Stand: 23.11.2016 12:00 Uhr

Lauritz Schoof: Fast ausgeschieden - dann Gold

von Frauke Hain

Freizeit: Fehlanzeige. Wenn man über jemanden sagen kann, dass er nur für seinen Sport lebt, dann dürfte es Lauritz Schoof sein. Rudern - sonst ist da wenig Anderes gewesen in den vergangenen Jahren. Es bestehe permanent ein psychisch hoher Druck, erklärt der Rendsburger, "weil man sich im Rudern jedes Jahr beweisen muss, um nicht aus dem Kader zu fliegen." Deshalb hat Schoof sein Training am Olympiastützpunkt in Dortmund auch 2016 wieder darauf abgestimmt, immer genau dann fit zu sein, wenn es darauf ankommt. Sein großer Aufwand, der Stress und der Verzicht auf Freizeit haben ihn viel Energie gekostet, aber er hat sich bestmöglich belohnt: Im Doppelvierer gewann Schoof nach London 2012 zum zweiten Mal Gold. Obwohl er mit seinem Team fast den Endlauf verpasst hätte.

Zweiter Olympiasieg lässt Freudentränen fließen

Beinahe früh ausgeschieden - dann Gold

Bei viel Wind und hohen Wellen hatte es das deutsche Boot nicht geschafft, sich direkt für das Finale zu qualifizieren. "Es war anstrengend zu wissen, dass man jeden Moment raus sein kann", erinnert sich der 26-Jährige. Schoof und Co. gelang die Qualifikation dann doch, mit einem souveränen Sieg im Hoffnungslauf. "Als wir gewonnen haben, war uns klar, im Finale können wir auf jeden Fall eine Medaille holen", berichtet Schoof. Das klappte mit einem Start-Ziel-Sieg, auch wenn Australien sich auf den letzten 500 Metern immer dichter an den deutschen Doppelvierer herankämpfte.

Die Freude über Gold ist bei Schoof bis heute besonders groß, weil er in der Vorbereitung für Olympia mehrfach mit Problemen zu kämpfen hatte. "Es war eine schwierige Situation und es lief nicht immer gut", sagt der Medizinstudent. "Bemerkenswert, dass wir es trotzdem immer wieder geschafft haben, zur richtigen Zeit fit zu sein." Deshalb sei die Goldmedaille in Rio eigentlich auch wichtiger gewesen als das Gold in London, das Schoof als "angenehmer" bezeichnet.

"Bin erwachsener geworden"

Seit den Olympischen Spielen ist Schoof dabei, einiges aufzuholen. Er schreibt Klausuren an der Uni und macht sich Gedanken zu seiner bevorstehenden Doktorarbeit. Und dann ist da ja auch immer noch der Sport. "Ich muss auch trainieren, und das tue ich. Olympia 2020 in Tokio ist schon ein Ziel." Die Vorbereitung dafür wird anders verlaufen als in früheren Jahren, glaubt der 26-Jährige. Vielleicht nicht mehr ganz so unbeschwert, aber ruhiger. "Ich habe jetzt das Gefühl, dass ich erwachsener bin und auch mehr Verantwortung habe", sagte Schoof nachdenklich. Früher sei er emotionaler dabei gewesen, nun mit mehr Bedacht. Der Stress aber werde bleiben. Was auch bedeutet: Freizeit - Fehlanzeige.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.12.2016 | 20:00 Uhr

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