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Tommy Haas: Das Stehaufmännchen

von Matthias Heidrich, NDR.de

Tennisprofi Tommy Haas © imago/GEPA pictures Detailansicht des Bildes 35 Jahre alt, aber kein bisschen müde: Tennisprofi Tommy Haas. Es ist nicht lange her, da war Tommy Haas ein Niemand. Zumindest laut der ATP-Weltrangliste, die jeden Montag fein säuberlich die besten Tennisspieler dieser Welt auflistet. Der gebürtige Hamburger tauchte in dem Ranking nicht mehr auf. Im Juni 2011 meldete sich die ehemalige Nummer zwei (2002) nach einer Hüftoperation und über einem Jahr Pause auf der Tour zurück und musste wieder einmal bei null anfangen. Damals schon stolze 33 Jahre alt, trauten ihm wohl nicht mehr viele den Weg zurück in die Weltelite zu. Er selbst zweifelte auch: "Es gab viele Momente, in denen ich gedacht habe, dass ich es nicht zurückschaffe." Doch Haas strafte sich selbst und die Experten Lügen. Er stieg auf Position 896 ein und arbeitete sich kontinuierlich zurück in die Weltspitze. Im Februar gelang ihm wieder der Sprung unter die Top 20 der Welt. Der 35-Jährige avancierte damit wieder zur deutschen Nummer eins vor Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer.

"Es ist ein Segen, immer noch dabei zu sein"

Tennisprofi Tommy Haas am Hamburger Rothenbaum. © picture alliance / dpa Fotograf: Angelika Warmuth Detailansicht des Bildes In seiner Heimatstadt Hamburg zog Haas 2012 überraschend ins Finale ein. Bereits im vergangenen Jahr wurde der Rechtshänder von seinen Profikollegen zum "Comeback-Spieler des Jahres" gewählt. Und wer dachte, die starke Saison 2012, unter anderem mit dem Turniersieg in Halle gegen Roger Federer und dem Finaleinzug in seiner Heimatstadt Hamburg, wäre nur noch ein kleines Strohfeuer des Routiniers gewesen, sieht sich getäuscht. "Es ist ein Segen, immer noch dabei zu sein und Tennis auf diesem Niveau spielen zu können. Das Gefühl, auf diesem Level zu gewinnen, ist immer noch einzigartig", sagt er. Dass sein Aufwärmprogramm bisweilen länger dauert als manche Matches, nimmt Haas gerne in Kauf.

Kampf gegen Gegner und den eigenen Körper

Die Liste der Verletzungen, die er in seiner seit 1996 laufenden Profikarriere wegstecken musste, ist lang, sehr lang. Eigentlich kämpft Haas bereits seit Jahren nicht nur gegen seine Gegner auf dem Tenniscourt, sondern auch gegen seinen Körper. Dass er sich auf beeindruckende Comebacks versteht, bewies er schon einmal. Die Saison 2003 verpasste er wegen anhaltender Schulterprobleme und drei Operationen komplett. Im Februar 2004 kehrte er nach einer rekordverdächtigen Verletzungspause von 476 Tagen auf die ATP-Tour zurück. Zwei Monate später stand er in Houston im Finale. "Wenn ich den Schläger wirklich an die Wand gehängt habe und darüber nachdenke, was ich alles erreicht habe, werden meine Comebacks sicher ein Punkt sein, der mich mit dem meisten Stolz erfüllt", sagt der Hamburger. Haas ist das Stehaufmännchen des Tennis-Zirkus.

Valentina lässt die Strapazen vergessen

Tennisprofi Tommy Haas (r.) mit seiner Frau Sara Foster und Töchterchen Valentina © dpa Fotograf: Ursula Düren Detailansicht des Bildes Tommy Haas (r.) mit seiner Frau Sara Foster und Töchterchen Valentina. Aber was treibt den ältesten Spieler der Top 50 überhaupt noch an? Das Geld kann es eigentlich nicht sein. In seiner Karriere hat Haas allein an Preisgeldern über elf Millionen US-Dollar gewonnen. Den Sieg bei einem Grand-Slam wird er wohl auch nicht mehr schaffen, das weiß er selbst. Es klingt ein bisschen Hollywood-reif, aber der Wahl-Amerikaner, der seit 2010 neben der deutschen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, tut sich die Strapazen der ATP-Tour neben der Liebe zum Tennissport vor allem wegen Valentina an. Die gemeinsame Tochter des Deutschen und der Schauspielerin Sara Foster kam im November 2010 auf die Welt. "Ich wollte immer, dass mich Valentina spielen sieht und sich daran erinnert", sagt Haas. Mit mittlerweile zweieinhalb Jahren ist die Kleine schon fast so weit.

"Das Alter ist nur eine Nummer"

Als Haas beim Masters in Miami zum Höhenflug ansetzte, sensationell den Weltranglistenersten Novak Djokovic bezwang und erst im Halbfinale an David Ferrer scheiterte, war Valentina immer dabei. Nach dem Sieg gegen den "Djoker" trug Haas seine kleine Tochter auf den Händen über den Centre Court und wirkte wie der glücklichste Mensch auf Erden. Die Saison 2014 war für den gebürtigen Hamburger ohnehin fest eingeplant. Dann fiel die Entscheidung, dass Turnier in Stuttgart ab 2015 zum Rasenevent vor Wimbledon zu machen. Haas' Reaktion: "Es ist definitiv ein Ziel von mir, in zwei Jahren beim MercedesCup auf Rasen zu spielen." Dann wäre der nimmermüde Filzkugel-Fetischist 37. Für Haas kein Grund seine Pläne in Frage zu stellen: "Das Alter ist nur eine Nummer, und ich habe immer noch den gleichen Ehrgeiz wie früher."

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Tommy Hass in Los Angeles. © NDR
 
Video

Er ist wieder dabei: Tommy Haas

23.04.2013 | 18:45 Uhr
NDR Fernsehen: DAS!

Tennisprofi Tommy Haas will zurück auf die Tennisplätze dieser Welt.

Video starten (03:15 min)
Weitere Informationen
Tommy Haas © dpa Fotograf: Rhona Wise / EPA
 

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