Stand: 21.04.2013 11:35 Uhr  | Archiv

Basketball-Talent Schröder auf Nowitzkis Spuren

von Bettina Lenner, NDR.de und Marc Mokrisch, NDR Fernsehen
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Dennis Schröder im Braunschweiger Prinzenpark.

Dennis Schröder zeigt auf die Halfpipe im Braunschweiger Prinzenpark. "Hier ist mein Trainer entlanggelaufen und hat mich entdeckt. Ihm verdanke ich eigentlich alles", erinnert er sich. Früher war der 19-Jährige ein begeisterter Skateboarder. Seine zweite Leidenschaft hieß Basketball, und zwischen den waghalsigen Manövern auf dem Brett warf er mit seinen Kumpels Körbe - und das ziemlich eindrucksvoll. Liviu Calin fielen vor acht Jahren die außergewöhnlichen Fähigkeiten des damals elfjährigen Knirpses auf. "Er hat schon etwas gezeigt, was Kinder in dem Alter eigentlich noch gar nicht vormachen können", erzählt der Headcoach des heutigen Drittligisten SG Braunschweig dem NDR Sportclub. Der ehemalige rumänische Nationaltrainer nahm Schröder unter seine Fittiche - und legte damit den Grundstein für die sportliche Laufbahn des Niedersachsen, dem Anfang April zudem eine doppelte Ehrung zuteil wurde. Ein Bundesliga-Expertengreminum kürte ihn sowohl zum besten deutschen Nachwuchsspieler als auch zum "Most Improved Player", dem am meisten verbesserten Akteur.

Coach Flevarakis um Bodenhaftung bemüht

Schröder gehörte in der vergangenen Saison erstmals zum Kader der Phantoms. Nun ist der Junioren-Nationalspieler aus dem Braunschweiger Team nicht mehr wegzudenken. Mehr als zwölf Punkte verbucht er im Schnitt pro Spiel, seine Dribbling-Fähigkeiten, seine Schnelligkeit und sein Zug zum Korb sind herausragend. "Er ist ein großes Talent. Die Zukunft gehört ihm, wenn er weiter hart arbeitet und am Boden bleibt. Für ihn ist im Moment das Wichtigste, mit all der Aufmerksamkeit klarzukommen", sagt Braunschweigs Coach Kostas Flevarakis. Der Grieche hatte bereits vor der Saison von dem Teenager gefordert, "sich auch abseits des Feldes zu entwickeln". Schließlich war der Sohn eines Deutschen und einer gambischen Mutter zuvor häufiger durch Undiszipliniertheiten und mangelnden Respekt gegenüber seinen Mitspielern aufgefallen. Einmal wurde er sogar für ein Spiel suspendiert, weil er eine Trainingseinheit verschlafen hatte.

Tod des Vaters der Wendepunkt

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Im Friseursalon der Schwester hilft das Ausnahmetalent noch regelmäßig aus.

Damit sei es nun vorbei, betont der jüngste deutsche Allstar aller Zeiten. Ausgerechnet die größte Tragödie seines jungen Lebens brachte die Wende: Vor drei Jahren starb sein Vater an Herzversagen. "Da ist für mich die Welt zusammengebrochen. Er war mein größter Fan und hat mir immer gesagt, dass ich es schaffen und meiner ganzen Familie helfen werde. Seitdem will ich professionell sein", erzählt Schröder, der vier Geschwister hat und regelmäßig bei der großen Schwester im Friseursalon aushilft. Bei den Phantoms besitzt er noch einen Vertrag bis 2014. Und dann? Der finale Sprung in die Nationalmannschaft ist ein Ziel, nachdem er zuletzt schon einmal zu einem Lehrgang eingeladen worden ist. Ebenso ein europäischer Top-Verein. Vor allem aber die NBA.

"Jetzt gibt es nur noch Basketball"

Amerikanische Scouts lassen sich schon länger regelmäßig in Braunschweig blicken. Sie bescheinigen dem 1,86 m großen Aufbauspieler eine "Riesenentwicklung seit dem vergangenen Jahr", berichtet Coach Flevarakis. "Die NBA wäre schon ein großer Traum. Miami ist mein Lieblingsteam, aber dort würde ich nicht viel Spielzeit bekommen. Deshalb würde ich bei jedem Team spielen, wenn ich darf", sagt Schröder, dessen Vorbilder Chris Paul und Rajon Rondo sind. Selbstzweifel hat er nicht: "Ich denke, dass ich meinen Weg gehen werde. Viele hatten Talent und haben es dann nicht geschafft. Aber wenn du jeden Tag hart arbeitest, kann eigentlich nichts schief gehen." Nur mit seiner alten Liebe, dem Skateboarden, musste er brechen. Die Trainer haben ihr Veto eingelegt. Zu groß ist die Verletzungsgefahr. Schröder nimmt es leicht: "Das passt nicht mehr zu mir. Jetzt gibt es nur noch Basketball."

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