Stand: 11.11.2015 11:47 Uhr

Olympia-Abstimmung ohne Finanz-Garantien aus Berlin

von Andreas Bellinger, NDR.de
Gäste der Podiumsdiskussion zu den Olympia-Finanzen (v.l.): Norbert Hackbusch (Die Linken), Sylvia Schenk (Transparency International Deutschland), Peter Ulrich Meyer ("Hamburger Abendblatt"), Lorenz Palte (Bund der Steuerzahler Hamburg), Andreas Dressel (SPD-Fraktionschef).

Wann immer dieser Tage Werbung für ein "Ja" zur Hamburger Olympia-Bewerbung gemacht wird, regt sich Widerstand. Das hat fast immer monetäre Gründe. Zwar ist längst klar, dass die Sommerspiele und die Paralympics 2024 im Falle eines Zuschlags den Steuerzahler 7,4 Milliarden Euro kosten würden. Doch ob sich der Bund, wie vom Hamburger Senat geplant, wirklich mit 6,2 Milliarden Euro daran beteiligt, darüber wird bis zum Referendum am 29. November keine Klarheit herrschen.

Lohnendes Investment oder Vabanque-Spiel?

Die Hansestadt, so hat es Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) jedenfalls versprochen, will nicht mehr als 1,2 Milliarden Euro der veranschlagten Kosten tragen. "Und daran wird sich auch nichts ändern", betonte sein Partei-Kollege Andreas Dressel am Dienstagabend während einer Podiumsdiskussion über die Olympia-Finanzen beim Bund der Steuerzahler Hamburg. Der Vorsitzende der SPD-Bürgerschaftsfraktion zeigte sogar Verständnis dafür, dass sich der Bund für seine Entscheidung Zeit lässt. Er ist aber auch sicher, dass spätestens Anfang Februar der Daumen in Berlin nach oben gehen wird.

"Olympia in Hamburg - Lohnendes Investment oder finanzielles Vabanque-Spiel?" lautete die Fragestellung bei der Veranstaltung. Und um es gleich vorwegzunehmen: Lorenz Palte hält das ehrgeizige Projekt für machbar. "Stand heute: finanziell möglich", urteilte der Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler Hamburg. Die Schuldenbremse müsse jedoch wie geplant von 2019 an greifen, und alle anderen wichtigen Projekte - vor allem im sozialen Bereich - dürften darunter nicht leiden.

Kritiker glauben den Zahlen nicht

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Kritiker dürfte selbst die Meinung der Wächter über Steuern und Abgaben kaltlassen. "Ich glaube den Zahlen nicht", sagt "Stop Olympia"-Aktivistin Sabine Lafrentz und weiß dabei Norbert Hackbusch an ihrer Seite. Der Politiker von den Hamburger Linken macht aus seinen grundsätzlichen Zweifeln an einer sauberen Finanzierbarkeit kein Geheimnis. Vor allem dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) traut er nicht über den Weg. Am Ende könne das IOC schließlich immer noch Vereinbarungen und Veränderungen in den sogenannten Gastgeber-Vertrag einbringen. "Deshalb ist nicht alles sicher, wie immer behauptet wird", sagte Hackbusch. "Das IOC trägt kein Risiko - daran hat auch die Agenda 2020 nichts geändert."

Transparency-Expertin Schenk vertraut dem IOC

Doch Hackbusch bekam auf dem Podium Gegenwind aus einer Richtung, aus der er es wohl nicht unbedingt erwartet hatte. Sylvia Schenk, die für den Sport zuständige Expertin von "Transparency International", setzt großes Vertrauen in das IOC. Die "Weltregierung" des Sports habe erkannt, dass "die Kostenschraube dringend nach unten gedreht werden muss". Das könnte ein wichtiges Kriterium pro Hamburg sein, denn sparsame, bodenständige und kreative Spiele passen glänzend zu der vom deutschen Präsidenten Thomas Bach angeschobenen IOC-Reform.

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