Stand: 24.06.2010 13:20 Uhr
Historie
Erstes Galopprennen in Horn schon 1855
Jockey Erwin Schindler nach seinem Derby-Sieg 1982.
Die Galopprennbahn in Hamburg-Horn ist eine Bahn mit langer Tradition - schon im Sommer 1855 fanden hier erste Rennen statt. Der drei Jahre zuvor gegründete "Hamburg Lokstedter Renn-Club", der zunächst in Wandsbek Rennen durchführte, hatte das Gelände im April 1854 gekauft und dort eine 50 Meter breite und 1.900 Meter lange Bahn errichtet - die "Horner Renncoppel". Auch eine erste kleine Tribüne gab es schon in den Anfangsjahren.
Der Kaiser als Stammgast
Am 11. Juli 1869 fand auf der Bahn das erste Derby statt, das damals noch den Beinamen "Norddeutsches" trug. Fünf Pferde aus den "zum Norddeutschen Bunde gehörenden Staaten und Landestheilen" gingen an den Start, es siegte der Favorit Investment. Ein Jahr später kamen zum ersten Mal offiziell die Wett-Freunde zum Zug, als eine kleine Bretterbude Deutschlands ersten Totalisator beherbergte. Ab 1872 durften alle deutschen Pferde mitlaufen, zudem auch die aus Österreich-Ungarn. Ab 1889, als mit Uram-batyam ein in Budapest trainiertes Pferd gewann, hieß das Rennen offiziell "Deutsches Derby". Schon 1897 betrug das Preisgeld üppige 100.000 Mark. Der Kaiser wurde zum Stammgast, der Derbytag gesellschaftlich ein "Muss". Der Erste Weltkrieg konnte den Aufschwung des Rennsports kaum stoppen, es wurde eifrig gewettet. Erst 1919 musste das Derby wegen revolutionärer Unruhen in Hamburg kurzfristig nach Berlin-Grunewald verlegt werden.
Bildergalerien
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Tunnel im Innenraum noch aus der Kaiserzeit
Der Bombenhagel im Zweiten Weltkrieg ging auch an der Horner Rennbahn nicht spurlos vorüber. Sie wurde so schwer in Mitleidenschaft gezogen, dass das Derby zwischen 1943 und 1947 erneut nicht in der Hansestadt ausgetragen werden konnte: 1943/44 wurde es in Berlin veranstaltet, 1945 fiel es ganz aus, und 1946 und 1947 sprangen München und Köln als Ausrichter ein. Erst 1948 kehrte das Derby in die Hansestadt zurück. Nach vielen Modernisierungen auch in den Folgejahren existiert heute kein Gebäude mehr aus den Anfangsjahren der Rennbahn. Die ältesten Bauwerke sind die große Tribüne von 1912 und der im selben Jahr erbaute Tunnel. Er bildet einen Durchgang von der Tribünenseite in den Innenraum. Für Zuschauer und Sponsoren wird während der Derby-Woche im Innenraum eine Zeltstadt mit Gastronomieangeboten und Verkaufsständen errichtet, aber auch der Führring und der Absattelring haben hier ihren festen Platz.
Platz für 50.000 Zuschauer
Rennbahn in Hamburg-Horn.
Heute fasst die moderne Galopprennbahn in Horn mehr Zuschauer als jede andere in Deutschland. Über 50.000 Menschen finden hier Platz. Mit Investitionen im sechsstelligen Bereich hatten sich die Veranstalter 2008 vom Wetter unabhängig gemacht. "Ganz elementar waren die Investitionen in die Drainage", sagte Renn-Club-Schatzmeister Hans-Ludolf Matthiessen: "Es hat massive Änderungen gegeben. Bei jeder Witterung sollte der Boden nun optimal sein." Vom Tisch ist dagegen der geplante Umbau der Rennbahn zur kombinierten Galopp- und Trabrennbahn. Ursprünglich sollten ab 2012 ganzjährig an 80 Tagen Rennen in Horn veranstaltet werden. Die Stadt Hamburg wollte sich ursprünglich mit 30 Millionen Euro an der Modernisierung beteiligen, strich dann aber wegen Sparmaßnahmen die Mittel.