Stand: 04.02.2016 09:09 Uhr

Patrick Esume: American Dream eines Hamburgers

von Hannes Hilbrecht, NDR.de
Nordlicht und Football-Experte: Der Hamburger Patrick Esume will wieder in den USA arbeiten.

Mit einem Nachbarsjungen aus den USA fing alles an. Mitte der Achtzigerjahre in Hamburg-Altona. Der ältere Kumpel, damals ein Vorbild, wie Patrick Esume im Gespräch mit NDR.de sagt, brachte zum Toben ein braunes Lederei mit. Die Kumpels warfen sich den Football begeistert hin und her, während in Hamburg die meisten Jugendlichen den Ball mit dem Fuß spielten und von einer Karriere beim HSV träumten. Kurz darauf begann Esume, mit Freunden im Verein zu spielen. Was er damals nicht wusste: Es war der Anfang einer Karriere, in der er über ein Jahrzehnt später zum Footballprofi wurde. Nun will er als Trainer in die USA zurück.

Vom Defensivspezialisten zum Trainer

Wenn Esume über seine Anfänge im Football spricht, zeigt er ein breites Lächeln. "Damals war Football härter. Da gab es zwei auf den Helm und danach hatten die meisten keine Lust mehr. Football war schmerzhaft", erzählt er. Esume hat den harten Kampf in vielen Facetten miterlebt. Von 1992 bis 2000 spielte er für die in Hamburg Blue Devils, die später mehrfach Meister wurden und einen Football-Boom in der Hansestadt auslösten. Esume beeindruckte als Spieler in der Defensive und als Sportler mit einer schnellen Auffassungsgabe. Das komplexe Spiel verstand er rasch, seinen Mitspielern konnte er beim Verstehen helfen. Zu Esumes Glück wurde sein Talent als Coach erkannt. "Ohne die richtigen Trainer an meiner Seite wäre es für mich sicher anders gelaufen", sagt Esume. 

Rasanter Einstieg ins Trainergeschäft

Rasant stieg der heute 41-Jährige in die Trainer-Laufbahn ein, zunächst im Hamburger Amateursport, dann bei der Frankfurt Galaxy in der populären NFL-Europe, dem europäischen Ableger der National Football League. Nach drei Jahren am Main wurde Esume Chef der Special-Teams bei den neugegründeten Hamburg Sea Devils. Ein Jahr später folgte die Beförderung zum Offensivkoordinator. Einer seiner Schützlinge: Runningback John David Washington, der Sohn von Schauspieler Denzel Washington. 

Dass Esume momentan als Fernsehexperte NFL-Übertragungen begleitet, ist ihm im Gespräch anzumerken. Er spricht selbstsicher, die Öffentlichkeit scheint er zu mögen. Cool war der Hamburger in seiner Karriere aber nicht immer. Besonders der Job als Hamburgs Offensivkoordinator verlangte ihm alles ab. "Für mich war das alles neu. Ich konnte manchmal erst am Abend vorher die Spielzüge einsehen, die ich am nächsten Tag den Jungs vermitteln musste", sagt Esume. 

Große Chance und große Enttäuschung

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Bei den Hamburg Sea Devils trainierte Esume die Offensive und gewann den NFL-Europe-Titel

Als Trainer-Hospitant reiste er zu den Oakland Raiders, einem Kult-Footballteam der NFL, gelegen in der malerischen Bay-Area am Pazifik. War es beim ersten Mal ein intensives Kennenlernen, kehrte Esume ein Jahr später 2006 zurück und wurde im Trainingscamp Assistenz-Trainer. 2007 und 2008 zog es ihn zu den Cleveland Browns, 2009 zu den Philadelphia Eagles. Der in der NFL erfolgreiche Special-Team-Trainer Ted Daisher protegierte Esume und verhalf fast zu einem festen Job in Cleveland.

"Der Cheftrainer Romeo Crenell hat mich zu einem Gespräch gebeten. Ich dachte, ich hätte etwas falsch gemacht", erinnert sich Esume. In Wahrheit überraschten die Browns mit einem Angebot für die ganze Saison. Es war die große Chance, nutzen konnte er sie nicht. "Es wäre unmöglich gewesen, so schnell die Green Card (Anm. d. R. , Arbeitserlaubnis in den USA) zu organisieren", sagt Esume. Den Respekt der Football-Stars hatte er sich erarbeitet, doch die Bürokratie stoppte ihn. Er sagt: "Es kommt in der NFL nur auf deine Fähigkeiten an. Bist du gut und vertrauen dir die Spieler, ist es egal, wie du aussiehst und wo die herkommst."

Neuer Anlauf 2016?

Die Chance auf einen langfristigen Job in der NFL gab es für Esume danach nicht wieder, sein Fürsprecher Crenell hatte seinen Job in Cleveland verloren. Da die NFL-Europe inzwischen eingemottet wurde, musste Esume berufliche Abenteuer eingehen, um weiter im Football zu arbeiten. Als Cheftrainer ging er nach Paris und Kiel. Zurzeit trainiert er Frankreichs Football-Nationalteam. Doch Esume will mehr.

In diesem Jahr wird in den USA eine neue Football-Liga etabliert, sie soll die Nummer zwei hinter der NFL werden. Eine professionelle Ergänzung zur finanzstärksten Sportliga der Welt und ein Sprungbrett für talentierte Collegespieler, die noch zu unreif für die NFL sind. Vielleicht auch für einen Trainer aus Hamburg. Ein alter Bekannter Esumes wurde kürzlich zum Liga-Chef bestimmt. Im Frühjahr will Esume in die USA reisen. Er hofft auf eine zweite Chance.