Stand: 29.04.2016 00:01 Uhr

Krach + Getöse: "Eine Brücke in den Musikmarkt"

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Andrea Rothaug ist eine der Initiatoren des Hamburger Musikpreises Krach + Getöse.

Bereits zum achten Mal wird in diesem Jahr der Hamburger Musikerpreis Krach + Getöse verliehen. Eine Jury kürt fünf Preisträger, die sich - neben einem Geldpreis in Höhe von je 1.200 Euro - über ein umfassendes Paket an Unterstützung freuen dürfen. Bis zum 28. April konnten sich Musiker und Bands aus Hamburg und Umgebung bewerben. Am 25. Mai findet im Hamburger Musikladen Hanseplatte die Preisverleihung statt. Im Gespräch mit NDR.de erklärt Andrea Rothaug, Geschäftsführerin vom Verein RockCity Hamburg, die Bedeutung des Preises und wie die Newcomer gefördert werden.  

Was genau ist der Preis Krach + Getöse? Wer kann mitmachen und was gibt es zu gewinnen?

Andrea Rothaug: Krach + Getöse ist der Hamburger Musiker Award - mit dem Schwerpunkt auf dem Wort Musiker. Es ist kein Contest. Es ist ein Preis. Man muss nicht gegeneinander antreten, sondern man wird ausgewählt über ein Bewerbungsverfahren von einer Jury. Zudem schlagen 50 Experten ihre Favoriten aus Hamburg und Umgebung vor. Wir suchen authentische und originelle Bands, die noch ein bisschen Luft nach oben haben können. Denn was man gewinnt, ist eine Förderung.

Wie sieht diese Förderung genau aus?

Rothaug: Es ist eine maßgeschneiderte Förderung. Krach + Getöse ist eine Brücke - von der musikalischen Idee bis in den Markt. Wir begleiten die Musiker auf ihrem Weg. Die fünf Preisträger werden ein Jahr lang intensiv betreut. Sie kriegen ein persönliches und professionelles Coaching. Herauszufinden, wie jeder so tickt, ist total wichtig. Das erarbeiten sie sich selbst. Dann entwickeln wir gemeinsam einen Plan. Wir kennen hier in der Hamburger Musikszene jeden und da können wir gute Verbindungen aufbauen. Sie können auf Festivals im In- und Ausland spielen, wir begleiten Produktionsverfahren und Studioaufnahmen. Spannend sind solche Entwicklungen wie bei Finna, Preisträgerin von 2015. Sie startete praktisch mit ihrer ersten Note als absolute Anfängerin bei uns. Mittlerweile hat sie eine Platte herausgebracht. Sie konnte quasi schon nach einem halben Jahr von ihrer Musik leben. Das ist unser Ziel: Musik als Beruf.

Interview

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Welche Musikrichtungen sind bei Krach + Getöse vertreten?

Rothaug: Da ist fast alles dabei - aber es gibt starke Strömungen, die mit dem Markt zu tun haben. Aber auch ein kleines bisschen mit der Zusammensetzung der Jury. Wenn beispielsweise ein Metal-Typ in der Jury sitzt, bewerben sich auch mehr Metal-Bands. Obwohl wir die Zusammensetzung der Jury nach Genres und Geschlecht mischen.

Wie genau wird die Jury zusammengesetzt?

Rothaug: Es sind immer andere Jury-Mitglieder - und immer Leute, die wir toll finden und als authentisch betrachten. Wir haben gestandene Leute aus dem Musikbusiness dabei, wie jetzt beispielsweise Marianne Rosenberg oder Joachim Witt. Es ist auch immer ein Ex-Preisträger dabei - außerdem Musiker aus verschiedenen Genres. Hier sitzen Musiker und reden über Musik. Das macht echt Spaß.

Und wie arbeitet die Jury? Muss jeder alle 300 Bands anhören?

Rothaug: Nein. Das wäre ein bisschen viel. Wir hören hier bei RockCity einmal alle durch und schmeißen zuerst den Trash raus - man glaubt nicht, wer sich da alles bewirbt. Sogar Coverbands. Oder Bands, die aus Italien, Polen oder Bayern kommen. Es bleiben etwa 250 übrig. Dann geht es Runde für Runde - bis die besten 60 übrig bleiben, die wir dann an die Jury geben. Jeder bringt dann seine fünf Favoriten mit, dann werden alle noch mal durchgehört und es wird gemeinsam stundenlang diskutiert. Darüber wird erst so richtig entdeckt. Jeder hört mit einem unterschiedlichen Ohr. Oft wendet sich das Blatt noch völlig.

Wie ist die Idee zu Krach + Getöse entstanden und wie lange dauerte es bis zur Umsetzung?

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Bereits zum achten Mal wird der Preis in diesem Jahr verliehen.

Rothaug: Als die Haspa Musikstiftung ihre Aktivitäten im Bereich populäre Musik erstmals aufnehmen wollte. Sie sind quasi bei mir ins Büro gekommen und haben gesagt: Wir haben Geld - hast Du eine Idee?  Das war meine Lieblingsfrage. Dann haben wir den Musikerpreis ins Leben gerufen. 2006 haben wir das erste Mal darüber gesprochen, die erste Verleihung war dann 2009.

Was hat sich seitdem geändert?

Rothaug: Die Szenerie hat sich in den Jahren sehr geändert, was den Bereich Preise, Awards oder Contests angeht. Seinerzeit gab es nur Contests, die wir nicht mögen, weil sie als Förderinstrument nicht nachhaltig sind. Heute ist das Thema Award gängiger - auch Jury-Preise, die wir aus der Bildenden Kunst kennen.

Wie hat sich die Zahl der teilnehmenden Bands entwickelt?

Rothaug: Es machen immer mehr Leute mit. Wir haben angefangen mit 80 - jetzt bewerben sich etwa 300 Bands. Das hängt auch mit dem Preis zusammen. Der Erfolg von Preisträgern wie Tonbandgerät, Kid Decker von Mighty Oaks oder Fuck Art, Let's Dance! spricht dafür. Wir merken das bei unseren Kooperationspartnern. Am Anfang sagten sie: "Wieso soll ich jetzt schon zusagen, dass eine Band auf meinem Festival spielt? Ich weiß doch noch gar nicht, wer gewinnt." Mittlerweile ist es so, dass sie es ungesehen machen, weil sie wissen, dass da etwas Gutes bei herauskommt. Eine schöne Entwicklung.

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Gab es auch Bands, die bei der Jury durchfielen - aber später trotzdem durchstarteten?

Rothaug: Das ist eine richtig gute Frage. Bei der Band Mantar bin ich traurig, dass ich sie nicht entdeckt habe. Ansonsten ist mir zumindest keine bekannt. Es gibt Leute, die wir gerne mögen, aber jedes Mal wieder nicht wählen. Bei einigen ist schon fast alles passiert - da können wir nicht mehr ansetzen. Oder es gibt Sachen, die finden wir toll, aber ein bisschen zu langweilig. Es gibt Bands, die immer wieder weit kommen, aber den letzten Rutsch nicht machen, weil etwas Kreativeres dabei ist.

Wie war die Entwicklung beispielsweise bei Tonbandgerät?

Rothaug: Die sind bei uns zu einem sehr frühen Zeitpunkt angefangen. Bei Tonbandgerät ging es darum, erst mal zu gucken: In welche Richtung wollen sie? Können sie sich eine große Vermarktung vorstellen? Wenn ja, wie kann es klappen? Mit der Band arbeiten wir immer noch zusammen. Denn die internationalen Themen kommen nicht gleich im ersten Jahr. Wenn es noch gar keine Strukturen gibt und man kein Label hat, dann ist eine Auslandstour nur eine Klassenfahrt, die viel Geld kostet.

Ist eine langsame Entwicklung nicht manchmal sogar besser als schneller Erfolg?

Rothaug: Ja, auf jeden Fall. Fuck Art, Let's Dance!, die jetzt auch international touren, sitzen immer noch jeden Monat einmal hier. Das ist so eine Band - mit der war ich erst mal beim Friseur und Klamotten einkaufen. Die sahen aus wie Wolfgang Petry und machten Musik wie H-Blockx. Das passte nicht ganz. Da mussten wir ein bisschen schnitzen. Das was man wählt bei Krach + Getöse, ist vor allem das Potenzial, das man sieht. Mehr kann man oft noch gar nicht sagen. Wenn man dann jemanden hat, der stabil ist und will - dann hat man schon mal viel gewonnen.

Das Interview führte Heiko Block, NDR.de.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 25.05.2016 | 19:00 Uhr

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