Stand: 25.06.2015 20:23 Uhr

Olympia: Paris macht Hamburg Feuer

von Andreas Bellinger, NDR.de

Wenn es um die härtesten Konkurrenten Hamburgs um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 geht, spricht von Boston derzeit eigentlich kaum mehr jemand. Seit Paris den Hut offiziell in den (Bewerbungs-)Ring geworfen hat, gilt die französische Hauptstadt als Favorit für den Zuschlag, den das Internationale Olympische Komitee (IOC) im Sommer 2017 erteilen wird. Die Hansestadt gibt sich derweil gelassen, bezeichnet die Konkurrenz durch den Olympia-Gastgeber von 1900 und 1924 als zusätzliche Motivation im Streben, eine auf Nachhaltigkeit getrimmte Bewerbung auf die Beine zu stellen. "Das ist nichts, was mich zurückhaltend macht", sagte die Senatorin für Stadtentwicklung, Dorothee Stapelfeldt, dem Hamburg Journal des NDR. "Ganz im Gegenteil", betonte sie eher kämpferisch.

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Nach drei Pleiten glaubt sich Paris an der Reihe

Paris glaubt sich nach drei gescheiterten Bewerbungen an der Reihe. "Wir sind da, um zu gewinnen", sagte der Präsident des Sportverbandes CFSI, Bernard Lapasset. Aber auch das Hamburger Konzept reift zusehends und wird immer konkreter, wie sich jüngst bei dem schon fünften Info-Abend in der Hafen City zeigte. Das Ziel, die Bürger auf dem Weg zu Olympia mitzunehmen, wird entschieden verfolgt. Dabei könnten die Signale in die Welt allerdings deutlicher werden. Für das Rothenbaum-Tennisturnier im kommenden Monat, das immerhin in 60 Länder der Erde übertragen wird, sind Hinweise auf Hamburgs Olympia-Pläne bis dato nicht vorgesehen. "Wir haben das schon vor Wochen angesprochen, bislang aber keine Antwort bekommen", sagte Turnierdirektor Michael Stich im Gespräch mit NDR.de.

Kosten und Zustimmung für die Franzosen kein Problem

Was die Bürger letztlich von den Spielen in ihrer Stadt halten, wird sich konkret am 29. November bei einem Referendum in Hamburg und der Segel-Stadt Kiel erweisen. In Paris, so heißt es, ist man schon weiter. Die Zustimmung sei überwältigend. Mehr als 70 Prozent der Menschen im Großraum Paris sollen in einer Umfrage "Ja" zu Olympia gesagt haben. Auch die Kosten von geschätzten 6,5 Milliarden Euro scheinen niemanden zu schrecken, was bei Hamburgs "NOlympia"-Kampagne ganz anders ist. Bei den Kosten für die Bewerbung kalkuliert Paris mit 60 Millionen Euro; Hamburg will es mit zehn Millionen weniger schaffen.

Eiffelturm-Panorama gegen Spiele am Wasser

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Im Stade Roland Garros wird Tennis gespielt. Ein Dach ist seit Jahren geplant.

Während Hamburg mit einmaligen Spielen am Wasser punkten will und das Thema Nachhaltigkeit ganz oben auf die Agenda gestellt hat, kann Paris auf eine Reihe vorhandener Sportstätten verweisen, die ihre internationale Tauglichkeit stetig nachweisen. Roland Garros am Bois de Boulogne, der grünen Lunge im Westen der Stadt, zum Beispiel, wo vor wenigen Tagen erst das traditionelle Grand-Slam-Tennisturnier gespielt worden ist. Oder das zur Fußball-WM 1998 erbaute Stade de France, das wohl zum Olympiastadion werden wird. Die Arena steht im sozial nicht unproblematischen Stadtteil Saint-Denis, wo auch das olympische Dorf angesiedelt sein könnte. Auch im Prinzenparkstadion, der Heimat von Paris Saint-Germain, könnte Fußball gespielt werden. Ein Hingucker wie in London dürfte die Anlage für Beachvolleyball werden, die vor dem Eiffelturm auf dem Champ-de-Mars vorgesehen ist.

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