NDR Info
Sendedatum: 28.01.2013 21:05 Uhr
Satire-Sprengstoff explodiert in Heide
von Jenny von Gagern, NDR Info
Maschinengewehre, Handgranaten und ein Raketenwerfer: Jean-Michel Räber, Christine Prayon und Matthias Brodowy (v.l.n.r.) machen bitterböse Werbung für die US-Waffenlobby.
Was denkt sich SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück als nächstes aus, um nicht Kanzler werden zu müssen? Hilft es der deutsch-französischen Freundschaft, wenn Angelique, äh, Angela Merkel jetzt französisch paukt? Und wird die EU nun endlich mal Großbritannien beitreten? Fragen über Fragen, die die NDR Info SatireShow Intensiv-Station gewohnt zuverlässig allesamt beantwortet.
Chefarzt und Moderator Axel Naumer hatte dazu am Sonntagabend im schleswig-holsteinischen Heide das Who's who der deutschen Kabarettszene um sich versammelt: Christine Prayon, Timo Wopp und Matthias Brodowy waren zu Gast, außerdem das Intensiv-Station-Team - unter anderem mit Antonia von Romatowski alias Angie Merkel und Oberpfleger Fritzschensen - gespielt von Stephan Fritzsche. Gemeinsam widmeten sie sich bei ihrem satirischen Blick in den Rückspiegel in einer zweistündigen Show dem bisher spannendsten Monat des Jahres 2013. Lachkrämpfe und begeisterter Applaus von fast 300 Zuschauern im ausverkauften Stadttheater waren der verdiente Lohn dafür.
Die Kabarett-Größen in Heide
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Ausverkauft! Die rund 300 Gäste im Stadttheater in Heide freuen sich auf den Rückblick auf den bisher spannendsten Monat des Jahres.
Gastgeber und Moderator Axel Naumer führt durch die fast zweistündige Show: "Ich hatte ja für die Niedersachsen-Wahl schon pima FDP-Beerdigungswitze vorbereitet. Aber jetzt, mit den 10 Prozent, gilt Parteichef Rösler plötzlich als guter Politiker. Die FDP war eben schon immer mit wenig zufrieden."
Stephan Fritzsche berichtet flüsternd als NDR Korrespondent von der Großbaustelle des Berliner Flughafens: "Ich melde mich hier von der Kunstaktion 'Ruhe am Bau'."
Auch NDR Reporterin Christine Prayon steht auf einer Großbaustelle, sie meldet sich von der Elbphilharmonie aus Hamburg: "Die ersten Konzerte haben bereits begonnen. Heute auf dem Spielplan: Schuberts Sinfonie in h-Moll - die Unvollendete."
Axel Naumer holt sich seine Infos zum Bau des Berliner Flughafens auch von der "anonymen Quelle" Désirée Nick (gespielt von Antonia von Romatowski): "Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Berlin hat doch schon einen Großflughafen. Was glauben Sie, was auf mir schon alles gelandet ist."
Nicht nur SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist Thema für Matthias Brodowy, er berichtet auch "brühwarm" von der Ernährungsmesse, der "Grünen Woche", die im Januar in Berlin stattfand.
Oberpfleger Fritzschensen (gespielt von Stephan Fritzsche/r.) hat Verkehrsminister Peter Ramsauer als Patienten auf der Intensiv-Station: "Wir behandeln ihn mit Eigenschaumtherapie. So viel Schaum wie der Ramsauer schlägt, reicht das täglich für zwölf Anwendungen."
Christine Prayon verkündet als Pastoralassistentin Öda-Gebinde Hälsle-Stöcklein die neue Weltordnung: "Arbeiten Sie mehr ehrenamtlich! Bürgerschaftliches Engagement kann auf wunderbare Weise den Sozialstaat ersetzen. Im Wort Engagement steckt ja schon das Wort Arsch. Ja! Seien Sie der Arsch vom Dienst!"
Axel Naumer holt sich von Angie Merkel (Antonia von Romatowski) Statements zu den wichtigsten Themen des Monats. Zum Bundeswehr-Einsatz in Mali wird die Kanzlerin der Herzen gewohnt deutlich: "Deutschland im Krieg - da steckt für mich eine ernste Gefahr drin. Und deshalb sage ich: Auf keinen Fall vor der Bundestagswahl."
Die legendäre Tönende Wochenschau im Stil der 50er-Jahre präsentiert Stephan Fritzsche. Das aktuelle Thema ist die Landtagswahl in Niedersachsen - so spannend wie der "Tatort" im Ersten: "Hochspannung in Niedersachsen! Was ist schon ein Sonntagabend mit Maria Furtwängler, wenn man einen mit Claudia Roth verbringen kann?"
Das extra für die Show geschriebene Hörspiel von und mit Jean-Michel Räber (M./mit Hut) spielt diesmal in Heide. Viele Gäste dürfen kleine Rollen übernehmen - alle Geräusche kommen verlässlich wie immer live von Geräuschemeisterin Nina Wurman (r.).
Ziemlich frech: Timo Wopp verlangte dem Publikum ganz schön was ab: "Sorry, dass ich überhaupt versucht habe, hier irgendwas zu machen, um Euch zu beeindrucken. Ich fühle mich ja wie Rösler beim Dreikönigstreffen."
Zum Finale ruft Gastgeber Axel Naumer alle Gäste noch einmal gemeinsam auf die Bühne.
Zum Finale ruft Gastgeber Axel Naumer alle Gäste noch einmal gemeinsam auf die Bühne.
Peer hat's nicht leicht
Angie Merkel, die Kanzlerin der Herzen, stellte sich tapfer den durchaus fiesen Fragen von Moderator Naumer - zum Beispiel zur Schlappe bei der Wahl in Niedersachsen. Merkel hat darauf nur eine Antwort: "An mir lag es nicht." Nach dem Wahlsieg ist die SPD in der misslichen Lage, dass sie alle ihre Wahlkampf-Forderungen nun als Gesetz einbringen könnte - dumm gelaufen! Das fand auch Pianist und Kabarettist Matthias Brodowy, der für SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück gleich ein Motivationsliedchen parat hatte.
Audiobeiträge
Matthias Brodowy hat bei der Intensiv-Station in Heide für den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück musikalische Jobvorschläge parat.
Audiobeitrag starten (03:41 min)
Scheitern als Chance
Timo Wopp begeisterte die Zuschauer in Heide nicht nur mit frechen Sprüchen, auch seine Zigaretten-Akrobatik kam sehr gut an.
"Zigaretten-Jongleur" Timo Wopp empfahl dem Publikum in Heide, sich klare Ziele zu setzen, auch wenn sie noch so unrealistisch seien: "Der Rösler hat sich selbst auch nie aufgegeben. Er hat halt noch Ziele im Leben, er weiß zwar selber wahrscheinlich nicht welche, aber die verfolgt er."
Intensiv-Station-Stammgast Christine Prayon mimte als Verwandlungskünstlerin unter anderem eine unerschrockene NDR Reporterin. Gemeinsam mit NDR Info Redakteur Stephan Fritzsche informierte sie den Show-Gastgeber Naumer über die Baufortschritte auf den zwei vieldiskutierten Großbaustellen Hauptstadtflughafen Berlin und Elbphilharmonie Hamburg. Für Prayon sind das Kunstprojekte mit dem Titel: "Ruhe am Bau".
Hörspiel rund um Geld, Gier und Heide
Beim Live-Hörspiel, das extra für die Show in Heide geschrieben wurde, ermittelten Privatdetektiv Harry Stahl (Jean-Michel Räber) und sein Langhaardackel Romeo für den demokratischen Kaiser Russlands Wladimir Putin, denn dieser war mit seinem neuen Kulturminister Gerard Depardieu unzufrieden. Sein Weg führte Harry Stahl dabei nach Moskau, Mordwinien und - sehr zur Freude des Publikums - nach Heide. Neben "Geräuschemeisterin" Nina Wurman waren beim Hörspiel auch Moderator Naumer sowie die Stargäste Christine Prayon, Timo Wopp und Matthias Brodowy im Einsatz.