Stand: 24.06.2015 11:09 Uhr

Masterplan für die Olympic City

von Andreas Bellinger, NDR.de

Hamburg treibt die Pläne für die Olympic City auf dem Kleinen Grasbrook voran. Doch auch die Konkurrenz macht mobil. Während in der Hansestadt der Masterplan für das Zentrum der Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 vorgestellt wurde, meldete Paris seine Kandidatur am 121. Jahrestag der olympischen Idee an. Die französische Hauptstadt, die bei der Vergabe der Spiele für 2012 knapp gegen London verloren hat, will Olympia nach 1900 und 1924 zum dritten Mal und hat angeblich drei Viertel der Bürger hinter sich. Auch die Kosten von geschätzten 6,5 Milliarden Euro sollten kein Problem darstellen. In Hamburg wird derweil um die Details gerungen und jeder Schritt mit den Bürgern diskutiert. So auch am Dienstagabend, als sich rund 700 Hamburger im "Cruise Center" vis-à-vis des Kleinen Grasbrooks über die Pläne für Olympia und die Zeit danach informierten.

Mehr Platz und eine "Oase" an der Elbe

"Mit der Olympic City soll ein Quartier entstehen, das auch nach den Spielen lebenswert ist und in dem die verbleibenden Sportstätten aktiv genutzt werden können", sagte die Senatorin für Stadtentwicklung, Dorothee Stapelfeldt. Aus vier Entwürfen hat sich die Variante B als Masterplan durchgesetzt. Dank der räumlichen Trennung der Sportstätten entsteht genügend Platz für Anlagen zum Aufwärmen und Trainieren - zum Beispiel vor dem Olympiastadion im Zentrum (70.000 Zuschauer), in dem neben der Eröffnungs- und Schlussfeier die Leichtathletik-Wettkämpfe stattfinden sollen. Außerdem werden Engpässe vermieden, wenn die Besucher in die Olympic City strömen. Übrigens ausschließlich zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Die Schwimmhalle (12.500 Zuschauer) ist auf der Fläche nördlich des Moldauhafens am Prager Ufer geplant, wo zudem eine "Oase" entlang der Elbe entstehen soll. An der Spitze der Hafen-Insel entsteht die Olympiahalle (15.000 Zuschauer) für Turnen und Basketball. Daneben wäre Platz für Public Viewing oder zum Verweilen.

Wohnungen, U-Bahn und ein Sport-Park im Olympiastadion

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Ein Spaziergang durch das olympische Dorf, hinter hohen Zäunen gesichert, ist für die Zuschauer wie üblich tabu. Die Wohnungen für rund 18.000 Athleten, Trainer und Betreuer entstehen ausschließlich auf der südlichen Halbinsel und werden nicht vom Moldauhafen getrennt, was den Bau der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen deutlich einfacher macht. Die olympische Heimstatt soll nach den Spielen nach Westen hin erweitert werden. Die Trainingsplätze werden dann verschwinden. 4.000 bis 5.000 behindertengerecht ausgestattete Wohnungen könnten so in dem neuen Stadtteil entstehen; ein Drittel davon als geförderter Wohnraum. Die Olympiahalle wird zu einem vierten Kreuzfahrtterminal umgebaut. Das gilt als sicher. Das Olympiastadion wird auf 20.000 Plätze zurückgebaut und möglicherweise exklusiv von der Leichtathletik genutzt. Vielleicht wird der Innenraum aber auch zu einer Art Sport-Park - mit Wohnungen in Terrassenform, wo ursprünglich die hohen Tribünen waren. Dann wird es auch die Haltestelle "Olympic City" der U-Bahnlinie 4 von der Hafen City nach Wilhelmsburg geben. Diese Station auf dem Kleinen Grasbrook schon für die Spiele zu eröffnen, scheitert an den hohen Sicherheitsstandards.

"Wir sind noch immer in der Findungsphase"

Zum Thema Nachnutzung - oder "Legacy Mode", wie es der Senat und die beauftragten Architekten, Verkehrs- und Stadtplaner nennen - gibt es verschiedene Modelle, die bislang aber nur als Gedankenspiele verstanden werden. "Wir sind noch immer in der Findungsphase", sagte Nikolaus Goetze vom Hamburger Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner. Knackpunkt ist dabei vor allem, ob das Stadion für die weitere Nutzung durch die Leichtathletik erhalten bleibt. Die Idee, die Arena als Bundesliga-Heimstatt der HSV-Fußballer zu nutzen, ist dagegen offenbar vom Tisch. Die Schwimmhalle könnte zu einem Freizeit- und Erlebnisbad werden, was der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) allerdings heftig kritisiert, weil Hamburg eine internationalen Wettkampf-Kriterien gerechte Schwimmarena behalten soll.

Zu Fuß und mit dem Rad auf den Kleinen Grasbrook

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Dorothee Stapelfeldt (r.) präsentierte die Hamburger Olympia-Pläne.

Bleibt die Frage, wie die vielen tausend Zuschauer auf den Kleinen Grasbrook gelangen sollen? Zu Fuß und mit dem Rad, soviel steht fest. Zusätzlich zu den später notwendigen Brücken, Straßen und Wegen, die nicht mehr als zwei Fahrspuren haben werden, sind temporäre Brücken und Straßen auch für die Logistik und als Rettungswege notwendig. Eine neue Brücke über die Norderelbe wird den künftigen Stadtteil auf kurzem Weg mit der Hafen City und der Innenstadt verbinden. Und wie teuer wird das alles? Darüber könne der Senat noch keine Angaben machen, warb Stapelfeldt für Verständnis. Das werde sich aber rechtzeitig vor dem Referendum am 29. November ändern.

Budapest als weiterer Konkurrent für Hamburg

Paris und Boston - wenn die Bürger der US-Stadt es denn wollen - dürften momentan die größten Konkurrenten der Hansestadt sein. Ein weiterer Konkurrent ist Hamburg zudem in Budapest erwachsen. In der ungarischen Hauptstadt entschloss sich der Stadtrat mit großer Mehrheit für eine Kandidatur. Das ungarische Parlament muss der Bewerbung allerdings noch zustimmen, voraussichtlich im Juli wird abgestimmt. Boston und Rom haben ihre Kandidatur bereits erklärt. Weitere Bewerbungen könnten bis zum Stichtag am 15. September noch aus Baku (Aserbaidschan), Doha (Katar), Durban (Südafrika) und Melbourne (Australien) kommen. Die Entscheidung, wer 2024 Ausrichter der Olympischen und Paralympischen Spiele wird, trifft das Internationale Olympische Komitee im Sommer 2017.

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