben wir die Arbeit an dem neuen Album begonnen, da konnte man nicht ahnen, dass das Thema so aktuell wird", sagt Engler und stimmt den Titelsong "Achtung" an. Zur Verstärkung der Textzeilen "Achtung Achtung, pass auf. Achtung Achtung Respekt!" kommt zum ersten Mal Pyrotechnik zum Einsatz. Flammen zucken Richtung Hallendecke und Engler schickt einen feurigen Appell hinterher: "Über Achtung und Respekt sollte man viel reden in dieser Zeit." Er spielt dabei auf die Terrorgefahr und die Flüchtlingskrise an. Diese Themen könnten zwar verunsichern, aber man dürfe nicht anfällig werden für braunes Gedankengut. "Wir müssen sagen: mit uns nicht!"

Der über 20 Jahre alte Song "Neue Brücken", der daraufhin gespielt wird, liefert hierzu ein paar schöne Zeilen, die heute aktueller sind denn je: "Neue Brücken über Flüsse voller dummer Arroganz; Neue Brücken über Täler tiefster Intoleranz."

Hits versteckt im Akustik-Medley

Weitere Informationen

Ihr Bild vom Pur-Konzert

Waren Sie beim Konzert von Pur in der Hamburger Arena dabei? Hier finden Sie die Besucher-Bilder des Abends, die NDR 90,3 von Ihnen gemacht hat. mehr

Kurz darauf haben die elektrischen Musikinstrumente vorübergehend Pause: In einem Akustik-Medley geht es von "Fallen" über "Brüder" zu einem Einschub von John Lennons "Imagine", wozu das nach den Terroranschlägen von Paris mit einem Eiffelturm in der Mitte versehene Peace-Zeichen auf den Bildschirmen auftaucht.

Sie würden nun einmal gerne viele Songs spielen, sagt Engler. Doch leider reiche die Zeit nicht für alle. Daher diese Lösung mit dem schnellen Potpourri. "Wenn du da bist" und "Hör gut zu" werden denn auch wirklich nur für wenige Zeilen angespielt, was ein wenig schade ist. Kaum hat man den Song erkannt, in der Erinnerung nach den Textzeilen gekramt, schon ist er wieder vorbei. Immerhin fast ausgespielt wird "Indianer". Den Song singt Engler mit übergestülptem Federschmuck.

Lied über die eigene Mutter

Emotional wird es, als Engler die Balladen "Tango" und "Anni" in Verbindung singt. Das erste Lied aus den 90er-Jahren wurde von Daniel Wirtz in einer Castingshow gecovert. Dadurch habe Engler es wieder neu für sich entdeckt. In "Anni" vom neuen Pur-Album besingt er erneut das harte, entbehrungsreiche Leben seiner eigenen Mutter, die kürzlich 90 wurde. "Das sind 90 Jahre Geschichte aus ganz privater Sichtweise", sagt er. Am Ende taucht die Mutter auf einem Foto zusammen mit ihrem Sohn auf dem Bildschirm auf.

Vom "Abenteuerland" zu Otto als Special Guest

Dann endlich nimmt die Band die Fans mit ins "Abenteuerland". Aber das ist noch längst nicht der Höhepunkt des Konzerts. Denn zur Zugabe kommt ein Stargast auf die Bühne: Otto Waalkes, der seinen "Hänsel und Gretel"-Song auf die aktuellen Hits "Astronaut" von Andreas Bourani und "Somebody That I Used to Know" von Gotye umgetextet hat. Mit Engler im Duett präsentiert er dann noch seine Version von "We Didn't Start The Fire" - "Wir haben Grund zum Feiern".

Bild vergrößern
Zum Ende tanzt Engler zum "Pur-Hitmix" über die Bühne.

Das lassen sich die Fans nicht zweimal sagen - und singen begeistert bei "Friesenjung" mit. "Du bist doch gar kein Friesenjung", sagt Otto - und Engler, der aus dem baden-württembergischen Bietigheim kommt, muss ihm zweifellos zustimmen. Also antwortet er: "Wir sind kleine Schwabenjungs und wir spielen in Hamburg gern."

Mit dem "Pur-Hitmix" endet das Pur-Konzert

Und das offenbar so gern, dass es nach der Zugabe mit der prominenten Komiker-Unterstützung noch eine Zugabe gibt, diesmal mit "Lena". Nach zweieinhalb Stunden Power pur beziehungsweise Pur-Power schont Engler seine Stimme und tanzt mit seinen Bandkollegen und Otto nur noch über die Bühne. Dabei werfen sie riesige Luftballons ins Publikum. Aus den Boxen ertönt dazu der Partygarant schlechthin - der altbewährte "Pur-Hitmix".

Die Band Pur live

14.000 Fans bei Pur in Hamburg

Hamburg Journal -

Kaum eine Band in Deutschland polarisiert mehr als die Band Pur. So oder so ist die Band seit mehr als 30 Jahren erfolgreich und brachte die Barclaycard-Arena zum Kochen.

4,46 bei 13 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen