Stand: 22.12.2014 16:30 Uhr  | Archiv

Trauer um Box-Trainer Fritz Sdunek

Der deutsche Sport trauert um einen seiner erfolgreichsten Trainer. Fritz Sdunek, der mehrere Boxer zu Weltmeister-Titeln führte, ist am Montag im Alter von 67 Jahren verstorben. Der am 18. April 1947 in Lüssow/Vorpommern geborene Sdunek erlag in einem Hamburger Krankenhaus den Folgen einer Herzattacke. Dies teilte Thomas Pütz, der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer, mit. "Ich bin total schockiert. Damit geht der Boxwelt eine große Persönlichkeit verloren", sagte Pütz. Sdunek hatte in seiner langen Laufbahn unter anderem Wladimir und Vitali Klitschko, Dariusz Michalczewski und Felix Sturm betreut. Er hinterlässt Ehefrau Carola und drei Kinder.

Fritz Sdunek: Ein Leben am Boxring

Sturm und Michalczewski geschockt

Die früheren Schützlinge von Sdunek reagierten geschockt auf den Tod ihres Coaches. "Ich weine und bin schockiert. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Das Boxen hat ihn am Leben gehalten. Wir waren beste Freunde und Partner. Er war wie ein Vater für mich. Wir waren sozusagen verheiratet", erklärte Michalczewski dem "Kölner Express". Felix Sturm, der mit Sdunek bis zum vergangenen September zusammenarbeitete, "twitterte": "Worte können meinen Schmerz nicht ausdrücken. Fritz, ich werde dich nie vergessen." Laut seines Managers Roland Bebak habe Sdunek die Herzattacke auf Gran Canaria erlitten. Von der kanarischen Insel sei der Coach dann nach Hamburg transportiert worden. Dort verstarb Sdunek in einer Klinik. Er hatte seit Jahren mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

Gesundheitliche Probleme seit einigen Jahren

2007 war bei ihm eine Hautkrebserkrankung diagnostiziert worden. In seiner Biografie: "Durchgeboxt - mein Leben am Ring", beschrieb Sdunek, wie er den wichtigsten Kampf seines Lebens fast aufgegeben hätte: "Ich wollte niemandem zumuten, mich als Pflegefall durchschleppen zu müssen. Und da habe ich natürlich darüber nachgedacht, mit meinem Leben, wenn der Krebs nicht heilbar gewesen wäre, Schluss zu machen." Am Ende besiegte er die Krankheit zwar. Doch seine Kräfte ließen zusehends nach. "Ich muss auch auf mich aufpassen. Vor allem auf meine Gesundheit. Ich bin auch nicht mehr der Jüngste. Meine innere Stimme sagte: 'Fritz, mach Schluss mit Felix, mach den Stress nicht mehr mit", erklärte Sdunek nach der Trennung von Sturm vor gut drei Monaten.

Unzählige Erfolge im Osten und Westen

Sdunek war selbst ein guter Amateurboxer (120 Kämpfe/99 Siege), bevor er die Trainerlaufbahn einschlug. Als Coach fand er dann seine wahre Berufung. Auch aus Kämpfern mit limitierten technischen Mitteln formte Sdunek erfolgreiche Titelsammler. Einige seiner Schützlinge gewannen für die DDR Olympia-Gold, dem System wollte sich der Trainer aber nie anbiedern. So ließ er seine Boxer in der Sportschule heimlich die TV-Übertragungen von Kämpfen Muhammad Alis ansehen. Nach dem Mauerfall zog es ihn in den Westen. Sdunek wurde Coach bei Bayer Leverkusen, 1994 wechselte er zum Universum-Boxstall nach Hamburg. Dort betreute er unter anderem Michalczewski, die Klitschko-Brüder, Artur Grigorian und Juan Carlos Gomez. Zwölf seiner Schützlinge gewannen WM-Titel. Weil er für seine Athleten stets mehr als nur ein harter und gewissenhafter Trainer war, sondern auch ein väterlicher Freund, genoss er hohes Ansehen in der Boxerszene. So nannte Grigorian seinen Coach liebevoll "Papa Fritz".