Stand: 30.09.2017 10:15 Uhr

"Gemeinsam für Silja" - Der Kampf gegen Blutkrebs

von Andreas Bellinger, NDR.de

Gelitten, gekämpft und das Comeback im Hockey-Tor geschafft: Silja Paul hatte dem Blutkrebs mit Erfolg die Stirn geboten. So jedenfalls schien es im Frühjahr dieses Jahres. Der "Sonnenschein und Spaßvogel" der Bundesliga-Damen des Großflottbeker THGC war zurück im Leben. "Der Optimismus hatte sich kurz versteckt, aber ich habe ihn gesucht und wiedergefunden", sagte sie damals. Nur ihre raspelkurzen Haare erinnerten noch an die fünf Monate im Krankenhaus in Hamburg-Eppendorf, an die quälende Zeit der Chemotherapie und den Kampf ums Überleben. "Der Tod an sich war nie ein Gedanke", sagte die 19-Jährige und feierte im Februar mit dem Team ausgelassen ihr Abitur nach, das sie allein im Klinik-Zimmer geschafft hatte. Note: 1,8. "Was mein Team für mich getan hat, ist unbeschreiblich", sagte sie strahlend im Ballkleid. "Ohne sie wäre ich seelisch nicht so gut durchgekommen."

Silja Paul

Blutkrebs zurück: Silja Paul braucht Spender

Sportclub -

Silja Paul hatte im Kampf gegen den Blutkrebs schon einen Sieg verbucht, doch jetzt ist die Krankheit zurück. Die Hockey-Gemeinde macht mobil, um für die Hockey-Torfrau einen Stammzellenspender zu finden.

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Anfang September die bittere Diagnose: Die tückische Krankheit ist zurück. Das Positive: Auch dieses Mal kann Silja Paul auf ihre Mitspielerinnen zählen. Mit einer beispielhaften Aktion haben sich die Hockey-Damen des GTHGC auf die Suche nach einer Knochenmarkspende für ihre Mitspielerin gemacht.

Mutiger Kampf dem Schicksal

Es war nach einer dieser Kontroll-Untersuchungen, die jeden Monat Siljas "Gedankenkarussell" aufs Neue in Gang gesetzt hatten. "Irgendetwas stimmt nicht", hatte sie schon geahnt. Die niederschmetternde Diagnose, dass die Leukämie wieder ausgebrochen ist, traf sie trotzdem wie ein Keulenschlag. "Sie hat das Handy aus dem Fenster geworfen", erzählt Luzi Persiehl im NDR Sportclub. Die Großflottbeker Mitspielerinnen waren geschockt, aber wie Silja weit davon entfernt, den Kopf in den Sand zu stecken. "Am Anfang war es ganz schön schwer für Silja, aber jetzt hat sie die Nachricht akzeptiert und geht der Situation mutig entgegen", sagt Teamkollegin Sophie Fischer.

"Die komplette Hockey-Familie aktivieren"

Während Silja Paul im Krankenhaus um ihr Leben kämpft, haben die Mitspielerinnen eine Aktion mit dem Ziel gestartet, eine Knochenmarkspende zu finden, die ihr Leben retten könnte. "Sie braucht einen Spender, da gibt es keine Alternative", sagt Fischer. Der Verein aus dem Hamburger Westen kämpft mit und auch der Hockey-Bund sowie die Konkurrenz in Köln, Duisburg und sogar in den USA. "Wir wollen nichts unversucht lassen und die komplette Hockey-Familie aktivieren, damit wir in der wenigen Zeit, die wir haben, so viele Menschen wie möglich dazu bewegen, sich typisieren zu lassen", heißt es im Aufruf der Großflottbeker Mannschaft. "Wenn wir dabei nur halb so stark sind wie Silja, werden wir es auch schaffen."

Heute Aktion in Hamburg

Der Rückschlag ist besonders tragisch. Denn wenn eine Akute Myeloische Leukämie (AML) erneut ausbricht, hilft auch keine zweite Chemotherapie. Deshalb der Hilferuf der Mitspielerinnen. Unter anderem fand am 30. September im Hamburger Gymnasium Christianeum eine Typisierungsaktion statt. "Wir hoffen natürlich, dass sich möglichst viele Menschen registrieren lassen", sagt Persiehl. Dazu wurde tüchtig die Werbetrommel gerührt - auch auf dem Hockeyfeld. Der Schriftzug "Werdet Teil von Siljas Team. Gemeinsam gegen den Blutkrebs!" prangte am vergangenen Wochenende auch auf den Einspielleibchen der Großflottbeker Hockeyspieler und deren Gegner. Und auf dem Rücken der Hinweis auf die eigens eingerichtete Website www.siljapaul.de.

Silja will auch anderen helfen

Weitere Informationen

DKMS

Hier geht es zur Homepage der Deutschen Knochenmarkspenderdatei. extern

Die Registrierung durch die DKMS gemeinnützige GmbH (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei), die Stammzellen an Patienten vermittelt, kann Silja Paul retten, aber auch andere an Leukämie erkrankte Menschen. Fischer: "Das ist es auch, was Silja will: Sie möchte nicht nur sich selbst helfen, sondern auch den vielen anderen Patienten." Am 8. Oktober findet eine weitere Typisierungsaktion in Itzehoe (13 - 18 Uhr, Holstein-Center) statt. Wer möchte, kann sich auch ein Registrierungsset nach Hause schicken lassen.

Lebensmut bleibt ungebrochen

Silja Paul liegt wieder im Universitäts-Klinikum Eppendorf, und vielleicht denkt sie insgeheim an eine Rückkehr ins Bundesliga-Tor und träumt von Olympia. Gut so. Es ist ihre Motivation, die schwere Prüfung zu bestehen. "Es war wie Entzug, nicht mehr Hockey spielen zu können", sagte die einstige Jugendnationalspielerin nach der erfolgreichen ersten Runde im Kampf gegen den Blutkrebs. Auch jetzt sei ihr Lebensmut ungebrochen, berichten die Teamkolleginnen. "Sie meistert das alles bravourös", sagt Sophie Fischer und erinnert sich wehmütig: "Silja ist super lebensfroh und irgendwie auch verrückt. Aber Torleute sind ja immer etwas anders." Auch Luzi Persiehl klammert sich an die Erinnerung: "Sie ist eine totale Spaßkanone, versucht immer, dass alle glücklich sind und ist für alle da." Jetzt aber braucht Silja Paul Hilfe - und ganz schnell eine Knochenmarkspende.

Fünf Schritte zur Stammzellspende

1. Registrierung: Spender müssen 17 bis 55 Jahre alt sein. Wangenabstrich mit Wattestäbchen für die Analyse der Gewebemerkmale.

2. Prüfen der Gewerbemerkmale: Wenn die Gewebemerkmale zu denen eines Patienten passen, wird dies durch eine Blutprobe nochmals bestätigt. Weitere Blutwerte werden ermittelt.

3. Gesundheitsscheck: Nach einem gründlichen Gesundheitscheck und der Aufklärung durch einen Arzt steht der Stammzellspende nichts mehr im Wege - das endgültige Einverständnis des Spenders vorausgesetzt.

4.1 Periphere Stammzellentnahme: Bei 80% der Spenden ist dies ähnlich einer Blutspende. Im Vorfeld wird dem Spender der Wachstumsfaktor G-CSF verabreicht, danach können grippeähnliche Symptome auftreten. Langzeitnebenwirkungen sind nach heutigem Forschungsstand nicht bekannt.

4.2 Knochenmarkentnahme: Bei 20% aller Spenden wird unter Vollnarkose Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen. Nach der Entnahme kann für wenige Tage ein lokaler Wundschmerz entstehen - ähnlich dem einer Prellung. Das Risiko der Knochenmarkentnahme ist gering. Es beschränkt sich im Wesentlichen auf das Narkoserisiko.

5. Stammzelltransplantation: Wie bei einer Bluttransfusion werden die Stammzellen transplantiert. Sie nisten sich in den Knochenhohlräumen des Patienten ein und beginnen dort neue, gesunde Blutzellen zu bilden.

Quelle: DKMS

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 24.09.2017 | 22:35 Uhr

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