Stand: 24.09.2017 08:00 Uhr

Blog zum Reeperbahn Festival: So war Tag vier

von Matthes Köppinghoff

Vier Tage und Nächte lang wird der Hamburger Kiez wieder zur Bühne des Reeperbahn Festivals. NDR Musikjournalist Matthes Köppinghoff sucht für seinen Blog die großen und kleinen Musikperlen auf Deutschlands größtem Clubfestival.

Am Spielbudenplatz in der Sonne sitzen und dabei ein Bierchen zischen: Diese Gelegenheit nutzten viele am letzten Festivaltag.
Tag vier - das Finale

Am letzten Tag des Reeperbahn Festivals zeigt sich Hamburg von seiner schönsten Seite: Der Sonnabend ist sehr sonnig und sogar recht warm. Als ich auf der Feldstraße einen Kaffee trinke, sehe ich Frank Spilker - seines Zeichens Sänger der Band Die Sterne. Lächelnd, eine Sonnenbrille tragend, spaziert er die Straße entlang. Mehr Hamburg geht nicht! Dazu gibt es gibt es Jubel aus dem Millerntor-Stadion, der allerdings nicht lange währt: St. Pauli verliert gegen Fortuna Düsseldorf 1:2. Man kann nicht alles haben.

So war der Sonnabend

Schon gestern schien es sehr voll zu sein, heute ist der Kiez überfüllt: Fußballbedingt sind die Kneipen um die Reeperbahn schon früh belagert. Die Bierbänke auf dem Spielbudenplatz sind alle besetzt. Es laufen deutlich mehr neugierige Touristen herum. Man sieht ihnen, dass sie sonst nicht so viel mit Musik und Clubleben am Hut haben. Ich wandere ein wenig umher und lasse mich wieder einmal treiben und komme beim Molotow Backyard vorbei - der Innenhof des Clubs ist brechend voll, für meinen Geschmack sogar ein wenig zu voll. Dementsprechend zügig ziehe ich weiter, kann aber behaupten: Wildes, eine Singer-Songwriterin aus London ist wirklich ganz toll.

Der Geruch auf dem Hamburger Berg

Ich gehe durch meine Nachbarschaft spazieren über eine jetzt völlig verwaiste Große Freiheit, die erst gegen Abend wieder zum niemals endenden Volksfest mutieren wird. Weiter entlang der Talstraße hin zum Hamburger Berg: Wer St. Pauli nur bei Nacht oder im Morgengrauen kennt, der sollte einmal mittags zum Kiez gehen, am besten auf Höhe des "Goldenen Handschuhs". Während immer noch ein paar Überreste des Partyvolks durch die Gegend stolpern, liegt über diesem Stadtteil ein ganz spezieller Geruch: Eine Mischung aus starken Reinigungsmitteln, schalem Bier und diversen Körperflüssigkeiten. Dazu knirschen Glasscherben unter den Schuhen. und aus allen Ecken dröhnt Musik - der Soundtrack von St. Pauli. Das ist mein Alltag als Bewohner dieses schrägen, aber irgendwie auch wunderschönen Viertels.

Abriss-Stimmung bei NDR Blue Backstage

Zurück zur Musik: Bei der NDR Blue Backstage ist wohl noch nie so viel los gewesen wie heute: Die Rapper von Zugezogen Maskulin und die Elektro-Brassband Meute sorgen für Abriss-Stimmung. Musikjournalist und Radiomoderator Klaus Fiehe ist als Interviewgast wie üblich großartig.

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Owen Pallett spielt im Großen Saal der Elbphilharmonie: Blogger Köppinghoff hat das Konzert gut gefallen.

Dadurch, dass der Kiez wie erwähnt heute besonders stark frequentiert ist, bin ich froh, mich auf den Weg zu einem Sitzkonzert zu machen: Die Elbphilharmonie ist zum ersten Mal auch Spielstätte beim Reeperbahn Festival.

Das erste Mal „Elphi“

Gleichzeitig ist es auch mein erster Besuch in der "Elphi - und ich bin ein wenig erleichtert, dass ich hier nicht der einzige mit Sneakers bin. Ganz hübsch sieht es drinnen aus, sehr hell - auch wenn ich immer noch nicht darüber hinweg bin, dass ich keine Karten für das Konzert von The National im Oktober hier bekommen habe. Egal, heute bin ich ja für Owen Pallett hier. Der Kanadier, der Violine und Gitarre spielt und dazu singt, hat das Musiker-Kollektiv Stargaze mitgebracht. Man merkt, dass einige Besucher nicht so recht wissen, wie sie reagieren müssen: Vereinzelt versuchen manche zu applaudieren, brechen dann aber peinlich berührt ab. Während des Konzerts schaut die Dame, die vor mir sitzt noch mal bei Google nach, wer das da eigentlich ist, für den sie sich das Ticket gekauft hat.

Auch wenn Owen Pallett etwas forsch mit seinem Soundtechniker und Mitmusikern umgeht: Der Besuch hat sich gelohnt! Wie Pallett mit seiner Loopstation und seinen Instrumenten Sounds kreiert - das ist schon beeindruckend.

Zurück zum Kiez

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Auch Radiomoderatoren können Stagediving: Jan Kuhlmann von N-JOY liefert den Beweis.

Später bin ich wieder auf dem Spielbudenplatz unterwegs: Beim N-JOY Reeperbus hat Moderator Jan Kuhlmann die holländische Band Bazzookas zu Gast. Die Stammgäste beim Reeperbahn Festival bekommen es gegen Ende sogar hin, dass die Zuschauer den guten Jan ein paar Meter auf ihren Händen tragen. Es herrscht eine ausgelassene Feierabendstimmung - und mit diesem Gefühl mache ich mich ein letztes Mal auf zum Docks, um Portugal. The Man anzuschauen. Dort ist es wieder besonders voll, extra laut - und die Amerikaner liefern wie gewohnt gut ab: Vorzeige-Indie-Rock der Spaß macht.

Die letzten Meter

Danach gehe ich schnell zum Nochtspeicher. Ich hatte mir fest vorgenommen, Kelly Lee Owens anzuschauen. Dies wird meine letzte Station heute Nacht und gleichzeitig auch mein Abschluss des Reeperbahn Festivals 2017 sein: Die Musikerin aus London und ihr Elektro-Pop haben mir auf ihrem selbstbetiteltem Debütalbum sehr gut gefallen. Vielleicht liegt es an meiner Müdigkeit oder aber daran, dass Frau Owens nicht allzu viel auf der Bühne macht, außer ihren Laptop zu bedienen. Jedenfalls gehe ich etwas früher, aber trotzdem zufrieden.

Danke fürs Lesen!

Wieder liegen vier Tage hinter mir mit viel Musik und wenig Schlaf. Auch wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt, während ich diese Zeilen eintippe, noch keine Zahlen kenne: Nie war das Reeperbahn Festival größer, gefühlt hatte es noch nie soviel Besucher. Auch wenn ich wieder einmal nicht alles gesehen habe, was ich eigentlich sehen wollte: Ich freue mich jetzt schon auf das Reeperbahn Festival 2018. Jetzt gehe ich aber erstmal schlafen - in diesem Sinne wünsche ich eine angenehme Nachtruhe!

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 20.09.2017 | 08:00 Uhr

NDR Blue Backstage: Live beim Reeperbahn Festival

20.09.2017 18:00 Uhr
NDR Blue

"Spontan, live und unplugged" - NDR Blue Backstage sendet vier Tage live beim Reeperbahn Festival aus dem Klub Alte Liebe mit Interviews und handgemachter Musik. mehr

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