Stand: 22.06.2015 12:56 Uhr

Kiels Olympia-Plan: Segler bleiben in Schilksee

von Andreas Bellinger, NDR.de
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Segler bei der Kieler Woche 2015.

Kiel probt Olympia und wird wie Hamburg am 29. November seine Bürger fragen, ob sie bereit sind, 2024 die Olympischen Spiele auszurichten. Das bestätigte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer am Montag am Rande der Kieler Woche. Zweifel, dass das Referendum in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt scheitern könnte, hegt der Sozialdemokrat nicht. Aber nur knapp über die Latte zu kommen, reiche ihm auch nicht. Sein Hamburger Parteikollege, Sportsenator Michael Neumann, will über genaue Prozentzahlen und die Gefahr eines Scheiterns der gemeinsamen Olympia-Pläne gleichfalls nicht reden - zumindest nicht öffentlich. "Die Zustimmung scheint mir in Kiel noch größer zu sein als in Hamburg", sagte er NDR.de und bekräftigte bei einem Seglerfrühstück im Olympiahafen von 1972 den engen Schulterschluss mit der maritimen olympischen Partnerstadt.

Masterplan nach den Sommerferien

Während Hamburg den Masterplan für die Olympic City auf dem Kleinen Grasbrook schon fertig hat, ist Kiel noch mittendrin, das Konzept zu entwickeln. Fest steht aber, dass die Boote wie 1972 in Schilksee festmachen werden - und auch alle wichtigen Bauten dort errichtet werden. "Nach den Sommerferien werden wir die genauen Pläne präsentieren können", kündigte Kämpfer an. Was die Kosten betrifft, sollen konkrete Zahlen wie in Hamburg später folgen, aber rechtzeitig vor dem Referendum vorliegen.

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Konzept für dezentrale Sportstätten am 3. Juli

Neben Kiel können sich auch andere norddeutsche Städte Hoffnungen auf olympische Wettbewerbe machen. Am 3. Juli will Hamburg Näheres verkünden. "Es ist doch nur logisch", sagte Neumann, "dass beispielsweise Handball-Hochburgen wie Kiel und Flensburg berücksichtigt werden sollen." Eine gute Visitenkarte gab am Wochenende Luhmühlen mit dem Vielseitigkeits-Klassiker ab; in Garlsdorf könnten die Schützen ebenfalls in Niedersachsen ihre Wettkampfstätte haben - und dass die Bundesliga-Stadien des Nordens prädestiniert für das Fußballturnier wären, steht außer Frage.

Einladung für ausgebootete Paralympics-Segler

Während in Hamburg auch Paralympische Spiele stattfinden würden, wenn denn das Internationale Olympische Komitee (IOC) dem deutschen Vertreter bei seiner Sitzung in Lima 2017 den Zuschlag erteilt, soll in Kiel nicht mehr gesegelt werden. Dass in Rio kommendes Jahr letztmals bei den Paralympics gesegelt wird, wollen Hamburg und Kiel so aber nicht hinnehmen. "Wer hindert uns, nach den Spielen die paralympischen Segler nach Kiel einzuladen?", sagte Kämpfer und ließ seiner rhetorischen Frage die Hoffnung folgen, dass der Ausschluss bis dahin wieder rückgängig gemacht wird.

Schümanns Plan: Segeln auch in Hamburg

"Diese Entscheidung ist nicht nachvollziehbar", hatte auch Deutschlands Vorzeige-Segler Jochen Schümann im Interview bei NDR.de kritisiert. An sechs Olympischen Spielen hat der Berliner teilgenommen, und deshalb hat sein Urteil, "Kiel ist olympiatauglich", durchaus Gewicht - nicht nur in Seglerkreisen. "Kiel nennt sich zu Recht "Sailing City". Es werde eine große Unterstützung in der Bevölkerung vorhanden sein, "denn die ganze Stadt lebt am Wasser", erklärte Schümann. Dank dieser Erfahrung könne bis 2024 vieles entwickelt werden. Vielleicht sogar Segeln in Hamburg? Schümann: "Ich kann mir einen Showevent aller Medaillengewinner auf der Alster sehr gut vorstellen."

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