Stand: 16.12.2015 23:59 Uhr

"Die Doku hat mich berührt und beeindruckt"

Bjarne Mädel spielt im "Tatortreiniger" den Schotty. Nach der Ausstrahlung der beiden neuen Folgen heute Abend läuft im NDR Fernsehen "Den Tod auf der Schippe - Die wahren Tatortreiniger", eine Dokumentation über wirkliche Tatortreiniger. Im Interview erzählt er, was das Besondere an der Dokumentation ist.

Sie sind an der Doku als Erzähler beteiligt. Um was geht es?

Bjarne Mädel: Um die wahren und echten Helden, die Tatortreiniger, die das, was ich in der Rolle des Schotty in der Serie nur im Spiel erlebe, tagtäglich in oft grausamer Realität erleben und ertragen müssen.

Hat die Dokumentation Sie überraschen können?

Mädel: Die Dokumentation hat zwei Emotionen in mir ausgelöst: Erstens war ich erfreut und beruhigt, weil mir die Doku gezeigt hat, dass das, was wir in der Serie zeigen, nicht völlig realitätsfremd ist. Der Berliner Tatortreiniger Christian Heistermann, der mich für die Serie vorbereitete, hatte mir schon erzählt, was mich als Tatortreiniger erwarten kann und was in der Dokumentation auf mich zukommen könnte. Zweitens, und das ist viel wesentlicher: Die Doku hat mich berührt und beeindruckt. Ich war beeindruckt, mit welchem Respekt und mit welcher Sorgfalt die Tatortreiniger oft geradezu liebevoll ihre Arbeit verrichten. Und ich war froh, dass der Film die Tatortreiniger mit ebensolchem Respekt begleitet.

Wie porträtiert die Doku die Tatortreiniger?

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Christian Heistermann reinigt zusammen mit einem Kollegen einen Tatort in Berlin.

Mädel: Hautnah. Man lernt die Menschen wirklich gut kennen. Ich fand sehr interessant, wie nah die Tatorte bei uns auf dem Set den echten Tatorten kommen, wie wir sie in der Dokumentation sehen. Mit dem gravierenden Unterschied, dass die Tatorte bei uns nach Himbeere, also nach Kunstblut, riechen und wir in der Dokumentation wissen, dass das Blut echt ist. Da ist man automatisch auf einer ganz anderen Ebene.

Ist Tatortreinigung ein wichtiger Beruf?

Mädel: Unbedingt! Und "Den Tod auf der Schippe - Die wahren Tatortreiniger" ist ein absolut wichtiger Film. Schotty hat in der Serie bei vielen Zuschauern erst ein Bewusstsein für diesen Berufsstand geschaffen. Die Doku macht dort weiter und zeigt, worum es wirklich geht. Dabei steht nicht nur die vordergründige Tätigkeit im Zentrum - die Schmutzbeseitigung - sondern die sozial wichtige Komponente. Es geht bei der Tatortreinigung um die Hilfe, traurigen Menschen eine schwere Last abzunehmen. Früher musste man als Angehöriger selbst damit fertig werden. Das war sicherlich sehr schwierig. Es fällt einem bestimmt leichter, wenn man nicht persönlich betroffen ist.

Anderseits, und das zeigt die Dokumentation auf berührende Weise: Auch einen erfahrenen Tatortreiniger, der gerade noch ganz professionell Gehirnmasse von der Wand geschrubbt hat, lässt es nicht kalt, wenn er am Tatort den Brief eines Kindes findet, der an den Toten gerichtet ist. Da wird die ganze Sache dann doch plötzlich sehr persönlich und es hat mich beruhigt, dass auch ein hartgesottener Tatortreiniger ein ganz normaler Mensch mit Gefühlen ist.

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Verpeilter Bürodepp, trotteliger Dorfpolizist und kauziger Tatortreiniger - der Schauspieler Bjarne Mädel begeistert in skurrilen Rollen. Er ist gebürtiger Hamburger und bekennender HSV-Fan. mehr

Die Doku zeigt Tatortreiniger in Berlin, Mexiko City und Los Angeles ...

Mädel: ... und bei aller Unterschiedlichkeit weisen sie auch große Ähnlichkeiten auf. Sie sind alle extrem sensibel und bodenständig, sie führen alle ihre eigenen Unternehmen. Aber bei allen geht es letztlich immer um den Einbruch des Bösen in ein Leben, das oftmals brutal beendet wurde. Sie alle agieren im gesellschaftlichen Spannungsfeld von Kriminalität - oft sind die Tatorte Schauplätze eines Mordes - und tiefer menschlicher Verzweiflung, wenn sich beispielsweise ein geliebter Mensch das Leben genommen hat. Die Wucht dieser Emotionen muss ein Tatortreiniger auf seine Weise auch aushalten.

Alle Tatortreiniger beklagen einen Mangel an gesellschaftlicher Anerkennung

Mädel: Ja, und in gewisser Weise ist "Den Tod auf der Schippe - Die wahren Tatortreiniger" fast schon eine Wiedergutmachung. In dem US-Film "The Cleaner - Der Putzer" (2007) von Renny Harlin stößt Samuel L. Jackson in der Rolle eines Tatorteinigers auf Abscheu und Ekel, als er von seiner Arbeit erzählt. Erst als die Menschen selbst betroffen sind, erkennen sie den Wert seiner Arbeit. Genauso ist es bei dieser Dokumentation: Am Ende ist man einfach froh, dass man die Tatortreiniger kennengelernt hat und zu wissen, dass Menschen wie sie für einen da sind und einem helfen können, wenn man sie braucht.

Das Interview führte Silke Schütze