Stand: 31.10.2016 11:00 Uhr

Expertin: Computer verändern unseren Arbeitsalltag

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Wie digital sieht unsere Zukunft am Arbeitsmarkt aus? Arbeitssoziologin Tanja Buch forscht zu diesem Thema.

Paketauslieferung per Roboter, Post per Drohne - das ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Die Digitalisierung verändert das Arbeitsumfeld und die beruflichen Perspektiven von Menschen. Welche Berufe haben eine Zukunft, wie entwickelt sich das Zusammenspiel von Mensch und Maschine? Moderator Jan Bastick hat in Guten Morgen Schleswig-Holstein mit Tanja Buch vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit Kiel gesprochen. Die Arbeitssoziologin untersuchte die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt. Sie ist sich sicher, dass der Computer unseren Arbeitsalltag verändern wird.

Frau Buch, Computer sind ja bei der täglichen Arbeit unverzichtbar geworden - wie wird sich das eigentlich in den kommenden Jahren weiter verändern?

Tanja Buch: Klar ist, dass die Bedeutung von Computern und computergesteuerten Maschinen in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. Die Systeme werden immer komplexer und leistungsfähiger. Computer können uns dadurch in unserer täglichen Arbeit immer mehr unterstützen. Wir denken aber nicht nur an Computer auf unseren Schreibtisch, sondern die Computertechnik wird unsere Arbeit auch im Hintergrund immer mehr unterstützen. Man kann zum Beispiel einem Landwirt in Nordfriesland, dessen Traktor kaputt ist, eine Datenbrille aufsetzen, durch die auch ein Servicetechniker, der beispielsweise in Kiel sitzt, schaut. Dieser leitet den Landwirt dann an, den Fehler zu beheben.

Das klingt ja wie in einem Science-Fiction-Film. Für welche Menschen wird sich noch etwas verändern, mal vom Landwirt abgesehen?

Buch: Grundsätzlich kann man sagen, dass der technologische Wandel alle Menschen betreffen wird. Auf allen Qualifikationsniveaus und nahezu allen Berufen wird der Computer unseren Arbeitsalltag verändern. Das heißt, dass lebenslanges Lernen wichtiger wird, als es heute schon ist. Dabei geht es auch um Kreativität, Teamfähigkeit oder Problemlösungsfähigkeit.

Mobilität wird heutzutage immer wichtiger. Pendeln gehört für viele Menschen mittlerweile zum Alltag. Welche Veränderung kommt da auf die Arbeitnehmer zu - zum Beispiel in Sachen Home Office?

Buch: Ja, das ist eine spannende Frage. Grundsätzlich ist es so, dass Arbeit mit den wachsenden technischen Möglichkeiten immer mehr von Zeit und Raum entkoppelt wird. Es ist immer häufiger egal, wann und wo ich die Arbeit erledige. Das kann für Arbeitnehmer sehr positive Begleiterscheinungen haben, wenn diese täglichen Pendelbelastungen beispielsweise reduziert werden - und dadurch natürlich auch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglich ist.

Da kann es auch Chancen in der Digitalisierung geben, denn es werden nicht nur Jobs verschwinden, sondern auch neue geschaffen, oder?

Buch: Genau, es werden neue geschaffen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann niemand seriös sagen, ob durch die Digitalisierung mehr Jobs verloren gehen oder mehr neue geschaffen werden. Das heißt: Zum einen ist ja nicht alles, was technisch möglich ist, auch unbedingt erstrebenswert. Wir müssen uns ethische Fragen stellen - zum Beispiel, ob wir unsere Eltern oder uns selbst tatsächlich Pflegerobotern anvertrauen wollen.

Außerdem - wie gesagt - entstehen neue Jobs. Die computergesteuerten Maschinen und Geräte müssen entwickelt und gebaut, die Fachkräfte, die die Maschinen dann bedienen, geschult werden. Dafür sind wiederum Softwarespezialisten nötig, die entsprechende Programme schreiben. Wohin die Reise in Bezug auf die Beschäftigungsentwicklung geht - das können wir im Moment nicht seriös sagen.

Das Interview führte Jan Bastick, NDR 1 Welle Nord.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 31.10.2016 | 06:10 Uhr

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