Stand: 03.10.2015 01:01 Uhr

Kentikian gewinnt "Schlacht" und bleibt Weltmeisterin

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Susi Kentikian (l.) musste über zehn Runden gehen.

Comeback geglückt: Mit einem einstimmigen Punktsieg (97:94, 98:92, 97:93) gegen die Mexikanerin Susana Cruz Perez hat Profi-Boxerin Susi Kentikian ihren WBA-Titel im Fliegengewicht erfolgreich verteidigt und sich damit zugleich den vakanten WIBF-Gürtel gesichert, den sie zwischen 2007 und 2012 schon einmal besessen hatte. Die 28 Jahre alte "Killer Queen" aus Hamburg begeisterte mit ihrem ungestümen und draufgängerischen Stil die 2.500 Zuschauer in der Inselparkhalle in Hamburg-Wilhelmsburg, allerdings war ihr die knapp einjährige Pause anzumerken. Am Ende musste sie für den 35. Sieg im 38. Profi-Kampf über zehn Runden gehen.

"Das war im wahrsten Sinne des Wortes eine Schlacht. Meine Gegnerin hat bis zur letzten Runde gefightet, damit habe ich ehrlich nicht gerechnet", sagte Kentikian. Mit ihrem früheren Amateur-Coach Frank Rieth und Ex-Profi Artur Grigorian, der sie in der Ringecke betreute, peilt sie nun weitere ehrgeizige Ziele an: In den kommenden zwei Jahren will sie noch die WM-Gürtel der Verbände WBC und WBO in ihren Besitz bringen.

Schrecksekunde in der zweiten Runde

Die Kapuze ihres glänzenden Boxmantels über den Kopf gezogen und voller Vorfreude war das 1,55 große Kraftpaket zu der von Panikrocker Udo Lindenberg komponierten Einlaufmusik zum Ring marschiert. In ihrem ersten Kampf nach langer Zeit, bei dem die gebürtige Armenierin erstmals auch als Promoterin fungierte, nahm sie sofort das Zepter in die Hand. Sie agierte deutlich explosiver als ihre Gegnerin, die es bis dahin in 23 Kämpfen auf 17 Siege gebracht hatte. Allerdings wurde sie von der Mexikanerin häufig in den Nahkampf gezwungen. Eine Schrecksekunde gab es in der zweiten Runde, als Kentikian bei einem Kopfstoß einen Cut am rechten Auge davontrug. Die blutende Wunde wurde in der Pause versorgt.

"Ich möchte keine lange Pause mehr"

Mit Wut im Bauch wollte Kentikian, die schon 17 K.o.-Siege auf ihrem Konto hat, in Runde drei den Kampf beenden. Doch Perez überstand die wütende Attacke und auch die folgenden sieben Runden. Die Mexikanerin spürte, dass der immer wieder aufplatzende Cut Kentikian beeinträchtigte. Doch Perez' Kräfte schwanden sichtlich, und Kentikian musste ihren Punkte-Vorsprung eigentlich nur noch über die Zeit bringen. Das gelang ihr, und nach dem letzten Gong riss sie siegessicher die Arme in die Höhe. Sie wusste: Der Fight war gewonnen, und sie konnte sie sich vor den Augen ihres großen Vorbilds Regina Halmich wieder als Weltmeisterin feiern lassen.

Erste Lehren aus der nächtlichen Schwerstarbeit

Ihren nächsten Kampf will Kentikian noch in diesem Jahr organisieren. Das ist die Lehre aus der nächtlichen Schwerstarbeit. "Ich möchte keine lange Pause mehr. Das tut mir nicht gut", konstatierte sie. Optimieren will sie zudem den Umgang mit ihrer unternehmerischen Selbstständigkeit. Die Doppelbelastung forderte diesmal ihren Tribut: "Die Vorbereitung war nicht so, wie sie hätte sein sollen", gestand die 1,55 Meter große Athletin, die die Veranstaltung mit neun Kämpfen im Vorprogramm als Promoterin selbst organisiert hatte. Da blieb für den eigenen Feinschliff wenig Zeit.

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