Stand: 23.11.2016 12:00 Uhr

Jacob Heidtmann: Ein Meistertitel und ein Albtraum

von Frauke Hain

Im olympischen Vorlauf über 400 Meter Lagen schwimmt er so schnell wie noch nie: 4:11,85 Minuten. Jacob Heidtmann jubelt im Becken - neuer deutscher Rekord und locker das Finale von Rio erreicht. Dann geht sein Blick zur Anzeigetafel, und er kann es nicht fassen. Der 22-Jährige ist disqualifiziert. Wegen eines technischen Fehlers. Er soll während des Brustschwimmens bei der Wende zwei Delfinkicks gemacht haben, erlaubt ist nur einer. Niedergeschlagen, mit Tränen in den Augen schleicht Heidtmann aus dem Schwimmstadion von Rio. Es war ein herber Rückschlag in einem Jahr, das für ihn ansonsten sehr erfolgreich verlief.

Jacob Heidtmann: Rekordmann mit Olympia-Trauma

Warum kein Protest?

Mehrere Monate nach Olympia kann Heidtmann wieder lachen. Auch wenn der Stachel der Enttäuschung noch immer tief sitzt. Er versteht bis heute nicht, warum die deutschen Sportfunktionäre damals keinen Protest einlegten. So habe er gemerkt, dass er in schwierigen Zeiten auf sich allein gestellt sei. Eindeutige Bilder gibt es nicht, deshalb war in der Videoanalyse nicht zu sehen, ob Heidtmann den Fehler tatsächlich gemacht hat oder nicht. "Ich hatte keine Chance dagegen anzugehen. Das war quasi die Zerstörung meines größten Traums."

Deutscher Meister in Rekordzeit

Eines Traums, für den Heidtmann vier Jahre lang hart arbeitete. Der 1,95 Meter große Athlet verbrachte wenig Zeit mit Freunden und Familie, ging nicht auf Partys. Stattdessen quälte er sich, legte Tausende Trainingskilometer im Wasser zurück und schwitzte viele Stunden im Kraftraum. Belohnt wurde all das zwar nicht bei Olympia, aber immerhin bei den Deutschen Meisterschaften. Obwohl Heidtmann durch einen Magen-Darm-Virus geschwächt war: " Ich wusste nicht, ob ich überhaupt schwimmen kann - und wenn, wie schnell bin ich noch?" Sehr schnell, wie sich zeigen sollte. Der Student der Sozialökonomie holte mit neuem deutschen Rekord den Meistertitel.

Eine besondere Begegnung

Aus Rio hat er zwar nicht die erhoffte Medaille mitgenommen, aber ein ganz besonderes Erlebnis. Er lernte einen französischen Basketballer kennen: "Das Schönste war, als ich Tony Parker im Dorf getroffen haben. Er ist eines meiner größten Kindheitsidole. Mit ihm habe ich auch ein Foto gemacht." Ein solches Gefühl könne einem nichts anderes im Leben geben, findet Heidtmann.

Ansonsten will der Fan des FC St. Pauli nur noch nach vorn schauen. Das Ziel hat er klar vor Augen: die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Und Jacob Heidtmann ist sicher: "In vier Jahren bin ich wieder dabei."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.12.2016 | 20:00 Uhr

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