Stand: 22.11.2017 14:00 Uhr

Tim Weidenbecher: Zehn Sekunden verändern alles

von Arne Helms

Es sind nur etwa zehn Sekunden, die aus 2017 für Tim Weidenbecher "das beste Jahr meines Lebens" machen. Anfang Juni steht der Ju-Jutsu-Kämpfer aus Norderstedt (Kreis Segeberg) im Finale der Europameisterschaft. Der Druck ist hoch. Der 23-Jährige ist in den Junioren-Klassen in Sachen Medaillen hoch dekoriert. Im Seniorenbereich will es mit einem Titel bislang aber einfach nicht klappen. Bei der EM in Banja Luka in Bosnien und Herzegowina droht sich das Trauma auszuweiten. Gegen den Russen Dmitry Marchenko liegt er zehn Sekunden vor dem Ende mit drei Punkten zurück. "Ich dachte in dem Moment, dass ich wieder keinen Titel bei den Senioren hole", sagt der Norderstedter.

Tim Weidenbecher schaut in die Kamera © NDR Fotograf: Janis Röhlig

Ju-Jutsu-Kämpfer Tim Weidenbecher - ein Kurzporträt

NDR 1 Welle Nord - Nachrichten für Schleswig-Holstein -

Ju-Jutsu-Kämpfer Tim Weidenbecher aus Norderstedt bezeichnet 2017 als "das beste Jahr meines Lebens". Er holt den EM-Titel und Gold bei den World Games und belegt Platz fünf beim World Tour-Finale.

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Zwei Tritte bringen die Final-Wende

Was dann passiert, beschreibt er Monate später als "sich zusammenreißen". Ein Tritt gegen den Kopf von Marchenko, einer gegen den Körper. Die Treffer bringen den Schleswig-Holsteiner mit einem Punkt in Front. Die Uhr läuft runter. Weidenbecher ist Europameister. Der Mann aus dem Norderstedter Stadtteil Friedrichsgabe nennt den Titelgewinn den emotionalsten Moment seiner Karriere. "Ein lang ersehnter Traum, den ich mir endlich erfüllen konnte." Seinen Verein Kodokan Norderstedt erfüllt der Titelträger mit Stolz. Heimcoach Stefan Jacobs, der Weidenbecher bereits seit 1999 begleitet, fällt seinem Schützling noch in Banja Luka um den Hals.

Silbernes Lorbeerblatt für Weidenbecher

Team-Gold bei den World Games

Das war es aber noch nicht mit den Emotionen für Weidenbecher. Bei den World Games der nicht-olympischen Sportarten im polnischen Breslau verpasst er im Einzel zwar Edelmetall. Dafür holt er Gold mit dem Team - und das ohne einen Einsatz. In seiner Gewichtsklasse bis 94 Kilogramm hätte er sowohl im Halbfinale gegen die Niederlande als auch im Finale gegen Russland den letzten Kampf bestritten. Doch Deutschland führte jeweils uneinholbar. Macht nichts. Gold ist Gold. Bei der Abschlussfeier klatschen ihn die Zuschauer trotzdem ab, machen Selfies mit dem Norderstedter. Aus den Händen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhält er das Silberne Lorbeerblatt. "Erlebnisse, die mich mein Leben lang begleiten werden", sagt Tim Weidenbecher. Gemeinsam mit dem EM-Triumph von Banja Luka.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.12.2017 | 20:00 Uhr