Vom "Caveman" zur "Cavequeen"
Im Schmidts Tivoli in Hamburg feiert am 25. Oktober "Cavequeen" Premiere. mehr
Einmal Jäger, immer Jäger - Kristian Bader spielt seit 2000 in "Caveman".
Die Frau sammelt, der Mann jagt - an dieser Tatsache hat die menschliche Evolution bis heute nichts geändert. Zumindest wenn man dem Theaterstück "Caveman" glaubt. Die Geschichte der One-Man-Show ist simpel: Der Macho Tom hat Streit mit seiner Frau Heike. Genervt von der Frauenwelt grübelt er über die Unterschiede der Geschlechter. Dabei erscheint ihm sein imaginärer Urahn aus der Steinzeit.
Der lässt ihn an einer Jahrtausende alten Weisheit teilhaben: Männer sind Jäger und Frauen sind Sammlerinnen. Von dieser Erkenntnis beseelt, erklärt Tom dem Publikum, warum Frauen sich gegenseitig zur Begrüßung Komplimente machen ("Süße, du siehst super aus. Neue Haare?") und bei Männern ein simples "Na, du Sau" reicht, wieso Männer nicht nach dem Weg fragen können und weshalb Frauen das Haus mit Tinnef vollstellen müssen.
"Caveman" läuft seit 2001 im Schmidts Tivoli und ist "das erfolgreichste Solo-Theater Deutschlands". Der Original-Caveman ist der Hamburger Kabarettist Kristian Bader. Er hat das Stück übersetzt und in Deutschland auf die Bühne gebracht. In Hamburg teilt er sich die Vorstellungen wegen des großen Andrangs mit einem Kollegen auf. Auch in fast 30 weiteren deutschen Städten wird das Stück mit großem Erfolg aufgeführt. Zum 1.000. Bühnenjubiläum hat NDR.de den Mann interviewt, der seit über zehn Jahren Abend für Abend über die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sinniert.
NDR.de: Männer sind Jäger, Frauen Sammlerinnen. Hat sich seit der Steinzeit nichts geändert?
Bader: Wir gehen heute davon aus, dass wir die letzte Stufe der Entwicklung sind. Das stimmt nicht. Vielleicht waren Jäger und Sammlerin vor 30.000 Jahren ein glücklicheres und zufriedeneres Paar, als wir es heute sind. Ganz davon abgesehen natürlich, dass sie von Säbelzahntigern gefressen wurden und von anderen Stämmen eins mit der Keule übergebraten bekamen.
NDR.de: Warum sind diese alten Männer-Frauen-Stereotypen immer noch lustig?
Chipstüte statt Mammut - auch der moderne Mann jagt.
Bader: Die Klischees animieren die Leute zum Schenkelklopfen und zum Losprusten. Die größten Lacher kommen nicht, wenn man etwas wahrheitsgetreu darstellt und alles relativiert. Kabarettistische Überhöhung ist wichtig. Doch ich gehe mit meinem Programm auch darüber hinaus. Ich präsentiere die Klischees, kommentiere sie aber auch. Ich sage nicht einfach: Frauen sind so und Männer sind so.
NDR.de: Im Publikum sitzen überwiegend Paare. Warum kommt das Stück gerade bei denen so gut an?
Bader: Viele sind in ihrer Beziehung schon über das Verhalten ihres Partners gestolpert und wussten nicht, wie sie sagen sollten, dass sie so manches merkwürdig finden. Wenn ich das auf der Bühne überspitzt darstelle und Männer und Frauen darüber lachen können, ist das befreiend. Über dieses Lachen setzt ein Verstehen ein. Sie merken, dass sie nicht die Einzigen sind, denen es so geht.
NDR.de: Wie hat sich das Stück seit seiner Veröffentlichung verändert?
Bader: Am Anfang war es viel mehr schwarz-weiß gezeichnet. Dieses Extreme hat sich als Wegweiser gehalten. Aber ich bin in meiner Darstellung des Stücks eher auf der Suche nach dem Wahrheitsgehalt der Menschheitsgeschichte. Ein wissenschaftlicher Kern hebt den Abend auf eine andere Ebene - jenseits des Klamauks.
NDR.de: Wie sieht "Cavemans" Zukunft aus?
Bader: Ich werde den "Caveman" in Hamburg bald wieder alleine spielen. Die Aufteilung in verschiedene Darsteller war der Tatsache geschuldet, dass der Andrang in den letzten Jahren so groß war, dass ich das alleine gar nicht stemmen konnte. Nach zwölf Jahren sind wir an einem Punkt angekommen, wo der Zenit des bedingungslosen Runs auf die Karten überschritten ist. Wir sind bei 90 ausverkauften Vorstellungen im Jahr und die kann ich alleine spielen.
NDR.de: 1.000 Aufführungen - haben Sie da immer noch Lust drauf?
Bader: Ja! Ich spiele auch noch andere Sachen zum Beispiel das Stück "Männerabend", den Nachfolger von "Caveman". Weil ich jeden Monat einen bunten Reigen von vier oder fünf Stücke habe, komme ich wahnsinnig gern zur tausendsten "Caveman"-Vorstellung zurück.
NDR.de: Hat der Höhlenmensch Sie verändert?
Bader: Der Erfolg von "Caveman" hat mich in Hamburg sehr bekannt gemacht. Ich kann von den Engagements leben, die ich hier habe. "Caveman" hat mir ein Überleben in dieser Landschaft beschert. In der Kleinkunstnische bekomme ich dank "Caveman" etwas ab vom großen Rampenlicht. Dafür bin ich sehr dankbar.