Stand: 09.06.2015 15:36 Uhr

Grundriss für Olympic City steht fest

von Andreas Bellinger, NDR.de

Aus vier mach eins: Eine Woche nach der Vorstellung von vier Varianten für die Olympic City auf dem Kleinen Grasbrook und der anschließenden Diskussion mit interessierten Hamburgern haben sich die Planer auf einen Grundriss geeinigt. Variante B ist es geworden, in der die Schwimmhalle auf der Fläche nördlich des Moldauhafens am Prager Ufer gebaut werden soll. Das bestätigte NDR.de am Dienstag ein Sprecher der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Allein der Standort der Schwimmhalle war der wesentliche Unterschied in den Skizzen des Rotterdamer Planungsbüros KCAP für die Bewerbung um die Olympischen Spiele und Paralympics 2024. Die Olympiahalle an der Spitze des Hafen-Eilands, das Olympiastadion im Zentrum und das olympische Dorf am östlichen Ende bleiben auf dem Kleinen Grasbrook. Auch das Medienzentrum soll auf der anderen Seite des Hansahafens entstehen, obwohl die dort ansässigen Betriebe bei der Vorstellung der Pläne noch nichts davon wussten, dass auch sie wegen Olympia weichen müssen. Die Kritik und Gegensätze sind massiv; am Dienstag waren erste Gespräche zwischen Unternehmerverband und Vertretern der Stadt angesetzt.

So soll die Olympic City in Hamburg aussehen

Pläne werden am 23. Juni vorgestellt

Die Hallen des Medienzentrums, die nach den Spielen wieder der Hafenwirtschaft zufallen könnten, sollen auch als eine Art Schallschutz gegen den Lärm der angrenzenden Schienen und Autobahn dienen. Die endgültige Entscheidung über den Grundriss der Olympic City wird am 23. Juni (19 Uhr) im CruiseCenter Hafen City am Großen Grasbrook 19 vorgestellt. Danach geht es um die Detailplanung, die Nachnutzung und natürlich die Kosten. Kritische Fragen und Proteste sind programmiert. Zumal Staatsrat Christoph Krupp als Olympiakoordinator in der Senatskanzlei schon bei NDR 90,3 einräumte, dass lediglich eine grobe Kalkulation zu erwarten sei. Abweichungen von 40 Prozent seien in der frühen Planungsphase denkbar.

Nachnutzung sorgt schon jetzt für Widerstand

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Eine Vision mit freiem Blick auf die Hafen City. Aber was wird nach Olympia aus dem Stadion?

Wesentlich für die Kalkulation ist die Nachnutzung der olympischen Bauten und Anlagen. Die Schwimmhalle ist im "grünen Gürtel" am Elbufer geplant, der nach den Spielen als Parklandschaft erhalten bleiben soll. Die Schwimmhalle selbst soll möglicherweise zu einem Freizeitbad und damit einer Attraktion für die Stadt und den neuen Stadtteil auf dem Kleinen Grasbrook werden. Dagegen regt sich bereits Widerstand im Deutschen Schwimm-Verband (DSV). Deren Präsidentin Christa Thiel will dort auch nach den Spielen große nationale und internationale Schwimmfeste feiern. Spaßbad, Sauna-Landschaft und Rutschen-Dome erteilt der DSV eine Absage.

Was wird aus dem Olympiastadion?

Während schon jetzt klar scheint, dass aus der Olympiahalle ein Kreuzfahrtterminal und aus dem olympischen Dorf das Zentrum eines neuen Stadtteils mit 3.000 Wohnungen werden soll, ist die spätere Nutzung des Olympiastadions noch offen. Wie es bei den Spielen und Paralympics aussehen könnte, hat Nikolaus Goetze vom Hamburger Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner in mehreren Visionen gezeigt. Gemein ist diesen Plänen der Blick auf die Skyline der Hafen City mit der Elbphilharmonie im Mittelpunkt. Möglich ist, dass das Stadion von 70.000 Plätzen auf 20.000 zurückgebaut wird und von der Leichtathletik genutzt wird. Möglich ist aber auch ein Sport-Park mit Wohnungen in Terassenform, wo ursprünglich die hohen Tribünen waren. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders und die Arena beibt als Heimstatt der HSV-Fußballer nach München und Berlin das dritte Olympiastadion der Republik.

Kampagne der Wirtschaft - Proteste von "NOlympia"

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Bisher hat Hamburg für die Olympia-Bewerbung 310.000 Euro ausgegeben. Bis zur Entscheidung, die das Internationale Olympische Komitee im Sommer 2017 in Perus Hauptstadt Lima treffen wird, rechnet der Senat mit Kosten von rund 50 Millionen Euro, so ein Sprecher der Innenbehörde. 30 Millionen Euro sind vom Bund fest zugesagt. Auch die deutsche Wirtschaft will sich beteiligen - in welcher Höhe, steht allerdings noch nicht fest. Im Gespräch waren ursprünglich 25 Millionen Euro. Sollte noch die Notwendigkeit bestehen, sich weiter finanziell beteiligen zu müssen, würde Hamburg maximal 15 Millionen Euro beisteuern. Mit diesen Summen sei man hervorragend aufgestellt, sagt Sportsenator Michael Neumann und betont, dass es nicht das Ziel sei, die komplette Summe auch auszugeben. Während "NOlympia" weiter demonstriert, stellt die Hamburger Wirtschaft für die Kampagne zum Olympia-Referendum 1,6 Millionen Euro zur Verfügung. Am 29. November sind die Hamburger aufgerufen, pro oder contra über Olympia abzustimmen. Die Entscheidung sei bindend, betont der Senat. Im Falle der Ablehnung war alles umsonst - auch die Variante B.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version waren die möglichen Kosten für die Bewerbung missverständlich dargestellt. Wir haben die Zahlen inzwischen präzisiert.

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