Stand: 23.11.2016 12:00 Uhr

Maximilian Munski: "Ein Moment für die Ewigkeit"

von Frauke Hain

Es ist der Abend vor dem Endlauf von Rio. Als Maximilian Munski aus Lübeck und seine Kameraden aus dem legendären Deutschlandachter angespannt und nervös auf ihren großen Tag warten, sind alle anderen deutschen Ruderer schon im Relax-Modus. Sie feiern längst ihre Medaillen und guten Platzierungen, während sich Munski noch auf sein erstes olympisches Finale vorbereiten muss. Denn das Rennen der Achter ist traditionell das letzte von allen. "Wir hatten das alles noch vor uns, und da muss man sich dann zurückziehen und sein eigenes Ding machen", erklärt Munski.

Lübecker krönt Karriere mit Olympia-Medaille

Eine einmalige Chance genutzt

Als er am Tag danach auf dem Weg zur Regattastrecke ist, spult der 28-Jährige zunächst die üblichen Wettkampfvorbereitungen ab, die ganz normale Routine. "Dann wurde mir aber bewusst: Es sind die Olympischen Spiele, das ist keine WM oder EM", erzählt der Student. Und ihm geht durch den Kopf: "Jetzt hast du die Chance - und dann wahrscheinlich nie wieder." Seine Aufregung ist plötzlich riesig. Was auch an den traditionell hohen Erwartungen an den Deutschlandachter liegt. Schließlich hatte das erfolgsverwöhnte Boot in London vor vier Jahren Gold gewonnen. Damals war Munski nicht dabei. Umso mehr spürt er Druck. Doch der Lübecker und seine Kameraden werden den hohen Erwartungen gerecht, auch wenn es knapp hinter den starken Briten "nur" für Silber reicht.

Medaillen-Zeremonie vertreibt Enttäuschung

Gerade im Ziel angekommen, ist die Freude über die Medaille bei Maximilian Munski zunächst gedämpft. "Im ersten Moment war ich enttäuscht. Das hatte aber damit zu tun, dass wir uns hohe Ziele gesetzt hatten." Doch die Enttäuschung verfliegt ziemlich schnell. Schon die Siegerehrung, als er diese große und schwere Silbermedaille umgehängt bekommt, genießt Munski als einen "Moment für die Ewigkeit". Spätestens in diesem Moment, als er oben auf dem Podest steht, fällt jegliche Last von ihm ab.

"Jetzt andere Sachen erleben und genießen"

Inzwischen ist Rio Sportgeschichte und Munski längst wieder im "geregelten Leben" angekommen, wie er selbst sagt. Die Uni bestimmt jetzt seinen Tagesablauf, er studiert Sonderpädagogik auf Lehramt. "Es tut mir gut runterzukommen. Im Moment sind meine Hauptprobleme, rechtzeitig in die Vorlesung zu kommen, die Hausarbeiten fertig zu schreiben und aufzupassen", lacht Munski. Er genießt es, wieder mehr Freizeit zu haben. Verlangen nach mehr Erfolgen verspürt der 28-Jährige nicht mehr, und auch auf monatelanges hartes Training und Stress hat er keine Lust mehr. Deshalb macht er Schluss mit Rudern als Leistungssport: "Das fühlt sich gut an, weil ich für mich sagen kann, dass ich zufrieden bin, mit dem was ich geschafft habe. Jetzt kommen Jahre, wo ich andere Sachen erleben kann, und das möchte ich auch voll genießen."

Porträt

Sportler des Jahres: Porträts, Videos, Bilder

Fünf Frauen, fünf Männer und sechs Teams haben die Chance, "Sportler der Jahres" in Schleswig-Holstein zu werden. Kurzporträts, Videos und Bilder - erfahren Sie mehr über die Athleten. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.12.2016 | 20:00 Uhr

Mehr Sport

02:55

Gisdol: "Eine Chance hat man immer"

19.10.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal
03:26

Musikclip: Ein Halleluja für Hannover 96

17.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen