Stand: 15.10.2015 10:00 Uhr

Olympia-Kosten: Zuversicht in Hamburg - Skepsis im Bund

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Bürgermeister Olaf Scholz, DOSB-Präsident Alfons Hörmann und Sportsenator Michael Neumann (v.l.) strahlen Zuversicht aus.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hat bei der offiziellen Präsentation der Olympia-Pläne in der Hansestadt das Finanzkonzept als "vertrauensbildende Botschaft" gepriesen. Die Kosten von 7,4 Milliarden Euro seien "eine gewaltige Zahl", aber dafür auch "sorgfältig gerechnet. Man kann sich darauf verlassen." Dass der Bund noch keine Zusage über die geforderten 6,2 Milliarden Euro gegeben hat, irritiert Scholz anscheinend nicht: "Ich finde, man muss dem auch Zeit lassen, sich Gedanken darüber zu machen, ob wir alles richtig gerechnet haben. Ich hätte kein Problem damit, wenn noch ein Gutachten in Auftrag gegeben wird, um zu gucken, ob das alles vernünftig ist."

Doch offenbar werden in Berlin die Hamburger Olympia-Pläne kritisch gesehen. Mehrere Zeitungen berichten von klaren Signalen, dass es die geforderte Summe vom Bund nicht geben werde. Die Bundesregierung stehe auf dem Standpunkt, dass Hamburg ein "umfassendes Stadtentwicklungskonzept bis 2040" erarbeitet hat - also weit mehr Kosten in die Planungen eingesetzt habe als eigentlich für Olympia nötig wären, so das "Handelsblatt". Die Initiative NOlympia bemängelte, der Finanzreport der Stadt sei ungenügend und erfülle "nicht die Mindestanforderung an eine nachvollziehbare Darstellung der geplanten Finanzierung".

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Gibt es die geforderte Summe vom Bund?

Dennoch gab sich Alfons Hörmann im Interview mit dem Hamburg Journal zuversichtlich: "Hamburg hat nun sechs bis acht Monate intensiv geplant und gerechnet, vorgestern Abend haben wir die letzten Standortentscheidungen für das Konzept getroffen. Dann ist schlichtweg nicht zumutbar, dass der Bund jetzt innerhalb weniger Stunden oder Tage eine so weitreichende Entscheidung trifft", sagte der DOSB-Präsident: "An solchen Stellen gilt: besser die richtige als die falsche Entscheidung. Deshalb werden wir in aller Ruhe die weiteren Gespräche führen und die Prüfungen vornehmen." Er sei "fest davon überzeugt, dass es gemeinsam gelingt, ein tragfähiges Konzept zu finden".

Bis Februar wolle man "mit dem Bund klar sein", unterstrich Scholz erneut. Schon tags zuvor hatte der SPD-Politiker bei der Veröffentlichung des Finanzplans betont, dass es ohne die Zuschüsse vom Bund keine Olympischen Spiele in Hamburg geben werde. Mehr als die vorgesehenen 1,2 Milliarden Euro werde die Stadt Hamburg nicht zahlen.

Hörmann: "Hamburg hat bis heute keinen Fehler gemacht"

Hörmann stellte der Hamburger Bewerbung ein glänzendes Zwischenzeugnis aus und lobte das Konzept als "attraktives Angebot" für das Internationale Olympische Komitee (IOC). Allein die Kompaktheit der Sportstätten folge der neuen IOC-Logik. Hörmann zeigte sich zuversichtlich, dass sich die deutsche Bewerbung gegen die Konkurrenz aus Los Angeles, Paris, Rom und Budapest durchsetzen werde: "Hamburg hat bis heute keinen Fehler gemacht. Das kann nur gut gehen."

Die Flüchtlingskrise und Olympia schlössen sich nicht gegenseitig aus: "Beide Dinge gehen sehr gut zusammen. Einen neuen Stadtteil zu bauen, die Stadt weiterzuentwickeln, Zukunftsperspektiven zu sichern bringt genau das, was Deutschland im Moment zum Sehnsuchts- und Zufluchtsort für viele macht."

Am Donnerstag war bekannt gegeben worden, dass Sommerspiele 2024 in Hamburg 11,2 Milliarden Euro kosten würden. Auf den deutschen Steuerzahler kämen demnach 7,4 Milliarden Euro zu.

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