Stand: 06.11.2017 10:47 Uhr

Görges: "Da kommt noch mehr"

Eine passendere erste Gratulantin hätte es für Julia Görges nach ihrem Triumph bei der WTA Elite Trophy im chinesischen Zhuhai wohl kaum geben können: Keine Geringere als Steffi Graf überreichte der 29-Jährigen freudestrahlend den Sieger-Blumenstrauß. Deutschlands Tennis-Ikone, Turnier-Botschafterin in Zhuhai, würdigte damit nicht nur Görges' Erfolg bei der sogenannten B-WM, sondern stellvertretend das gesamte traumhafte Jahr der Bad Oldesloerin. Die Norddeutsche ist nun auf Rang 14 der Weltrangliste angekommen, so hoch wie noch nie. Mehr noch: Görges ist aktuell Deutschlands Nummer eins.

Die Karriere von Julia Görges in Bildern

Rittner lobt "beeindruckende Konstanz"

Daran war vor elf Monaten nicht im Traum zu denken. Damals dümpelte Görges auf Rang 54, gefeiert wurde stattdessen Angelique Kerber, die unter anderem mit zwei Grand-Slam-Siegen die Spitzenposition im Welttennis erobert hatte. Inzwischen ist die Kielerin nach einer desaströsen Saison auf den 21. Platz abgerutscht. Parallel dazu erfolgte der Aufstieg ihrer Fed-Cup-Mitspielerin. Barbara Rittner, die Frauen-Chefin im Deutschen Tennis-Bund (DTB), sprach von einem "beeindruckend konstanten Jahr" der Bad Oldesloerin und ergänzte: "Da kommt noch mehr."

Neustart vor zwei Jahren

"Physisch bin ich so gut drauf wie noch nie. Das Gesamtpaket stimmt einfach - die Athletik, das Spielerische und die Taktik", sagte Görges und stellte zufrieden fest: "Das ist einfach eine andere Jule inzwischen." Besonders bei den längeren Ballwechseln ist die neue Souveränität deutlich sichtbar. Mit der Reife einer gestandenen Weltklassespielerin geht sie inzwischen mit vielen Dingen cooler um. Ein "gesundes Mindset" nennt Görges das. Alles ist positiv behaftet. Dies liegt an dem Neustart, den sie Ende 2015 wagte: Damals stagnierte die Schleswig-Holsteinerin und entschloss sich, nach sieben Jahren ihr Team zu wechseln und nach Regensburg zu ziehen. Es war ein "Reset", wie sie es nennt.

Gelingt der Sprung in den Top Ten?

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Julia Görges ist derzeit in der Form ihres Lebens.

Mit Trainer Michael Geserer sowie Fitnesscoach und Physiotherapeut Florian Zitzelsberger schaffte Görges den ersehnten Sprung zurück in die Top 20, in denen sie vor sechs Jahren schon einmal bis auf Position 15 geklettert war. Seitdem war ihr jedoch kein Turniersieg mehr gelungen. 2017 brauchte sie allerdings auch vier Anläufe: Nach den Finalniederlagen auf Mallorca, in Bukarest und in Washington folgte in Moskau Ende Oktober der ersehnte Erfolg, gekrönt eine Woche später mit dem Sieg in Zhuhai.

Das Endspiel dort gegen die US-Amerikanerin Coco Vandeweghe war sinnbildlich für ihre Gesamtsaison: 2:5 lag Görges bereits im ersten Satz zurück, schaffte fünf Spielgewinne in Folge, holte sich den Durchgang mit 7:5, um dann den zweiten Satz fast rauschhaft mit 6:1 für sich zu entscheiden: Den Matchball verwandelte sie mit einem krachenden Returnwinner - gleichermaßen ein Statement und Ansage für die kommende Saison. "Es ist schon mein bestes Tennis meiner Karriere. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf 2018", erklärte die 29-Jährige. Erfüllt sich die Prognose von Barbara Rittner, spielt Görges dann nicht in Zhuhai, sondern beim WTA-Finale in Singapur - da treten die acht besten Spielerinnen der Welt an.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 06.11.2017 | 10:25 Uhr

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