Stand: 10.06.2017 09:00 Uhr

Trainer: Es fehlen Geld und Anerkennung

von Moritz Cassalette, NDR Hörfunk
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Detlef Uibel, Bundestrainer der Bahnrad-Sprinter.

2.960 Euro netto im Monat - so viel verdienen hauptamtliche Bundestrainer in Deutschland im Schnitt. Das geht aus einer noch nicht veröffentlichten Studie der Deutschen Sporthochschule in Köln hervor. "Ich fühle mich nicht wertgeschätzt", sagt Detlef Uibel, Bundestrainer der Bahnrad-Sprinter: "Wobei ich mich da nicht mit dem Fußball vergleichen will, das ist auch nicht unsere Ambition. Die meisten Trainer, die in diesen sogenannten Randsportarten arbeiten, sind Enthusiasten, sind Sportverrückte, und die machen es in erster Linie nicht wegen des Geldes. Aber wenn man mal den Aufwand sieht, dann will man das dementsprechend auch prämiert wissen. Und das fehlt ganz einfach in Deutschland, das ist unbefriedigend."

Viele Trainer sind bereits ins Ausland gewechselt, weil sie dort viel besser verdienen und bessere Bedingungen haben. "Da können wir nicht mithalten", sagt Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag: "Gehälter, wie sie beispielsweise in Katar oder in China bezahlt werden, werden wir in Deutschland nicht bezahlen. Das würde in keinem Verhältnis stehen."

Hilferuf von DOSB-Vizepräsident Bischof

Anfang des Jahres kam das Thema auch im Sportausschuss auf den Tisch. Was Ole Bischof der NDR Sportrecherche sagt, klingt fast schon wie ein Hilferuf. Der Judo-Olympiasieger von 2008 ist heute Vizepräsident im Deutschen Olympischen-Sportbund: "Liebe Bundestagsabgeordnete, nehmt euch dieses Problems an. Die Trainer brauchen mehr finanzielle Unterstützung. Das ist einer der Hauptkritikpunkte. Bewilligt uns hierfür mehr Fördermittel." Freitag entgegnet: "Das haben wir schon getan. Wir haben von Bundesseite in den vergangenen Jahren die finanziellen Mittel für Bundestrainer kontinuierlich erhöht. Manchmal nutzen das die Verbände allerdings, um neue Trainer einzustellen und nicht, um die vorhandenen besser zu bezahlen. Da haben wir dann wiederum keinen Einfluss drauf."

Dem Berufsverband der Trainer im deutschen Sport ist das Problem bekannt, wie deren Chefin Dafni Bouzikou betont: "Gleichzeitig muss man aber auch die Verbände ein bisschen in Schutz nehmen. Die wollen natürlich viele Angebote machen und deswegen setzen sie mehr Trainer ein. Da beißt sich die Katze ein bisschen in den Schwanz. Es müsste mehr Geld für die Trainerinnen und Trainer zur Verfügung gestellt werden."

290 hauptamtliche Bundestrainer in Deutschland

Doch ob es das vom Bund geben wird, ist fraglich. 290 hauptamtliche Bundestrainer werden zurzeit mit Steuergeldern bezahlt. Die angeschobene Reform der Sportförderung wird die Lage für die Trainer wohl auch nicht verbessern, glaubt Turn-Cheftrainerin Ulla Koch. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) verspricht das Gegenteil. Aber auch der Verband steht in der Kritik. Bahnrad-Bundestrainer Uibel findet deutliche Worte: "Was mich persönlich wirklich stört, ist, dass der DOSB nicht in der Lage ist, auch mal zu sagen: Okay, wir holen uns aus erfolgreichen Sportarten - und da zähle ich uns dazu - Leute zusammen und versuchen zu ermitteln: Wo drückt der Schuh, wo muss man die Stellschrauben anziehen, was ist eure Meinung? Ich bin jetzt 30 Jahre im Geschäft beim Bund Deutscher Radfahrer, ich habe noch nie ein Gespräch in diese Richtung geführt."

Und hierbei geht es nicht nur ums Geld - vielen Trainern fehlt die Anerkennung. Der Trainer-Beruf wird offiziell nicht als Beruf angesehen. Hinzu kommt, dass viele Übungsleiter immer wieder nur befristete Verträge bekommen. Kein Wunder, dass viele da nicht mehr mitmachen wollen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 09.06.2017 | 18:05 Uhr