Stand: 03.10.2014 00:01 Uhr

Magier Roy wird 70

von Nicola Millies, NDR.de

Bei ihm werden lebensgefährliche Raubtiere zu lammfrommen Schmusekatzen: Roy, Teil des weltberühmten Magier-Duos Siegfried und Roy. Ihre Namen sind untrennbar mit der Faszination des Zauberns und der Arbeit mit den seltenen weißen Löwen und Tigern verbunden. Schon als Kind hat der am 3. Oktober 1944 im niedersächsischen Nordenham geborene Uwe Ludwig Horn ein gutes Händchen für wilde Tiere. Während sein Vater an der Front ist und seine Mutter Mühe und Not hat, die Familie durchzubringen, ist Roys bester Freund der Wolfshund "Hexe".

Von Nordenham nach Las Vegas

Was mit Hasen geht, geht auch mit wilden Tieren

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Siegfried und Roy lernen sich auf der TS "Bremen" kennen und werden zum Traum-Duo der Magier-Szene.

Gerade einmal 13 Jahre alt, bricht Roy die Schule ab und heuert als Page auf der TS "Bremen" an. Dort lernt er Siegfried Fischbacher kennen, Magier an Bord des selben Kreuzfahrtschiffes. Die Zaubershows faszinieren ihn und er wird Assistent. Roy erkennt das Potenzial in den Shows und überredet seinen Freund: "Wenn das mit einem Hasen und einer Taube klappt, gelingt es auch mit einem Geparden?" Wie sie an das Tier gekommen sind? Darüber gibt es keine Auskünfte. Aber tatsächlich beschaffen Siegfried und Roy einen Geparden und schmuggeln "Chico" an Bord - ihre Show wird zur Attraktion. Irgendwann verlassen sie das Schiff und wollen es auch an Land schaffen.

Magere Jahre als tingelnde Künstler

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Auch Frank Sinatra zählte zu den Fans des deutschen Magier-Duos

Die folgenden Jahre sind hart - Reisen durch kleine Gastspielhäuser in ganz Europa, wenig Geld, viele Entbehrungen. "Das Geld reichte nicht zum Leben und nicht zum Sterben. Das meiste ging für den Geparden drauf. Wir haben uns von Kartoffeln ernährt", erinnert sich Roy in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt. Doch die beiden lassen sich nicht entmutigen, träumen weiter ihren Traum. Nach einem Auftritt vor Fürstin Gracia Patricia folgen Engagements im Hamburger Traditions-Varieté Hansa Theater (damals das professionellste Europas), im Lido und schließlich in Las Vegas. Die schillernde Welt der amerikanischen Hauptstadt des Glücksspiels übt auf das Zauberer-Duo einen magischen Reiz aus. Allen Unkenrufen zum Trotz - "Zauberei mit Tieren, das funktioniert hier nicht" und "Deutsche werden hier nie erfolgreich auftreten" - bekommen die beiden 1970 eine eigene Show und werden nur zwei Jahre später als "beste Show des Jahres" mit einem Preis ausgezeichnet. Das Märchen vom amerikanischen Traum beginnt - ihr Motto: "SARMOTI" - Siegfried And Roy, Masters Of The Impossible.

Ein Unfall beendet die Karriere

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Roy setzt sich für den Schutz der weißen Tiger ein. Auch, wenn einer von ihnen ihn fast getötet hätte.

Siegfried und Roy wollen die Tiere nicht nur für ihre Zwecke nutzen, sondern setzen sich stark dafür ein, die vom Aussterben bedrohten Rassen - weiße Königstiger und weiße Löwen - für die Nachwelt zu erhalten. Dafür züchten sie diese Raubtiere in Kooperation mit einem deutschen Freizeitpark. In den kommenden Jahren sehen 25 Millionen Zuschauer die Show der beiden Magier. Sie werden mit Auszeichnungen überhäuft - beste Magier des Jahres, ein Stern auf dem Walk Of Fame, beste Magier des Jahrhunderts. Im Oktober 2003 geschieht dann ein folgenschwerer Unfall: Roy wird an seinem 59. Geburtstag von dem Tiger "Montecore" während der Show angegriffen und schwer verletzt. Später erzählt der Magier, er habe während des Auftritts einen leichten Schlaganfall erlitten, "Montecore" habe das gespürt und ihn versucht in Sicherheit zu bringen.

Weltweit bangen die Fans um sein Leben. Nur mühsam kämpft sich der Niedersachse zurück ins Leben. Doch von seinen Verletzungen wird er sich nie wieder ganz erholen, bleibt teilweise gelähmt. Die Show müssen Siegfried und Roy aufgeben. Am 28. Februar 2009 haben die beiden Magier von Weltrang ihren letzten gemeinsamen Bühnenauftritt in Las Vegas. An der Präsentation nimmt auch "Montecore" teil. Die beiden Künstler sprechen während der zehnminütigen Vorstellung kein Wort und verabschieden sich so von ihrem Publikum als Magier-Duo.

Das Hansa-Theater als Entrée für die Weltkarriere

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Im Hansa-Theater begann 1963 die Karriere von Siegfried und Roy. Zur Wiedereröffnung 2009 kehren die beiden noch einmal dorthin zurück.

Ein letztes Mal gibt sich das Duo in Hamburg die Ehre. Am 27. Oktober 2009 begrüßt das Hansa-Theater bei seiner Wiedereröffnung Siegfried und Roy als Ehrengäste. In vielen Interviews erinnern sich die Stars an ihre Zeit an dem Varieté-Theater: "Wer hier auftrat, der war jemand. Das Hansa-Theater wurde für uns das Entrée für unsere spätere Weltkarriere." Doch, so gerne Roy Deutschland auch einen Besuch abstattet: In Las Vegas hat er sein Zuhause gefunden. Zusammen mit Siegfried lebt er dort auf einem riesigen Anwesen mit den gemeinsamen Pferden, Hunden, Katzen und Hühnern. Über ihre Homosexualität haben sich die beiden lange ausgeschwiegen und erst 2007 bekannt, dass sie einmal ein Paar waren.

Natürlich sind auch noch die Tiger um die beiden herum. In der Hotelanlage des Mirage, wo ihre legendäre Show beheimatet war, gibt es ein exotisch gestaltetes Freigehege, den "Secret Garden", in dem man auch heute noch die weißen Tiger, Schneetiger, weiße Löwen, schwarze Panther, Schneeleoparden und Lamas bewundern kann. Eben die Tiere, denen Roy seinen Weltruhm, aber auch das Ende seiner märchenhaften Karriere zu verdanken hat. Allerdings ist die bekannteste Raubkatze "Montecore" nicht mehr unter ihnen - der weiße Tiger stirbt im März 2014 im Alter von 17 Jahren.

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