Stand: 01.12.2015 09:43 Uhr

Und jetzt? Hamburg nach dem Olympia-Nein

Nach dem Aus für die Hamburger Olympia-Bewerbung hat die Diskussion darüber begonnen, was mit dem geplanten Olympia-Gelände auf dem Kleinen Grasbrook und den eingeplanten Geldern passieren wird. Die angedachte Fläche soll laut Oberbaudirektor Jörn Walter wie bisher Hafengelände bleiben. Denn einzelne Verkehrsprojekte und der Bau von 8.000 Wohnungen auf dem Kleinen Grasbrook seien jetzt aus Platzmangel nicht mehr umzusetzen: "Kostenberechnungen haben ergeben, dass die Stadt Hamburg allein den Kleinen Grasbrook nicht ohne Weiteres erschließen kann. Deswegen wird er jetzt sicherlich erstmal Hafennutzung bleiben." Walter sieht das Nein zu Olympia als Rückschlag für die Stadtentwicklung.

Olympia-Ideen sollen weiter geprüft werden

Die Hafenverwaltung HPA will trotzdem in den kommenden Tagen prüfen, ob einige Ideen aus der Olympia-Bewerbung umgesetzt werden könnten. So wird laut NDR 90,3 im Hafen darüber spekuliert, dass der Terminalbetreiber Unikai, der auf dem Kleinen Grasbrook unter anderem Autos und Früchte umschlägt, dennoch einen neuen Standort bekommen könnte. Der Hafenbetreiber Buss mit seinem Hansa-Terminal auf Steinwerder kann sich angesichts des Olympia-Referendums Hoffnungen machen, dass er dort doch noch länger bleiben kann. In einem Antrag von SPD und Grünen für die nächste Bürgerschaftssitzung heißt es, der Senat solle prüfen, welche Projekte weiterverfolgt werden sollten.

Verkehrsbehörde enttäuscht über Olympia-Aus

Als einer der großen Verlierer der Olympia-Absage sehen sich die Verkehrsbehörde und Hamburger Logistikunternehmen. Durch das Scheitern der Bewerbung würden Verkehrsvorhaben langsamer umgesetzt. Laut Bahn betreffe das die S 4 nach Ahrensburg und den barrierefreien Ausbau von Stationen mit Fahrstühlen.

Investitionen in Stadtentwicklung gefordert

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Die geplanten Wohnungen auf dem Kleinen Grasbrook werden nicht gebaut.

Derweil melden sich andere Akteure mit Ideen für die Verwendung der Olympia-Gelder zu Wort. So forderte die Umweltorganisation BUND, nun über eine Neuausrichtung der Stadtentwicklung zu diskutieren. Es sei gut, dass die vorhandenen Ressourcen jetzt "nicht in ein einziges Mega-Sport-Event fließen". Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) im Norden schlug vor, mit den für Olympia vorgesehenen 1,2 Milliarden Euro aus der Stadtkasse Investitionen in den Wohnungsbau, den Verkehr und den Hafen zu tätigen. Hamburgs DGB-Chefin Katja Karger rief den Senat dazu auf, mit sozialer, fairer und nachhaltiger Stadtentwicklung auf die Niederlage zu reagieren. Mit dem Elan, mit dem der Senat die Olympia-Bewerbung betrieben habe, müsse er jetzt die sozialen Probleme der Stadt angehen. Auch der Sozialverband Hamburg forderte mehr soziale Gerechtigkeit. Das "olympische Geld" solle vor allem gegen Kinderarmut, Langzeitarbeitslosigkeit und für bezahlbaren Wohnraum eingesetzt werden. Der Bund der Steuerzahler Hamburgs verlangte dagegen, mit dem veranschlagten Geld Schulden zu tilgen.

Senat: Kein zusätzliches Geld zu verteilen

Doch der Senat sieht laut NDR 90,3 keine Möglichkeit, die für die Olympischen Spiele eingeplanten 1,2 Milliarden Euro für andere Projekte zu verwenden. Dieses Geld liege nicht im Safe, es hätte im Rahmen der Haushaltsplanung erwirtschaftet werden müssen. Geplant waren 200 Millionen Euro im Jahr ab 2017. Ohne die Olympischen Spiele gibt es diese Summe jedoch nicht, so die Position des Senats, der sich von Olympia einen großen Schub für die Stadt erhofft hatte. Ohne erwartbare Wertschöpfung durch Olympia gebe es keine Zusatzausgaben.

Fegebank sieht Mitschuld beim Bund

Auch Hamburgs Innen- und Sportsenator Michael Neumann (SPD) hatte das Nein zur Olympia-Bewerbung mit großer Enttäuschung aufgenommen. "Ich bin geknickt und nachdenklich", sagte er am Montag NDR Info. Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Die Grüne) sieht die Verantwortung für das Nein der Hamburger auch beim Bund. "Die fehlende Bereitschaft des Bundes, eine Aussage zur Kostenbeteiligung zu machen, die hat uns sicherlich sehr geschadet."

Dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge stimmten am Sonntag 51,6 Prozent der Hamburger gegen die Bewerbung der Hansestadt für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024.

Kommentare

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 01.12.2015 | 08:00 Uhr