Der Tatortreiniger
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Interview
Bjarne Mädel steht momentan für neue "Tatortreiniger"-Folgen vor der Kamera. NDR.de spricht mit dem Hamburger Schauspieler darüber, wie viel von ihm in seinen Rollen steckt, was ihm beim "Tatortreiniger" Spaß macht - und über seinen Wunsch nach einer bösen Rolle.
In der Folge "Über den Wolken" hast du arge Probleme mit deinem Niktotinentzug. Sind das Erfahrungen aus dem eigenen Leben?
Bjarne Mädel: Eins zu eins. Ich hab' in diesem Jahr aufgehört zu rauchen - unsere Autorin Mizzi Meyer hat davon gewusst und mir das mit Absicht reingeschrieben.
Mal vom äußeren Erscheinungsbild und dem Rauchen abgesehen - wie viel vom Privatmensch Bjarne steckt in Schottys Rolle?
Bjarne Mädel über Kritik an seinen Rollen: "Ich nehm das mal als Lob, wenn man mir die Figur so abkauft."
Bjarne: Von mir privat ist gar nichts in der Figur. Dieses "Waä?" zum Beispiel sage ich privat nie. Es ist ja mein Beruf, mich in Leute zu verwandeln und ich kann selbst ganz schwer sagen, wie viel von mir da drin steckt. Leute haben mich ja auch schon bei "Stromberg" gefragt, ob ich privat so rieche und ob ich wirklich so doof bin. Bei "Mord mit Aussicht" fragen sie mich, ob ich wirklich so gemütlich bin und so viel Fleischwurst esse. Ich nehm das mal als Lob, wenn man mir die Figur so abkauft. Von mir selbst steckt da mein Spiel drin und mein Humor, aber ob ich privat so bin wie meine Figuren, das kann ich selbst nicht beurteilen. Ich hoffe nicht, dass ich so bin wie die Leute, die ich spiele (lacht).
Was macht dir an der Rolle besonders viel Spaß?
Bjarne: Das Direkte. Einer Frau, die dick ist, einfach zu sagen "Du bist fett", und das aber wertfrei zu meinen. Zu sagen, was man denkt, ohne Leute damit zu verurteilen. Schotty ist sehr vorurteilsfrei, finde ich, und sagt aber, was er denkt - knallhart. Das mag ich sehr an ihm.
Du hast im Interview in der NDR Sendung DAS! gesagt, dass du gern jemanden spielen würdest, der von Grund auf böse ist. Wo liegt für dich der Reiz an einer solchen Rolle?
Bjarne: Sich da reinzudenken, und wo man dafür die Spielenergie hernimmt. Man sucht sich ja beim Spielen immer 'nen Widerstand oder 'ne Reibung, und mich würde interessieren, wie man da arbeiten muss. Und da eben genau so glaubwürdig zu sein, dass hinterher ein Zuschauer kommt und sich fragt "Ist Bjarne Mädel privat wirklich so'n Arschloch?" Ich hab sowas ja auch schon am Theater gemacht, aber da ist es ja nochmal was anderes. Es ist alles so vorgegeben, auch vom Text her, und mich würde interessieren, wie es vor der Kamera für einen Film ist, weil man da bestimmt 'ne andere Energie braucht. In der Folge "Schottys Kampf" haben wir zum Beispiel den Kollegen David Bredin dabei, der "Bombe" spielt. Der hat so 'ne Aggression ausgestrahlt - wenn der auf jemanden zugeht, hat man wirklich das Gefühl, der schlägt gleich los. Es würde mich interessieren, wo man so was herholt, oder wie man so was darstellen kann. Aber nur als Herausforderung; es ist jetzt nicht so, dass ich grundsätzlich nur noch böse Leute spielen will.
Wäre es für dich denkbar, einen Job wie deinen Serienjob auch im richtigen Leben zu machen?
Bjarne: Das ist echt heftig. Keine schöne Arbeit. Wir machen ja ein Unterhaltungsformat und versuchen das auch irgendwie lustig rüberzubringen, aber der reelle Job eines Tatortreinigers ist Knochenarbeit und sehr belastend. Sicherlich nicht zum Lachen. Das eine ist die körperliche Arbeit und das andere eben die Geruchsbelastung. Und die psychische Belastung ist knallhart - die wirklichen Tatortreiniger sind extrem unterbezahlt. Das ist nichts, was ich in Wirklichkeit erleben möchte. Am Anfang hatte ich mal die Überlegung, mit einem Tatortreiniger mitzugehen und mir das anzugucken, aber das hab ich mir dann gespart.
Welchen Herausforderungen muss sich Schotty in den Folgen stellen, die gerade gedreht werden?
Bjarne: In einer treffe ich auf einen Schamanen, der eine rituelle Säuberung durchführen soll, und in der Folge, die wir aktuell drehen, geht's um einen verstorbenen Zauberer.
Abschließende Frage: Wie ist dein Verhältnis zum Putzen zu Hause?
Bjarne: Normal.
Das Interview führte Sebastian Theby, NDR.de