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Der Schweriner Boxer Jürgen Brähmer feierte ein gelungenes Comeback im Ring.
Blut. Überall Blut. Auf den Körpern der Boxer, dem blauen Ringboden, dem weißen Hemd des Schiedsrichters und auch auf dem Wertungszettel, auf dem vermerkt war, dass Jürgen Brähmer in seinem Kampf gegen den Spanier José Maria Guerrero nach Punkten deutlich führte. Der Halbschwergewichtler aus Schwerin hatte bei seinem Comeback nach 21-monatiger Pause Spuren hinterlassen. Solche, die vermuten ließen, der "Bad Boy" des deutschen Boxsports sei soeben aus einer martialischen Auseinandersetzung als Sieger hervorgegangen. Dem aber war nicht so. Einige wenige Wirkungstreffer hatten Brähmer genügt, um seinen hoffnungslos unterlegenen Kontrahenten schwer zuzurichten. Das linke Auge des spanischen Meisters war nach vier Runden derart zugeschwollen, dass der Referee das ungleiche Duell beendete. Brähmer streckte die Arme in die Höhe. Allerdings nur kurz. Und ein Siegerlächeln war im markanten Gesicht des früheren Weltmeisters auch nicht zu erkennen. Der 33-Jährige wirkte zufrieden, aber nicht wunschlos glücklich. "Für die kurze Vorbereitung war es eine sehr gelungene Leistung", befand der Schweriner, um dann jedoch selbstkritisch hinzuzufügen: "Noch bin ich aber nicht da, wo ich sein möchte."
Jürgen Brähmer (l.) machte kurzen Prozess mit José Maria Guerrero.
Brähmer will wieder ganz nach oben. Er will den Weltmeisterschafts-Titel zurück, dem ihn der Verband WBO aberkannte, weil er zwei Kämpfe aus Gesundheitsgründen hatte absagen müssen. "Ende des Jahres will ich um die WM kämpfen", sagte der Schweriner nach seinem erfolgreichen Comeback in Hamburg. Dem Rechtsausleger, der Guerrero kurioserweise primär mit der Linken bearbeitete, steht ein steiniger Weg bevor. Brähmer wird sich mit anderen, besseren Kontrahenten messen müssen, um den Gürtel zurückzubekommen. Das Duell mit dem Spanier besaß nur geringe Aussagekraft über seine wahre Leistungsstärke. Bei allen erstaunlichen Nehmerqualitäten, die der Iberer bewies, Guerrero war nicht mehr als ein Aufbaugegner. Im Boxjargon heißen diese mehr oder minder perspektivlosen Kämpfer "Fallobst".
Brähmers Coach Michael Timm durfte zufrieden sein mit dem Auftritt seines Schützlings.
An einem Erfolg Brähmers hatte es im Vorfeld des Abends im Ballsaal eines Hamburger Nobelhotels unter Experten ohnehin keine Zweifel gegeben. Spannender war die Frage, ob der Schweriner nach den monatelangen Streitigkeiten mit seinem Stall, der Universum Boxpromotion, mehr als Dienst nach Vorschrift leisten würde. Ein Ja war die Antwort. Der gebürtige Stralsunder wirkte bis in die Haarspitzen motiviert, war bemüht, das durchaus kritische Publikum durch leidenschaftliches Boxen auf seine Seite zu bekommen. Dass Brähmer dabei seine Deckung zuweilen vernachlässigte, fiel gegen den überforderten Spanier nicht ins Gewicht. Das Gros der 1.300 Zuschauer, die bis zu 279 Euro für eine Eintrittskarte bezahlt hatten, quittierte Brähmers kurzen Arbeitstag mit warmen Applaus.
Universum-Geschäftsführer Waldemar Kluch (r.) hofft auf einen WM-Kampf mit Brähmer.
Von den Sitzen indes riss der Kampf auch niemanden. Auch nicht Klaus-Peter Kohl. Der frühere Universum-Geschäftsführer hatte in zweiter Reihe Platz genommen und verfolgte das Comeback des Schweriners emotionslos. Kohls Verhältnis zu Brähmer verdient diesen Namen schon lange nicht mehr. Zwischen beiden herrscht Eiszeit, nachdem der ehemalige Promoter dem Halbschwergewichtler vorgeworfen hatte, sich vor Kämpfen gedrückt zu haben. Ein Ausscheiden Brähmers aus der inzwischen überwiegend russischen Universum-Familie schien unausweichlich. Doch Kohl-Nachfolger Waldemar Kluch gelang es, das einstige "Jahrhundert-Talent" zum Bleiben zu überreden. "Er ist ein echter Typ, der dem Boxen guttut. Jürgen muss Vertrauen spüren. Das war zuletzt nicht mehr so, doch das ist abgehakt. Wir starten noch einmal gemeinsam durch und wollen noch in 2012 eine WM mit ihm veranstalten", erklärte Kluch. Der Anfang ist gemacht und das Feuer in Brähmer neu entfacht. "Ich hoffe, so schnell wie möglich wieder zu boxen - dann noch fitter und noch agiler", sagte Brähmer. Er hat im wahrsten Sinne des Wortes Blut geleckt...