Hannover 96: Auf und Ab des Traditionsclubs
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Mehr als beachtlich schlug sich Zweitligist Hannover 96 gegen Titelverteidiger Werder Bremen.
Liverpool, Real Madrid oder ein italienischer Club - "wir hatten auf einen richtigen Knaller gehofft und wir wollten ins Ausland reisen", erinnert sich Jörg Uwe Klütz, ehemaliger Abwehrspieler von Hannover 96. Nachdem der damalige Zweitligist 1992 überraschend den DFB Pokal gewonnen und sich damit die Teilnahme am europäischen Wettbewerb gesichert hatte, blickte die Mannschaft erwartungsfroh der Auslosung entgegen. Was dann kam "war bitter", sagt Klütz im Gespräch mit NDR.de, "kurios" meint der damalige Torwart Jörg Sievers. Und auch der Trainer der 96er, Eberhard Vogel, stimmt mit ein: "Für mich war das eine Enttäuschung." Hannover 96 reiste im Europapokal der Pokalsieger gerade einmal über die Landesgrenze zum einzigen anderen teilnehmenden deutschen Club: Werder Bremen.
Die angestrebte "schöne Reise", wie Sievers sie sich nach eigenen Angaben erhofft hatte, blieb dem Zweitligisten aus Niedersachsen also versagt, ein sportlicher Knaller war Werder Bremen aber durchaus. Zum Leidwesen von Trainer Vogel, der sich als Alternative zu einer internationalen Größe dann schon lieber einen kleineren, schlagbaren Gegner gewünscht hätte. "Es waren ja viele Mannschaften zum ersten Mal dabei", so Vogel zu NDR.de. Werder Bremen dagegen war Titelverteidiger und "sportlich eine der Top-Mannschaften in Europa, von daher war der Ausgang ja schon fast klar", erklärt Sievers. Die Bremer Spieler hatten alle internationales Format - wie der Neuseeländer Wynton Rufer oder der Norweger Rune Bratseth, ergänzt Klütz.
Vogel, der das Traineramt in Hannover erst nach dem DFB-Pokalsieg und der europäischen Qualifikation von Michael Lorkowski übernommen hatte, konnte dem Duell mit Werder Bremen dann aber doch noch einiges abgewinnen. Der 74-fache Nationalspieler der DDR, WM- und Olympia-Teilnehmer spürte "ein Kribbeln im Bauch", als er das Weserstadion betrat: "Für mich als Ossi war das eine Riesensache in diesem Stadion gegen Werder Bremen zu spielen - auch für Hannover 96. Das bleibt für immer in Erinnerung."
Und auch der Auftritt auf internationaler Bühne blieb dem ein oder anderen in Erinnerung. Das Hinspiel ging mit 1:3 verloren - am 30. September 1992 im eigenen Stadion waren die Niedersachsen aber ganz nah dran an einer Überraschung. "Es war auf Messers Schneide", erinnert sich Sievers, "ein Kampf auf Augenhöhe", so Klütz, "wir haben eine wirklich gute Leistung gebracht", lobt Trainer Vogel. Trotz eines 2:1-Erfolgs im Rückspiel schied der Außenseiter dann doch gegen den von Otto Rehhagel trainierten Titelverteidiger Werder Bremen aus.