Stand: 20.03.2016 03:07 Uhr

Ostalgie: Drei Rocklegenden auf einen Streich

von Stella Muthorst

Eine Melodie wird angestimmt, Nebel steigt langsam vor der Bühne auf, das Publikum klatscht und johlt im Dunkeln. Und dann fällt der Vorhang zu Boden. Dahinter warten schon die Musiker von Karat, City und Puhdys, die augenblicklich losrocken. Die Menge begrüßt sie mit Standing Ovations, die Stimmung im ausverkauften Saal reißt einen förmlich mit.

Rocklegenden begeistern in Hamburg

Bescheiden treten die drei Ostrockbands am Sonnabend im Congress Center Hamburg (CCH) nicht auf, aber genau das macht den Reiz des Konzerts aus. Starallüren sind bei ihnen allerdings fehl am Platz. Die Show wird mit dem Lied "Sternenstunden" eröffnet, das alle drei Bands auch noch einmal am Ende gemeinsam spielen. Das Lied bildet den Rahmen des Konzerts, mit dessen Thematik die Bands aus der ehemaligen DDR alle auf besondere Weise verbunden sind: "Plötzlich konnten wir fliegen. Zum Horizont und wieder zurück. Sind über Mauern gestiegen - und Jubelschreie waren die Musik". Das Konzert sorgt für sehr viel Wenden-Nostalgie und nimmt die Zuschauer mit in eine andere Zeit. Mit einem Beamer werden an der Wand über der Bühne Bilder der Bands von früher und Clips von früheren Auftritten gezeigt. Sonst sind bewegte Muster oder zuckende Blitze über der Bühne zu sehen, die heutzutage sehr trashig wirken. Das schadet der Show jedoch nicht, im Gegenteil. Die Künstler vermitteln das Lebensgefühl dieser Jahre.

Rocker mit Leib und Seele

"Wir haben uns wirklich gefreut auf diese Tour und das ist kein Fake", sagt Karat-Sänger Claudius Dreilich, als er das Publikum begrüßt. Fake ist bei den Musikern von Karat, City und Puhdys sowieso nichts. Man merkt, dass sie Rocker mit Leib und Seele sind, die ihr Publikum mit ihrer Leidenschaft zur Musik mühelos anstecken. Der Saal im CCH ist bestuhlt, doch viele Leute stehen fast den ganzen Abend, klatschen und singen mit. Jede Band schafft das auf ihre eigene Weise. Beim Auftritt von Karat darf natürlich das Lied "Über sieben Brücken musst du gehn" nicht fehlen. Auch "Der blaue Planet" und "Blumen aus Eis" sind dabei. Viele ihrer Songs werden mystisch und auch romantisch inszeniert, vor allem der "Schwanenkönig". Es wird das Bild eines friedlichen Sees über die Bühne projiziert, die Beleuchtung gedimmt. Georgi Gogow von City steht bei diesem Lied mit auf der Bühne und fesselt das Publikum mit seinem Geigenspiel. Für den Bass von Karat sorgt Christian Liebig, für das Gitarrenspiel Bernd Römer, am Keyboard sitzen Ed Swillms und Martin Becker, Michael Schwandt ist der Schlagzeuger. Trotz künstlerischer Krisen nach dem Mauerfall und gesundheitlicher Probleme ihres Sängers existiert die Band immer noch.

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Die Jungs von City hauen bei ihrem Auftritt noch mehr auf den Putz, spielen aber auch nachdenkliche Lieder, wie "Sind so kleine Hände". Es werden auch Hits wie "Flieg ich durch die Welt" und "Am Fenster" gespielt. Gegen Ende gibt es noch "Helden" zu Ehren von David Bowie zu hören. Hinter City stehen Sänger und Gitarrist Toni Krahl, Geiger und Bassist Georgi Gogow, Gitarrist Fritz Puppel, Keyboarder Manfred Hennig und Schlagzeuger Klaus Selmke. Zusammen mit Karat und Puhdys gehören sie zu erfolgreichsten Bands der neuen Bundesländer. Ihr "Best Of" verkaufte sich 1992 über 130.000 Mal.

Nostalgische Stimmung bei den Puhdys

Zwischen den Auftritten der einzelnen Bands wird ganz dramatisch mit einem zweiminütigen Countdown übergeleitet. Das Publikum springt darauf an und zählt die letzen paar Sekunden immer mit runter. Mit den Puhdys wird es dann noch einmal nostalgisch bei ihrem Lied "Es war schön". Die Menschen im Saal singen mit, filmen und schwenken vereinzelt Feuerzeuge oder Knicklichter. Die Puhdys machen seit 47 Jahren gemeinsam Musik, spielten zu Beginn aber nur englische Titel. 1971 wünschten sich Schüler einer Berufsschule, die Puhdys im DDR-Jugendfernsehen zu sehen, bei dem aber nur deutschsprachige Titel gespielt werden durften. So entstand ihr erster Hit "Türen öffnen sich zur Stadt" und viele weitere folgten. Bis zur Wende verkauften sie 20 Millionen Platten, danach wollten sie ihre Karriere eigentlich beenden. 2015 gingen sie erneut auf Abschiedstour, das Konzert am 2. Januar 2016 sollte offiziell das Letzte sein.

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Schon vor dem Auftritt präsentierten sich die Rocklegenden im Gespräch mit NDR 90,3 Reporter Karsten Sekund gut gelaunt.

Dennoch haben sie sich von City und Karat noch einmal zur Rocklegenden-Tour überreden lassen, das nächste Konzert in Hamburg ist schon für den 19. Juni angesagt. Die Konzerte machen ihnen offenbar Spaß und das steckt auch das Publikum an. Bei ihrem Auftritt im CCH feiern die Leute mit, vor allem bei Liedern wie "Hey, wir wollen die Eisbären sehen" oder "Alt wie ein Baum". Zum Schluss singen alle Bands noch einmal gemeinsam "Wir sind wir" und "Sternenstunden". Viele Zuschauer filmen mit ihren Handys mit. "Wir sehen uns am 19. Juni!", ruft Claudius Dreilich zum Abschied.

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04:36 min

Ostrock-Legenden zu Gast im Nordmagazin

03.03.2016 19:30 Uhr
Nordmagazin

Bald stehen City, Karat und die Puhdys für einige Konzerte wieder gemeinsam auf der Bühne. Dieter Hertrampf, Claudius Dreilich und Toni Krahl erzählen, was die Fans erwartet. Video (04:36 min)