Stand: 07.03.2017 15:16 Uhr

Großstadtrevier: Bullen, Kiez und kleine Fische

von Simone Nebelsieck, NDR.de

Schlägereien im Rotlichtmilieu, Einbrüche in Hamburgs Villenvierteln und die Sorgen und Nöte der Nachbarn: Seit 30 Jahren zählen zum Polizeialltag im Großstadtrevier vor allem die kleinen Delikte und die Probleme der Bürger. Und auch zwischenmenschliche Konflikte auf der Wache machen den Charme der Serie aus, die seit dem 16. Dezember 1986 in vielen Wohnzimmern zum festen Montagabendritual gehört. 390 Folgen mit Geschichten vom Hamburger Kiez sind inzwischen ausgestrahlt. Womit beim Sendestart niemand gerechnet hätte: Nach drei Jahrzehnten ist für die alte Fernsehdame Großstadtrevier noch kein Ende in Sicht. Im Gegenteil, am 6. März 2017 startete die 30. Staffel im Ersten.

Die magische 30

Die 30 scheint für das Großstadtrevier in diesen Tagen eine magische Zahl zu sein: 30 Hauptdarsteller gab es in den vergangenen 30 Jahren im Großstadtrevier und nun feierte die Serie den Start der 30. Staffel. Ebenso beeindruckend: Mehr als 3.000 Gastdarsteller sind seit Serienstart im Großstadtrevier aufgetreten. Zu ihnen zählen neben namhaften Schauspielern bekannte Musiker ebenso wie Moderatoren, Sportler und Entertainer. So hatten beispielsweise schon Freddy Quinn, Heidi Kabel, Hape Kerkeling, Ina Müller, Heinz Rudolf Kunze und Uwe Seeler einen Gastauftritt.

Eine realistische Polizeiserie

Die Idee zum Großstadtrevier kam dem vor allem durch die Krimireihe "Stahlnetz" bekannt gewordenen Regisseur Jürgen Roland durch ein lockeres Gespräch mit dem Pressechef der Hamburger Polizei. Die Arbeit der Schutzpolizei wollte er möglichst authentisch abbilden, ohne sich gängigen Klischees zu bedienen. Und so entstand das Großstadtrevier - eine Polizeiserie, in der es kaum Tote gibt und die sich vor allem mit dem Alltagsgeschäft anstatt nur mit den richtig krassen Fällen befasst. Um die einzelnen Folgen so realistisch wie möglich zu gestalten, holte sich Roland Tipps von echten Hamburger Polizisten. Und die sind auch heute noch immer wieder als Statisten im Großstadtrevier zu sehen. Hinter den Kulissen zeigen sie den Schauspielern, wie sie eine Waffe richtig halten oder wie Festnahmen tatsächlich ablaufen.

Der Bulle ist 'ne Frau

Mit der ersten Polizistin als Hauptfigur einer deutschen Serie sorgt das Großstadtrevier bei Erstausstrahlung 1986 für Aufsehen. Frisch von der Polizeischule tritt die junge Polizistin Ellen Wegener (gespielt von der 2014 verstorbenen Mareike Carrière) in der ersten Folge mit dem Titel "Mensch, der Bulle ist 'ne Frau" ihren Dienst im 14. Revier an. An ihrer Seite: Hauptwachtmeister Richard Block (Arthur Brauss), der seiner weiblichen Kollegin zunächst skeptisch gegenübertritt. Nicht nur im Fernsehen, sondern auch insgesamt sind Frauen in Polizeiuniform vor 30 Jahren mehr als ungewöhnlich. Und das ist ein weiteres Merkmal des Großstadtreviers: Immer wieder ist die Handlung Spiegel der Gesellschaft.

Jan Fedder ist seit 25 Jahren dabei

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Die erste Streifenpolizistin im deutschen TV und der Kult-Bulle vom Kiez: Ellen Wegener (Mareike Carrière) und Dirk Matthies (Jan Fedder).

Das bekannteste Gesicht des Großstadtreviers ist Jan Fedder, der seit 1992 Dirk Matthies spielt - einen bodenständigen Ermittler mit Hamburger Schnauze, der viele Kleinkriminelle vom Kiez persönlich kennt. Er ist gleichzeitig auch dienstältester Polizist im Revier. Sein Debüt als Matthies gibt Fedder in Folge 37 "Der Neue". Zuvor ist der Schauspieler als Gast in drei Folgen aufgetreten. Einmal spielt er einen lärmenden Mieter, dann einen Polizeireporter. Der Kult-Bulle setzte allerdings zwischenzeitlich zweimal aus gesundheitlichen Gründen aus. Er pausierte sowohl 2012 mehrere Monate und musste sich zwei Jahre später ebenfalls eine längere Auszeit nehmen. Seinen Dienst zu quittieren, daran denkt der Hamburger jedoch nicht: "Das ist meine Familie, mein Ein und Alles. Großstadtrevier ist mein Brot und Butter." Ebenfalls lange mit dabei ist Maria Ketikidou, die seit 1994 die Zivilfahnderin Hariklia "Harry" Möller verkörpert.

Bewegung im Revier

Obwohl im Cast des Großstadtreviers anscheinend nicht in Dienstjahren, sondern Dienstdekaden gerechnet wird - was für eine Fernsehserie höchst ungewöhnlich ist - kommt immer wieder Bewegung ins Team. Kollegen verlassen das Revier, dafür sind neue Gesichter zu sehen. Viermal wechselt in der Serienhistorie die Revierleitung auf der Wache. Für zwei Staffeln nimmt ab 2007 Matthies selbst im Chefsessel Platz. Inzwischen hat Frau Küppers (Saskia Fischer) das Sagen. Das Gebäude, das im Fernsehen als Kommissariat zu sehen ist, steht in Hamburg-Bahrenfeld - und nicht, wie die Serie vermuten lässt, auf St. Pauli.

Zahlen aus 30 Jahren Großstadtrevier

Serienstart: 16. Dezember 1986
Hauptdarsteller: 30
Gastdarsteller: mehr als 3.000
Regisseure/Regisseurinnen: mehr als 20
Folgenanzahl bis Staffel 29: 390
Folgenanzahl der Jubiläumsstaffel: 16

Hamburg - die heimliche Hauptdarstellerin

Auf St. Pauli finden viele Außendrehs statt. Mal jagen die Polizisten Kleinkriminelle - die im Titelsong besungenen kleinen Fische - über die Reeperbahn, befragen Zeugen in einer Kiezkneipe oder sorgen im Millerntor-Stadion für Recht und Ordnung. Doch auch am Hafen, an den Landungsbrücken oder auf dem Fischmarkt sind die Polizisten häufig unterwegs. Das Revier ist ohnehin kein eingegrenztes Gebiet, sondern umfasst ganz Hamburg - egal ob Alster oder Elbe, Speicherstadt oder Blankenese. Das ist ein weiterer Grund, warum die Großstadtrevier-Fans so gerne einschalten: wegen der Hamburg-Bilder. Und deshalb ist auch Jan Fedder überzeugt: "Der absolute Hauptdarsteller dieser Serie Großstadtrevier ist die Freie und Hansestadt Hamburg."

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Dieses Thema im Programm:

Großstadtrevier | 04.03.2017 | 22:45 Uhr

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