Stand: 02.08.2015 16:48 Uhr

Rothenbaum-Titel für Sandplatz-König Nadal

Zweiter Turniersieg am Rothenbaum für Rafael Nadal.

Nach einem harten Stück Arbeit sank Rafael Nadal auf den roten Sand und feierte auf den Knien seinen zweiten Titel nach 2008 am Hamburger Rothenbaum. Das Finale am Sonntag gegen den Italiener Fabio Fognini geriet dem topgesetzten Mallorquiner zwar so holprig wie der Beginn des Turniers, doch mit neuem Selbstvertrauen und der bekannten Gabe, auch in kritischen Situationen nicht aufzugeben, holte sich Nadal seinen 67. Turniersieg der Karriere. In einem spannenden Endspiel setzte er sich mit 7:5, 7:5 gegen den an Nummer acht gesetzten Fognini durch, der immer wieder heftig am Nimbus des Sandplatz-Königs kratzte. Nach 2:34 Stunden Spielzeit auf der roten Asche des Center Courts verwandelte der 29-Jährige seinen ersten Matchball und kassierte ein Preisgeld von 311.775 Euro. Im Doppel siegten der Brite Jamie Murray und sein australischer Partner John Peers mit 2:6, 6:3, 10:8 gegen die Kombination Juan Sebastian Cabal/Robert Farah aus Kolumbien.

Siegerscheck und 500 Punkte für die Weltrangliste

"Es ist ein wichtiger Titel für mich bei einem der wichtigsten Sandplatzturniere der Welt", sagte Nadal noch auf dem Platz - und bekam einen Krampf im Oberschenkel. Und später: "Ich bin so motiviert wie lange nicht mehr, denn ich habe ein hartes Jahr hinter mir." Mehr noch als über den Siegerscheck bei der mit 1,3 Millionen Euro dotierten Veranstaltung dürfte er sich aber über die 500 Punkte gefreut haben, die ihn am Montag auf Platz neun der Weltrangliste aufrücken lassen. Denn die zu gewinnen war das ausgewiesene Ziel des als Weltranglisten-Zehnter in der Hansestadt gestarteten Spaniers. Nach dem Scheitern im Viertelfinale der French Open gegen den Serben Novak Djokovic und dem Aus in Wimbledon schon in Runde zwei gegen Dustin Brown aus Winsen/Aller fürchtet er um die Teilnahme an der ATP-Weltmeisterschaft der besten acht Tennisprofis des Jahres. "Die Punkte sind wichtig für mich", erklärte Nadal, warum er den Sand von Hamburg der US-Open-Vorbereitung auf den Hartplätzen in Übersee vorgezogen hat.

Erfolgreiches Einspielen mit Turnierdirektor Stich

Zur Freude von Turnierdirektor Michael Stich ("Was für ein geiles Match") und den Zuschauern im ausverkauften Tennisstadion an der Hamburger Hallerstraße, über dem das Zeltdach bei strahlendem Sonnenschein anders als zu Beginn der Woche diesmal geöffnet bleiben konnte. Stich hatte mit Nadal - in Ermangelung anderer Spieler - das Einschlagen übernommen und hatte offenbar ganze Arbeit geleistet. Zwar musste sich der neunmalige Grand-Slam-Sieger eines starken Kontrahenten erwehren, aber in den entscheidenden Situationen präsentierte er sich topfit und dem Rothenbaum-Sieger von 2013, Fognini, mental überlegen. Da störte es ihn auch nicht, dass er den ersten Satz erst nach vergebenen Satzbällen in 1:17 Stunden gewonnen hatte.

Nadal vergibt Führung und kassiert zwei Breaks

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Der Italiener Fabio Fognini gewann am Rothenbaum 2013.

Die Dominanz aus dem Halbfinale, als er den Südtiroler Andreas Seppi mit 6:1, 6:2 förmlich von der Asche fegte, konnte Nadal zwar nicht wiederholen. Aber die kontinuierliche Steigerung in den Tagen am Rothenbaum wurde auch gegen Fognini deutlich, der erzählte: "Ich bin in dieser Woche jeden Morgen aufgewacht mit dem Gedanken, das Finale erreichen zu wollen." Mehr allerdings war nicht drin, weil sein Gegenüber seine Gabe, den Kopf immer wieder aus der Schlinge ziehen zu können, in bester Manier ausspielte. Wie sicher sich auch seine Entourage fühlte, zeigte auch ein Blick in Nadals Box, wo sich auch bei Trainer-Onkel Toni Nadal selbst dann keine Aufregung breit machte, als sein Schützling einen 3:1-Vorsprung im zweiten Durchgang leichtfertig verspielte und sogar ein zweites Break kassierte.

Noch zwei Siege fehlen zum Asche-Rekord

Doch der topgesetzte und erstarkte Nadal ließ sich nicht beirren - auch nicht von den verbalen Attacken seines Kontrahenten und den beiden Satzbällen gegen sich. Obwohl vieles auf einen dritten Satz hindeutete, kämpfte Nadal weiter unverdrossen und holte seinen dritten Titel des Jahres nach Buenos Aires und Stuttgart. Freuen konnte er sich vor allem aber über die angekündigte und gelungene Revanche gegen Fognini. Der an Nummer acht gesetzte Weltranglisten-32., der in der Vorschlussrunde den französischen Qualifikanten Lucas Pouille mit 6:2, 7:6 (7:2) bezwang, hat als überhaupt erst zweiter Spieler das Kunststück fertiggebracht, Nadal auf Sand binnen eines Jahres gleich zweimal (Rio, Barcelona) zu schlagen. Das hatte vor ihm nur Djokovic (2011 und 2015) geschafft. Nach seinem 47. Triumph auf Sand ist Nadal nun nur noch zwei Erfolge entfernt vom inzwischen 62 Jahre alten Argentinier Guillermo Vilas, der seine Karriere 1989 nach insgesamt 49 Turniersiegen auf Asche in Roland Garros beendete.

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