Michael Stich - Tennis nahe der Perfektion
Der Wimbledon-Sieger aus dem Norden im Porträt. mehr
Tommy Haas kehrt erstmals nach sechs Jahren nach Hamburg zurück.
Die Bewohner der Hamburger Weidenallee können sich auf besonderen Besuch freuen. Dieser Tage dürfte es bei einem der Häuser an der Tür klingeln und wenn selbige aufgeht, steht da Tommy Haas. Der gebürtige Hamburger, der auch beim internationalen Tennisturnier am Hamburger Rothenbaum dieser Tage zu seinen Wurzeln zurückkehrt, ist in dem Haus aufgewachsen. "Ich würde gern meiner Familie zeigen, wo ich früher gelebt habe", erklärt der 34-Jährige. "Ich weiß nicht, ob ich reingelassen werde. Ich würde ja auch blöd schauen, wenn bei mir jemand klingelt. Aber es wäre wirklich ein schönes Erlebnis." Seiner Verlobten Sara Foster will Haas zeigen, "wo es crazy" ist in seinem Geburtsort, ein Reeperbahn-Bummel ist fest eingeplant. Auch ein Besuch in seiner liebsten Eisdiele in Blankenese und in dem Restaurant Schlachterbörse steht auf dem Programm.
Aufgrund der vielen Termine auf der Tour, aber vor allem wegen zahlreicher Verletzungen ist Haas, der in Florida lebt, schon seit sechs Jahren nicht mehr an der Elbe gewesen. Umso mehr habe ihn gefreut, als Michael Stich, Turnierdirektor am Rothenbaum, ihm in diesem Jahr eine Wildcard angeboten hat. "Wie Tommy an seinem Comeback arbeitet, ist bewundernswert. Ich freue mich auf ihn, es könnte ja sein letzter Besuch bei uns sein. Für die Tennisfans ist das ein Leckerli", hatte Stich gesagt. Dass die Erwartungen des Publikums an den Lokalmatadoren besonders hoch sein dürften, stört Haas nicht. "Ich habe schon immer gern auf dem Centrecourt gespielt, wenn viele Leute da sind", betont der Wahl-US-Amerikaner. "Die Zuschauer wirken sich mal positiv und mal negativ aus. Aber ich werde die Stimmung für mich nutzen."
Verlobte Sara Foster (l.) begleitet Tommy Haas in Hamburg.
Ziele benennt der Rückkehrer keine, er denkt nur von Spiel zu Spiel. Das hat ihn die Zeit der Verletzung gelehrt. "Wenn man 15, 16 Monate raus ist, ist das schon hart. Da habe ich bestimmt 15 Mal gesagt, dass ich keine Lust mehr habe", erläutert Haas, den eine Hüftverletzung lange außer Gefecht gesetzt hat. "Aber ich wollte meine Karriere nicht so beenden, sondern noch einmal den Weg zurück finden." Eine entscheidende Rolle dabei spielte seine mittlerweile 20 Monate alte Tochter. Nur zu gern folgte der Vater ihrer Aufforderung "Come on Daddy". Der Papa möchte am liebsten so lange spielen, bis die Kleine in ein paar Jahren richtig versteht, was ihr Papa da auf dem Tennisplatz treibt und sich später an den Tennisspieler erinnert.
Es geht nicht mehr: Allergiker Tommy Haas (M.) verabschiedet sich 2006 von seinen Fans.
Im Jahr 2006 hatte Haas das bisher letzte Mal am Rothenbaum aufgeschlagen. Gegen den Schweden Robin Söderling musste Haas von seiner Pollenallergie geplagt aufgeben. Sein bestes Ergebnis erzielte er 1997, als der damals 19-Jährige bei seinem Debüt auf Anhieb das Halbfinale erreichte und erst am Spanier Felix Mantilla scheiterte. Der Auftritt in diesem Sommer soll nicht der letzte in Hamburg sein. Vielleicht ist er beim beim Davis Cup im September dabei, gern wäre er auch im nächsten Jahr wieder am Start. Früher gehörte das ATP-Turnier am Rothenbaum noch zur 1.000er-Serie, heute hat es nur noch 500er-Status. "Es hat sich aber sonst nicht viel verändert", meint Haas. "Auch wenn es natürlich schade ist, dass das Turnier kein Masters mehr ist, ist es vom Gefühl her noch genauso wie damals."