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Eintracht Braunschweig: Fast vergessene Erfolge

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Eintracht Braunschweigs Björn Kluft (l.) und Dennis Kruppke feiern den Aufstieg in die Bundesliga auf einer Bühne im Eintracht-Stadion. © picture alliance / CITYPRESS 24 Fotograf: Simka/Citypress24
 

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Eintracht mit Minimalismus zur Meisterschaft

Braunschweiger Spieler und Fans mit der Meisterschale 1967 © imago/Kicker/Metelmann Detailansicht des Bildes Braunschweiger Spieler und Fans mit der Meisterschale 1967. Als die Sensation am 3. Juni 1967 um 17.51 Uhr perfekt war, ging der Schlusspfiff von Schiedsrichter Ewald Regely im tosenden Jubel fast unter. Auf den Tribünen flogen Hüte, Jacken und Sitzkissen in die Luft, dann stürmten die begeisterten Fans das Spielfeld. Mit 4:1 hatte Eintracht Braunschweig gegen den 1. FC Nürnberg gewonnen und sich damit endgültig die deutsche Meisterschaft gesichert, die das "Löwen"-Team schon am vorletzten Spieltag mit einem 0:0 bei Rot-Weiss Essen so gut wie dingfest gemacht hatte. Als Kapitän Joachim Bäse schließlich die Meisterschale erhielt, war eine ganze Region im Freudentaumel. Die Innenstadt war in Blau-Gelb getaucht, nur mit Mühe bahnte sich die Meistermannschaft bei ihrer Triumphfahrt zum Rathaus ihren Weg. 100.000 begeisterte Menschen säumten die Strecke - die "graue Maus" Eintracht Braunschweig war am Ziel aller Fußball-Träume.

Braunschweigs Sensations-Meisterschaft 1967

Sportclub - 12.05.2013 22:30 Uhr - Autor/in: Patrick Halatsch

Am 3. Juni 1967 machte Braunschweig die Meisterschaft perfekt. Trainer Johannsen führte die Eintracht zum Titel und sorgte für eine der größten Sensationen in der Bundesliga-Geschichte.

Herausragende Abwehrleistung

Architekt des unerwarteten Erfolgs war Trainer Helmuth Johannsen, der die Geschicke der "Löwen" seit 1963 mit ruhiger Hand lenkte. Seiner Mannschaft, die in der Abschlusstabelle zwei Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger TSV 1860 München hatte, gelang es, in der Hälfte aller Spiele ohne Gegentor zu bleiben. Insgesamt kassierten die Niedersachsen dank ihrer herausragenden Abwehrleistung nur 27 Gegentore. Ein Bundesliga-Rekord, der erst 1988 von Werder Bremen unter Otto Rehhagel unterboten wurde. Eine andere Bestmarke hat bis heute Bestand: Keiner brauchte weniger Tore für den Triumph (49).

Team der Namenlosen

Das Meisterteam von 1967

Tor: Hans Jäcker, Horst Wolter
Abwehr: Joachim Bäse, Wolfgang Brase, Wolfgang Grzyb, Peter Kaack, Wolfgang Matz, Klaus Meyer, Walter Schmidt
Mittelfeld: Gerd Saborowski
Sturm: Hans-Georg Dulz, Klaus Gerwien, Wolf-Rüdiger Krause, Erich Maas, Jürgen Moll, Lothar Ulsaß
Trainer: Helmuth Johannsen

Dabei war es nahezu ein Team der Namenlosen, das den bislang einzigen Meistertitel des Bundesliga-Gründungsmitglieds unter Dach und Fach brachte. Auch nach dem Gewinn der "Salatschüssel" schaffte kein Spieler aus der Meisterelf den internationalen Durchbruch. Vor der Saison war die Johannsen-Formation als Provinzteam verspottet worden, doch der Coach setzte erfolgreich auf mannschaftliche Geschlossenheit und Teamgeist, der seinerzeit noch Kameradschaft hieß. Der Trainer bestritt die Meistersaison mit einem "Mini-Kader". Das sorgte für perfekte Abstimmung. Zudem stand im Tor mit Horst Wolter ein Keeper, den viele zumindest auf der Linie stärker einschätzten als Sepp Maier. Bei seiner Konterstrategie baute Johannsen auf die schnellen und technisch versierten Lothar Ulsaß, Erich Maas und Gerd Saborowski. Das Trio dankte es ihm in der Meistersaison mit 14, 11 und 8 Toren.

Mehrtägige Feier beginnt

Braunschweigs Joachim Bäse mit der Meisterschale 1967 © imago/Kicker/Metelmann Detailansicht des Bildes Braunschweigs Kapitän Joachim Bäse stemmt die Meisterschale. Nach sechs Begegnungen war die völlig unterschätzte Eintracht mit 9:3 Punkten erstmals Tabellenführer. Am 17. Spieltag feierten die Niedersachsen die Herbstmeisterschaft, punktgleich vor dem Hamburger SV. Noch immer galt der Höhenflug des Außenseiters in Fachkreisen als fußballerisches Versehen und vorübergehende Momentaufnahme. Und tatsächlich gestalteten zwei Braunschweiger Niederlagen in der 30. und 31. Runde gegen den Landesrivalen Hannover 96 und Karlsruhe das Rennen wieder offen. Eintracht Frankfurt war nun punktgleich, Titelverteidiger 1860 München lag nur einen Zähler zurück. Am 32. Spieltag patzten jedoch Frankfurt und 1860, während die Eintracht gegen Gladbach 2:1 siegte. Das 0:0 in Essen am 33. Spieltag war somit praktisch gleichbedeutend mit der Meisterschaft, bevor nach dem letzten Heimspiel mit dem 4:1 gegen Nürnberg die mehrtägige Feier begann.

Glänzende Auftritte im Europacup

Die Braunschweiger Meisterelf von 1967 © imago/Kicker/Metelmann Detailansicht des Bildes Die Braunschweiger Meisterelf von 1967. In der darauffolgenden Saison starteten die Braunschweiger im Europapokal der Landesmeister - und sahen sich erneut unterschätzt. Viele befürchteten eine Blamage für den deutschen Fußball. Doch Braunschweig schaffte es bis ins Viertelfinale, wo gegen Juventus Turin erst ein drittes, entscheidendes Spiel die Entscheidung zugunsten der Italiener brachte. In den folgenden zehn Jahren kam Braunschweig in der Bundesliga noch viermal unter die ersten Fünf, 1976/77 fehlte ein Zähler zur zweiten Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Meistertrainer Johannsen verließ die Eintracht 1970 und wechselte einige Kilometer weiter nordwestlich nach Hannover.

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Otto Rehhagel, Uwe Seeler und Paul Breitner (Montage) © imago Fotograf: Baumann , Sven Simon, Werek
 

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Deutscher Meister 1967: Eintracht Braunschweig © Picture-Alliance/dpa
 
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