Angelique Kerber: Glücklos am Bosporus
Die Kielerin verlor alle ihre drei Partien bei der Tennis-WM in Istanbul. mehr
Gewohntes Bild im Jahr 2012: Angelique Kerber in Jubelpose.
Vor genau 360 Tagen startete Angelique Kerber im neuseeländischen Auckland ihre bisher erfolgreichste Saison, die sie sensationell auf Rang fünf der Weltrangliste beendete. Am anderen Ende der Welt, dieses Mal im australischen Brisbane, nimmt für die Kielerin am Sonntag das Tennis-Jahr 2013 seinen Anfang. Und auch oder gerade weil nun alles ganz anders ist, schaut die 24-Jährige optimistisch in die Zukunft. "In Brisbane angekommen! Bereit, die neue Saison zu beginnen", schrieb Kerber am Sonnabend bei "Facebook". Nun tritt sie nicht mehr als Jägerin, sondern in den meisten Partien als Gejagte an. Vor ihrer Abreise hatte sie in einem Interview betont: "Die Rolle macht mir keine Angst. Der Druck ist natürlich da, aber ich bin heiß darauf zu beweisen, dass ich es noch besser kann."
Im vergangenen Jahr gewann Deutschlands Nummer eins zwei Turniere (Paris sowie Kopenhagen) und erreichte zudem sechsmal das Halbfinale. Darunter die Spiele zu Saisonbeginn in Auckland und beim Grand Slam in Wimbledon. Bei den Olympischen Spielen in London kam sie bis in die Runde der letzten Acht. In negativer Erinnerung könnten lediglich die WTA-Championships zum Jahresende bleiben, als Kerber alle drei Einzelpartien verlor. Doch auch von der WM am Bosporus nahm sie das Positive mit: "Ich war so glücklich, hier zu sein und nehme so viele gute Erfahrungen mit."
Die Kielerin Angelique Kerber mit Trainer Torben Beltz während einer Einheit.
Viel Zeit, um über das Scheitern nachzudenken, hatte sie jedoch ohnehin nicht, gerade einmal zweieinhalb Wochen lagen zwischen dem WM-Aus und dem erneuten Trainingsstart. "Die Pause war vielleicht ein paar Tage zu kurz. Aber während meines achttägien Urlaubs auf den Malediven konnte ich komplett abschalten. Ich hatte keinen Schläger dabei und habe gar nicht an Tennis gedacht", meinte die gebürtige Bremerin. Im Training, mit dem sie in Polen begann, feilte die Linkshänderin vor allem an ihrem Aufschlag, aber auch am besseren Angriff und weiter an ihrer Fitness, die wohl die Hauptgrund für die Leistungsexplosion 2012 war. Schon im Februar sprang sie unter die Top 20, im Mai in die Top Ten und Rang fünf hatte sie erstmals am 22. Oktober inne. Nicht von ungefähr sagte Kerber nun: "Es sind überwiegend Kleinigkeiten, an denen wir feilen, aber nicht das eine Große, was wir umkrempeln wollten."
Den Druck der Öffentlichkeit, den ersten Grand Slam seit Steffi Graf zu gewinnen oder die Nummer eins zu werden, nimmt sie wahr. An sich heran lässt ihn die Schleswig-Holsteinerin allerdings nicht: "Es kommt, wenn es kommen soll. Wichtig ist, dass ich mich auf mich konzentriere und es schaffe, konstant meine Leistung abzurufen. Ich nehme mir natürlich vor, irgendwann mal etwas Großes zu reißen. Wenn ich mir aber selbst zu viel Druck mache, kann ich gleich zu Hause bleiben."
Angelique Kerber bedankt sich bei der Wahl zur "Sportlerin des Jahres".
Über die neue Situation, als Nummer fünf der Welt ins Jahr zu starten, hat sie allerdings bereits mit ihrem Mentaltrainer Holger Fischer gesprochen. Auch wenn "es jetzt nicht das ganz große Thema war. Wir haben darüber geredet, damit ich weiß, wie ich damit umgehen soll. Aber das Einzige, was passieren kann, ist, dass ich mir selbst im Weg stehe." Damit das nicht geschieht, will sie auf ihrem Erfahrungsschatz aufbauen. Dazu gehört auch ihr zweiter Platz bei der Wahl zur "Sportlerin des Jahres" in Baden-Baden. Bei ihren Zielen für 2013, die sie nicht an einem Platz festmacht, bleibt sie dennoch bescheiden: "Ich habe 2012 sehr viel erlebt und gelernt. Ich nehme die Herausforderung an, und dann schauen wir mal, was am Ende dabei herauskommt. Ich werde von Anfang an eine Gejagte sein."