Wroblewski: "Die Situation ist vertrackt"
Der Geschäftsführer über die Insolvenz der Hannover Indians und einen möglichen Neuanfang.
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Prügelei beim Testspiel Hannover Indians - Scorpions. (Archivbild)
So wie bisher kann es nicht weitergehen im Profi-Eishockey in Hannover. Darüber sind sich eigentlich alle handelnden Personen einig. Doch dieser Erkenntnis wird wohl nicht eine Lösung folgen, die die Probleme löst. Zu groß sind die Widerstände, zu unterschiedlich die betroffenen Vereine Hannover Scorpions und Hannover Indians. Letzterer ist - wieder einmal - insolvent und steht als Absteiger aus der Zweiten Bundesliga fest. Ende April wird das Insolvenzverfahren eröffnet. Ob der Club dann unter neuem Namen spielt und in welcher Liga er in der kommenden Saison antreten wird, ist noch unklar.
Auf der anderen Seite stehen die Scorpions, die in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) spielen, aber noch immer von vielen Eishockey-Fans in Hannover als "Dorfclub" und "Retortenverein" abgelehnt werden. Grund: Die Scorpions zogen 2001 auf Initiative von Hallenbetreiber Günter Papenburg aus ihrer Heimat Wedemark in die Arena auf dem Expo-Gelände. Auf eigenen Füßen steht der Meister von 2009 jedoch nicht. Das Zuschauerinteresse hält sich in Grenzen. In der abgelaufenen DEL-Hauptrunde kamen im Schnitt lediglich 3.114 Fans zu den Heimspielen. Immer wieder muss Papenburg als Gesellschafter Finanzlöcher stopfen. Warum arbeiten die beiden Clubs nicht zusammen? Wäre eine Fusion nicht die sinnvollste Lösung?
Das Eisstadion am Pferdeturm in Hannover.
"Für eine Fusion besteht kein Raum. Selbst Kooperationen sind sehr schwierig", hat Indians-Insolvenzverwalter Rainer Eckert erkannt. Vor allem die zahlreichen Fans des Zweitliga-Absteigers wollen nicht aus ihrer geliebten Eishalle am Pferdeturm ausziehen, auch wenn das Stadion marode und nicht profitabel ist. "Der Turm bietet keine Möglichkeiten im Bereich Hospitality, Sponsorenbetreuung, die man braucht, um Zusatzeinnahmen in adäquater Höhe zu generieren", beschreibt Indians-Geschäftsführer Dirk Wroblewski die Situation im Sportclub-Interview: "Wenn man hier Profi-Sport betreiben will, muss man etwas ändern. Spitzensport braucht eine andere Perspektive als den Pferdeturm." Gespräche über eine Zusammenarbeit mit den Scorpions habe es über Jahre gegeben, "aber anscheinend möchte das keiner", resümiert Wroblewski.
Scorpions-Sportdirektor Marco Stichnoth.
Auch Scorpions-Sportdirektor Marco Stichnoth glaubt nicht, dass die beiden Stadtrivalen noch zusammenkommen werden. "Ich kann jeden von außerhalb verstehen, der mit dem Kopf schüttelt, weil das nicht normal ist, was wir hier veranstalten", sagt Stichnoth über die Situation in Hannover und betont deshalb: "Wir werden unseren eigenen Weg gehen. Dafür sind wir stark genug." Eigentlich sollte am vergangenen Freitag ein Freundschaftsspiel zwischen den Scorpions und Indians ein Signal für eine positive Zukunft setzen. Der Zweitligist sagte die Partie allerdings kurzfristig ab, offiziell wegen Verletzungssorgen. Es ist jedoch ein offenes Geheimnis, dass die Indians-Fans gegen die Veranstaltung in der Arena der Scorpions massiv opponierten. "Leider ist die andere Seite sehr Fan-gesteuert", meint Stichnoth.
Nach turbulenten Tagen bleiben also Vorwürfe, Enttäuschungen und die Frage: Gibt es eine Zukunft für das Profi-Eishockey in Hannover? "Eishockey ist ein schwieriges Umfeld. Aber wenn es funktionieren soll, dann nur mit einem Profi-Verein", gibt Insolvenzverwalter Eckert zu bedenken, der zu seinem Bedauern "keine aktuellen Ansätze" für weitere Gespräche oder Verhandlungen zwischen den Indians und den Scorpions sieht: "Ich kann verstehen, dass das ein sehr emotionales Thema ist. Im Ergebnis sollte aber eigentlich die Vernunft siegen." Auch Wroblewski Fazit macht wenig Hoffnung: "Die Situation ist vertrackt. Es ähnelt der Quadratur des Kreises, hier etwas auf die Beine zu stellen."