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Team-WM: Ein wenig Darts und ganz viel Spaß

von Hanno Bode, NDR.de

Dartsspieler Phil Taylor © NDR.de Fotograf: Hanno Bode Detailansicht des Bildes Der etwas andere Superstar: Darts-Ikone Phil Taylor. Da steht Phil Taylor nun also. Neben ihm zwei Bodyguards und eine langbeinige Blondine, vor ihm ein Kamerateam und in seinem Rücken johlende Fans, die für einen Handschlag mit der Dartslegende vermutlich ein Monatsgehalt zahlen würden. Taylor ist ein ziemlich kleiner Mann mit einem ziemlich dicken Bauch. Er hat schütteres Haar, faltige Haut und auf seinen Armen ein paar bunte Tattoos. Sonderlich charismatisch wirkt der 51-jährige Engländer auch nicht. Superstars sehen irgendwie anders aus. Und doch versetzen seine Auftritte immer wieder Menschenmassen förmlich in Ekstase. So auch am Wochenende in Hamburg. Wann immer Taylor bei der Team-WM auf die Bühne geführt wird, steigt die Dezibelzahl in der Alsterdorfer Sporthalle. Die Fans stimmen Gesänge an, wie sie sonst nur in Fußballstadien zu hören sind. Zuweilen liegen sich nach gelungenen Aktionen des 15-maligen Einzelweltmeisters wildfremde Menschen in den Armen. Und Taylor? Der wirft in dieser bierseligen Atmosphäre drei Tage lang seine Pfeile in die Scheibe, als sei es die leichteste Übung auf der Welt. Am Ende steht er gemeinsam mit Adrian Lewis erwartungsgemäß ganz oben auf dem Podest.

"Die Deutschen werden immer besser"

Taylor ist den Erwartungen gerecht geworden. Seinen eigenen, weil er die Trophäe holte, die ihm noch in seiner Titelsammlung fehlte. Und denen des veranstaltenden Verbandes, der Professional Darts Corporation (PDC), der den Sport in Deutschland populärer und salonfähiger machen möchte. Dafür braucht es einen Helden wie Taylor, der seine Karriere der Legende nach in einer Kneipe begann, mit dem Sport reich wurde und heute ein bürgerliches Leben führt. Taylor vereint Abenteuer und Seriosität. Er ist das perfekte Zugpferd für die PDC, um den Markt in Deutschland weiter zu erschließen. Und deshalb wurde der 51 Jahre alte vierfache Familienvater vor Turnierbeginn von Interview zu Interview gescheucht. In diesen Gesprächsrunden hat "The Power" - so sein Spitzname - dem WM-Gastgeber dann professionell geschmeichelt. "Die Deutschen werden immer besser. Ich denke, es wird schon bald einen deutschen Weltmeister geben", meinte er beispielsweise und fügte mit Blick auf seinen eigenen Status nicht ohne Stolz an: "'Wichtig ist, dass es Idole gibt.'"

Feiernde Fans - frustrierte Gastgeber

Zuschauer der Mannschafts-WM im Darts © NDR.de Fotograf: Hanno Bode Detailansicht des Bildes Etliche Zuschauer der Darts-WM schlüpften in bunte Kostüme. Jyhan Artut könnte so ein Vorbild sein. Der Hannoveraner tritt in Hamburg gemeinsam mit Bernd Roith (Tübingen) an. Der 35-Jährige bringt eigentlich alles mit, um ein Großer der bunten Szene zu werden. Er hat Talent, Ausstrahlung und enorme Willensstärke. Doch ausgerechnet vor heimischer Kulisse versagen Artut die Nerven. Im entscheidenden Doppel gegen die USA patzt er. Das Spiel geht mit 1:3 verloren und der Traum vom Viertelfinal-Duell mit Taylor und England platzt. "Ich bin total sauer auf mich. Wir haben so gut gespielt. Und dann fehlt im entscheidenden Moment eben das Quäntchen", schimpft der Niedersachse. Der Stimmung in der Halle tut das Scheitern des deutschen Duos keinen Abbruch. Ein zumindest nicht unbeträchtlicher Teil der überwiegend jungen Zuschauer scheint ohnehin primär des Feierns wegen hier zu sein. Das Bier fließt in Strömen durch die Kehlen der Fans, die sich teils in bunte Kostüme geworfen haben. Es darf gegrölt werden, was die Lunge hergibt. Die Szenerie erinnert unweigerlich an die Sechs-Tage-Rennen der Radprofis, bei denen der Sport für viele Besucher auch nur von sekundärer Bedeutung ist.

Zwei Siege im Finale gegen Australien

Dartsspieler Phil Taylor © NDR.de Fotograf: Hanno Bode Detailansicht des Bildes Phil Taylor führte England zum Sieg bei der Team-WM. Den Trubel auszublenden und den Fans gleichzeitig das Gefühl zu geben, dort unten bei ihnen zu sein, darin liegt das Geheimnis eines Champions, der auch zum Publikumsliebling taugt. Und keiner kann das besser als Taylor. Wenn sein Kontrahent am Zug ist, blickt er kurz in die Zuschauerränge und lächelt. Sekunden später fixiert der 51-Jährige wieder die Scheibe und wirft die Pfeile in eines der 20 Segmente. Seine Gegner behaupten voller Ehrfurcht, Taylor sei wie ein Computer. Doch das Denkmal fängt an, ein wenig zu bröckeln. Bei den vergangenen beiden Einzel-Weltmeisterschaften hieß der Sieger nicht Taylor, sondern Lewis. Und in Hamburg ist es auch der gerade einmal 27 Jahre alte Landsmann der Darts-Legende, der die Engländer vor dem vorzeitigen Aus bewahrt. Doch im Finale gegen Australien stiehlt Taylor seinem Thronfolger in spe die Show. Er gewinnt gegen Paul Nicholson sowie Simon Whitlock und trägt zwei Siege zum 4:3-Erfolg der Briten bei. "Ich bin über dem Mond. Dieser Sieg bedeutet mir viel", erklärt der 51-Jährige anschließend in blumiger Sprache. Der kleine Mann mit dem dicken Bauch ist auch ein großer Poet.

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