Stand: 28.01.2013 13:47 Uhr

Willoughby: Der Basketball-Sozialarbeiter

von Christian Jeß, NDR.de
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Ex-Profi Marvin Willoughby betreibt Sozialarbeit mit Basketball in Hamburg-Wilhelmsburg.

Die Erinnerung ist noch frisch: "Alle haben mir gesagt: Das schaffst du nie. Aber das war mir egal." Marvin Willoughby ließ sich nicht beirren, obwohl ihm eine wahre Herkulesaufgabe bevorstand. Inzwischen sind der ehemalige Basketballprofi und sein Verein "Sport ohne Grenzen" ein gutes Stück gegangen auf ihrem Weg zum Ziel. Das heißt: Vereinigung von ambitioniertem Spitzensport und engagierter Sozialarbeit in Hamburg-Wilhelmsburg. Ein Stadtteil, der gerne als Problemviertel bezeichnet wird und der nach den Vorstellungen Willoughbys einmal Standort des nächsten Hamburger Basketball-Bundesligaclubs sein wird.

Marvin Willoughby: Sozialarbeit mit Basketball

Willoughby und Nowitzki: Die "Young Guns" aus Würzburg

Wilhelmsburg ist Willoughbys Heimat. Hier wurde der Sohn einer deutschen Mutter und eines nigerianischen Vaters vor 35 Jahren geboren. Ein paar Kilometer weiter, bei der Turnerschaft Harburg, lernte er das, was zu seinem Lebensinhalt werden sollte: Basketball. Über die "Lehrstelle" SC Rist Wedel (Zweite Liga) führte ihn sein Weg 1998 nach Würzburg an die Seite eines gewissen Dirk Nowitzki. Sie wurden Freunde, vielleicht fürs Leben. Willoughby, Robert Garrett, Demond Greene (jetzt FC Bayern München) und eben Nowitzki bildeten die "Young Guns", begriffen Basketball als Spektakel. Doch während das "German Wunderkind" ein NBA-Star wurde, endete Willoughbys Profikarriere 2005 vorzeitig nach 35 Länderspielen, zwei Pokalsiegen und mehreren Stationen im In- und Ausland wegen einer langwierigen Fußverletzung.

Talentförderung statt Siege und Titel

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Die Piraten Hamburg mit Trainer Marvin Willoughby (o.r.) spielen erfolgreich in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (NBBL).

Inzwischen hat längst seine zweite Laufbahn begonnen, bei der sich ebenfalls alles um die rote Kugel dreht. Der 2,02 Meter große ehemalige Flügelspieler ist Trainer und Hauptverantwortlicher bei den Piraten Hamburg, die mit zwei Mannschaften in der männlichen Nachwuchs- und Jugend-Basketball-Bundesliga (NBBL und JBBL) vertreten sind. Beide Teams eilen im Nordbereich von Sieg zu Sieg - doch das ist Willoughby nicht wichtig. "Entscheidend ist die Förderung von Talenten, in Zusammenarbeit mit den anderen Hamburger Vereinen", erklärt der Diplom-Sportfachwirt, der auch als Co-Trainer in der U16-Nationalmannschaft fungiert.

Deutschlands größtes Talent des Jahrgangs 1995

Eines der größten Talente ist Ismet Akpinar, gleichzeitig Aufbauspieler beim SC Rist Wedel (Dritte Liga) und bester Spieler des Jahrgangs 1995 in Deutschland. Hinter ihm ist nach Aussage Willoughbys die halbe Bundesliga her. Um Akpinar und einigen seiner Teamkameraden bald eine Perspektive bieten zu können, arbeitet Willoughby seit mehreren Jahren am Aufbau von tragfähigen Basketball-Leistungssportstukturen an der Elbe. Ziel: Herren-Bundesliga. "Die besten Spieler aus Hamburg sollen endlich nicht immer abwandern müssen", sagt Willoughby.

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