Stand: 21.03.2016 13:39 Uhr

Zwei Seilspringerinnen aus Leer fahren zur WM

Die Aufregung ist groß: Zwei Rope Skipperinnen des TV Leer dürfen Ende Juli zur Weltmeisterschaft nach Schweden fahren. Die beiden 18-Jährigen Olivia Meyer und Linda Schneider haben sich am Wochenende über eine hohe Punktzahl in der Einzeldisziplin "Pair Freestyle" bei der Deutschen Meisterschaft in Lüneburg qualifiziert. Das Ticket zur WM kam überraschend, denn die Seilspringerinnen waren in der Gesamtwertung nicht auf einem der ersten drei Plätze gelandet. "Für die WM-Qualifikation hat es vermutlich nicht gereicht", sagte Katja Meyer, die Trainerin der Rope Skipperinnen vom TV Leer noch am Montagmorgen NDR.de. Heute Mittag dann die Überraschung: Nachdem die Punkte für die Einzeldisziplinen bekanntgegeben wurden, war klar - Die zwei jungen Frauen aus Leer werden bei der WM um den Titel im Synchronspringen kämpfen.

Drei Sportlerinnen beim Ropeskipping in einer Turnhalle. © NDR

Highspeed-Artistik mit dem Springseil

Bis zu 80 Bodenberührungen schaffen die Rope Skipperinnen des TV Leer in den Speed-Disziplinen. Neben Geschwindigkeit zählt aber auch die Kreativität beim Freestyle.

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Artistische Darbietung auf höchstem Niveau

Bei Seilspringen denken die meisten ja eigentlich an eine Pausenbeschäftigung auf dem Schulhof. Das, was die Rope Skipperinnen vom TV Leer auf den Hallenboden zaubern, hat damit allerdings nur wenig zu tun. Blitzschnelle Sprungkombinationen, Handstände und Radwenden über dem Seil - das Programm ähnelt eher einer artistischen Darbietung auf höchstem Niveau. Mittlerweile gehören die 15- bis 18-jährigen Mädchen zu den besten Springerinnen im ganzen Land.

Springerinnen wollen Reise nach Schweden buchen

Um das ersehnte Ticket nach Malmö zu ergattern, hatte sich das Team akribisch vorbereitet. "Wir haben in den vergangenen Wochen extrem viel trainiert, waren fast jeden Tag in der Halle", erzählte die 18-jährige Annika Hanken im Gespräch mit NDR.de. "Ich hoffe einfach, dass unsere ganzen Bemühungen belohnt werden und wir uns für die WM qualifizieren." Auch Trainerin Katja Meyer hatte die WM-Teilnahme als großes Ziel für diese Saison ausgegeben. "Das wäre das erste Mal, dass wir das schaffen. Darüber würden wir uns unglaublich freuen", sagt sie. Vor zwei Jahren waren die Leeranerinnen schon einmal ganz dicht dran gewesen. Damals hatten ihnen nur wenige Punkte gefehlt, um sich für die Titelkämpfe in Hongkong zu qualifizieren.

Mischung aus Tempo und Kreativität

Die Wettbewerbe setzten sich aus den Speed-Disziplinen und einer Kür, dem sogenannten Freestyle, zusammen. Beim Speed geht es einzig und allein um Schnelligkeit: In 30 Sekunden müssen die Sportlerinnen möglichst viele Bodenkontakte schaffen. Dabei werden verschiedene Sprungarten mit Fachbegriffen wie "Double Dutch" (zwei Seile gleichzeitig) oder "Double Under" (zwei Durchschläge pro Sprung) absolviert.

Turnerische Elemente in der Kür

Deutlich komplexer sind die Freestyle-Übungen. In diesem Teil des Wettbewerbs präsentierten die Springerinnen mehrere Choreografien mit möglichst vielen turnerischen Elementen wie Handständen, Radwenden oder sogar Salti. "Ganz wichtig ist, dass die Bewegungen synchron sind und zum Takt der Musik passen", sagte Trainerin Meyer. "Ansonsten gibt es Punktabzüge." Wie beim Eiskunstlauf vergeben die zehn Kampfrichter zwei Noten - eine für die Schwierigkeit der Übung und eine für die künstlerische Ausführung.

Hartes Training für das Ticket nach Schweden

Ein Film gibt den Anstoß

Die meisten der Mädchen der Rope Skipperinnen vom TV Leer sind bereits seit 2008 mit dem Seil aktiv und haben Leer in dieser Zeit zu einer Hochburg des Rope Skipping gemacht. Dabei waren die Anfänge eher zufällig: Trainerin Katja Meyer wollte nach jahrelangem Turn-Training einfach mal etwas Neues ausprobieren. "Im Sommer vor acht Jahren habe ich dann den amerikanischen Film 'Jump In' gesehen und war sofort Feuer und Flamme", erinnerte sie sich. Meyer sprach daraufhin ihre Nachwuchs-Turnerinnen an und fast alle wollten mitmachen.

Springerinnen verbessern sich rasant

Zunächst stand allerdings eine große Frage im Raum: Wie geht Rope Skipping eigentlich? "Wir wussten von nichts und haben einfach auf gut Glück begonnen", sagte Meyer. Die Trainerin kaufte sich Fachbücher und studierte jede Menge Videos im Internet. "Am Anfang sind wir sogar mal zu den Deutschen Meisterschaften gefahren, einfach nur um zu gucken, was die anderen so draufhaben." Der Aufwand wurde schnell belohnt: Meyers Springerinnen machten rasante Fortschritte und qualifizierten sich bereits 2012 zum ersten Mal selbst für die nationalen Titelkämpfe.

Weitere Informationen

Mit dem Seil zur WM nach Hongkong

15 Mädchen aus Lüneburg sind bei der Weltmeisterschaft im Rope Skipping dabei, die in diesem Jahr in Hongkong stattfindet. Rope Skipping ist übrigens nicht gleich Seilspringen. (22.07.2014) mehr