Sportmomente, die Geschichte schrieben
Große Siege, bittere Niederlagen, tragische, aber auch komische Momente: Diese Ereignisse prägten die norddeutsche Sportwelt. mehr
Die Gründer des Hamburger Ruder Clubs in ihrem ersten Boot Victoria (Stich von Otto Speckter).
"Gentlemen! Wir wollen rudern!" Mit diesen Worten verkündete Johann Cesar Godeffroy am 18. Juli 1836 die Gründung des Hamburger Ruderclubs (DHRC). Was der 23-jährige Kaufmannssohn vorhatte, sorgte für Verwunderung: Mit schicken Mützen, verwegenen Bärten und lustigen Schleifen saßen Godeffroy und seine zehn Mitstreiter in Sportbooten und ruderten um die Wette. Die Idee stammte aus England. Dort wurde im Jahr 1829 zum ersten Mal das Rennen zwischen den Elite-Universitäten Oxford und Cambridge auf der Themse ausgetragen. Nun sollte also die Alster mit ihren Kanälen Schauplatz dieser neuen Sportart werden.
Zwar war Rudern anfangs ein Elitesport für Menschen aus den höheren Gesellschaftsschichten, aber der Anblick des Wassersports sorgte für viel Begeisterung. Bereits 1844 veranstalteten die Gründer ihre erste Regatta, die Tausende vom Ufer aus verfolgten - die Bootsrennen entwickelten sich schnell zu Volksfesten und galten als inoffizielle deutsche Meisterschaften. Im April 1853 gründete sich auf der Uhlenhorst mit dem Germania Ruder Club (GRC) ein weiterer Verein, der eine neue Bootstechnik und sportliches Rudertraining in die Hansestadt brachte. Mit Erfolg: Im Jahr 1900 holten Oscar Goßler, Walter Katzenstein, Gustav Goßler, Waldemar Tiegens und Steuermann Carl Goßler im GRC-Vierer eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Paris. 1968 saßen mit Horst Meyer und Dirk Schreyer zwei Clubmitglieder im legendären Deutschland-Achter, der in Mexiko Gold gewann.
Bastian Seibt (l.) vom DHuGRC feiert mit Jost Schömann-Finck, Jochen Kühner and Martin Kühner (v.l.n.r.) den EM-Titel im Leichtgewicht-Vierer 2010.
DHRC und GRC schlossen sich 1934 aus wirtschaftlichen Zwängen zu einem Verein zusammen. Das zehn Jahre zuvor gebaute gelbe Bootshaus am Alsterufer 21 dient dem Hamburger und Germania Ruder Club (DHuGRC) seitdem als Domizil. Aber nicht nur der Leistungssport, sondern auch der Breitensport spielt im Verein eine wichtige Rolle. Der DHuGRC zählt mittlerweile rund 800 Mitglieder im Alter von zehn bis 90 Jahren, von denen die meisten Hobbyruderer sind. Tradition wird großgeschrieben im ältesten Ruderclub Deutschlands und im viertältesten Ruderclub der Welt: Nach wie vor dürfen nur Männer Mitglied sein. Einer von ihnen ist Bastian Seibt. Der 23-Jährige gehört zu den aktuell erfolgreichsten deutschen Leichtgewichtsruderern, gewann mehrfach deutsche Meisterschaften, Europa- und Weltmeisterschaften.