Stand: 30.07.2017 21:34 Uhr

"Mayer-Finale" am Rothenbaum - Leonardo siegt

von Andreas Bellinger, NDR.de

Florian Mayer hat das "Duell der Namensvettern" verloren und seinen ersten Titel am Hamburger Rothenbaum knapp verpasst. Der Bayreuther unterlag am Sonntag im Finale des mit rund 1,5 Millionen Euro dotierten Sandplatz-Tennisturniers dem Argentinier Leonardo Mayer mit 4:6, 6:4, 3:6 und musste sich nach fast zwei Stunden Spielzeit mit einem Preisgeld von 158.420 Euro trösten. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen haderte der 33-jährige Deutsche vor allem mit seinem ersten Aufschlag, der ihm vor 7.000 Zuschauern einen Strich durch seinen Matchplan machte und dem Rothenbaum-Gewinner von 2014 aus Buenos Aires allein im ersten Satz zwei Breaks ermöglichte. Turnierdirektor Michael Stich, der in seiner Heimatstadt 1993 triumphierte, bleibt somit der letzte deutsche Rothenbaum-Sieger, nachdem auch Tommy Haas 2012 im Endspiel gegen einen Argentinier (Juan Monaco) verloren hatte.

"Hätte es Flo so sehr gegönnt"

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"Schade, dass es nicht geklappt hat", sagte Mayer noch auf dem roten Sand. "Und trotzdem war es ein super Turnier für mich." Leonardo habe unglaublich gespielt, vor allem nach einer so langen Verletzungszeit, meinte der faire Verlierer, der richtig stolz und überwältigt war, sein "Herz die Woche über auf dem Platz gelassen zu haben". Leonardo Mayer feierte den Titel mit seiner Frau und dem sechs Monate alten Söhnchen Valentino, der pünktlich zum Matchball aufgewacht war: "Ich freue mich schon, nächstes Jahr wirderzukommen." Stich ärgerte sich derweil, wieder keinen deutschen Sieger ehren zu können: "Ich hätte es Flo so sehr gegönnt. Ich will doch nicht noch mit 75 der letzte deutsche Turniersieger hier sein."

Zweiter Rothenbaum-Titel für Mayer

Aber der Bayer Mayer geriet im Vergleich der Nummer 101 (Florian Mayer) der ATP-Weltrangliste gegen die Nummer 138 (Leonardo Mayer) gleich zu Beginn des Matches in die Defensive. Nicht nur das Service schwächelte, sondern auch die bekannt unorthodoxen Schläge von der Grundlinie klappten nicht wie erhofft. Aggressiv hatte er spielen wollen - das allerdings verdarb ihm der Argentinier, der nach 2014 seinen zweiten Titel auf der ATP-Tour holte und dafür mit einem Preisgeldscheck über 323.145 Euro belohnt wurde. Dass zwei derart schlecht in der Weltrangliste postierte Spieler auf der ATP-Tour in einem Endspiel standen, gab es übrigens zuletzt 2013 in Bogota. Allerdings werden beide Spieler in der am Montag neuen Weltrangliste einen ordentlichen Satz (vermutlich rund 40 Plätze) nach oben machen.

Satzausgleich mit einem Lächeln

"Mayer gegen Mayer - das ist doch lustig", hatte Florian Mayer noch nach dem Halbfinale tags zuvor gesagt. Gegen Philipp Kohlschreiber profitierte der zweimalige Turniersieger (Halle 2016 und Bukarest 2011) von einer Oberschenkelverletzung und der Aufgabe seines Freundes und langjährigen Trainingspartners in Oberhaching bei München nach 57 Minuten beim Stande von 6:4, 2:3 aus seiner Sicht. Im Endspiel hatte "Flo", wie er im Tennis-Wanderzirkus meist genannt wird, so richtig nur im zweiten Satz was zu lachen. Dem Break zum 5:4 ließ er nach 73 Minuten den Satzausgleich folgen.

Aus dem Nichts zum Turniersieg

Leonardo Mayer, der sich in der Vorschlussrunde mit 6:3, 7:5 gegen seinen Landsmann Frederico Delbonis durchgesetzt hatte, überwand die Schwächephase und kam nach einer kurzen (Toiletten-)Pause seines Gegenüber erstarkt zurück. "Ich weiß nicht, was Rudi (Molleker, d.Red.) in der Quali mit ihm angestellt hat", sagte Stich grinsend. "Vielleicht hat sich Leonardo da ja gesagt: Gegen einen 16-Jährigen zu verlieren geht gar nicht." Molleker hatte den Südamerikaner in der Qualifikation ausgeschaltet. Mayer durfte aber als sogenannter "Lucky Loser" doch noch im Hauptfeld starten, weil sich Titelverteidiger Martin Klizan aus der Slowakei verletzt hatte - und kam so quasi aus dem Nichts zum Turniersieg.

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